Auge in Auge mit dem Chef Die falsche Tür
Herrentoilette (Archiv)
Foto: Federico Gambarini/ picture alliance / dpaFrüher habe ich freiberuflich gearbeitet - manchmal direkt bei meinen Kunden im Gebäude. Wer so etwas macht, weiß, dass er nicht immer im gleichen Büro sitzt, sondern ab und zu umziehen muss.
Am ersten Tag bei einem neuen Auftraggeber also, saß ich wieder einmal in einem Büro, das ich nicht kannte. In solchen Fällen frage ich mich stets: Wo sind die nächsten Toiletten? Manchmal ist das nämlich nicht ganz klar. Als ich nach einiger Zeit also mal musste, entschied ich mich dazu, eine Toilette zu benutzen, die zwar zu einer anderen Abteilung gehörte, aber näher an meinem Büro lag.
Ich ging den Gang entlang. Ich wusste, die Toilette musste sich auf der rechten Seite befinden. Plötzlich sah ich den Geschäftsführer im Gang stehen und war kurze Zeit abgelenkt, sodass ich nicht richtig auf die Toilettentür achtete.
Doch als ich eintrat, wusste ich sofort, dass das sicher nicht die Damentoilette war. Ich sah auf eine Reihe von Pissoirs, an einem erleichterte sich auch eine Person, die aufsah, als ich eintrat. Als sich unsere Blicke trafen, dachte ich nur: Warum? Warum? Warum musste es gerade mein Chef sein, den ich beim Pinkeln überraschte? Ich konnte nur noch eine Entschuldigung herauspressen und verließ mit hochrotem Kopf die Männertoilette.
Als wir später gemeinsam zum Mittagessen gingen, entschuldigte ich mich noch mehrere Male bei ihm, er antwortete nur: "Ich glaube, Du hast Dich mehr erschrocken als ich."
Kristin