Unternehmen Deutsche Vorstandschefs immer kürzer im Amt
Risikoposten Vorstandschef
Foto: imago/Ikon ImagesTopmanager in Deutschland haben es vergleichsweise schwer. Denn wer bei deutschen Aktiengesellschaften an der Spitze steht, muss häufiger als in anderen Ländern mit einer frühzeitigen Vertragsauflösung rechnen. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PwC.
Demnach wurden Vorstandsvorsitzende in Deutschland im vergangenen Jahr 24 Mal vor die Tür gesetzt. Zu den Geschassten oder Zurückgetretenen gehörten unter anderem Peter Terium von der RWE-Tochter Innogy und Stefan Sommer vom Automobilzulieferer ZF.
"Die Halbwertszeit von Vorstandchefs in Deutschland sinkt drastisch und liegt mit 5,1 Jahren unter dem internationalen Mittel von sieben Jahren", sagt Peter Gassmann, Europachef des Beratungsunternehmens PwC Strategy&. "Das regelmäßige Stühlerücken hierzulande ist auch auf immer kurzfristiger zu erreichende Ziele sowie eine geringere Fehlertoleranz der Aufsichtsgremien und Eigentümer zurückzuführen."
Chef für eine überschaubare Episode - mehr nicht
Während Vorstandschefs früher oft über ein Jahrzehnt im Amt waren, entwickle sich der Topjob mitterweile "immer mehr zu einer überschaubareren Episode im Manager-Lebenslauf", so Gassmann. Weltweite Spitzenreiter in Sachen Internationalität seien deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen: Jeder dritte neue Vorstandschef kam aus dem Ausland. Weltweit war es nur jeder sechste.
PwC hatte für die Studie die Veränderungen an den Spitzen der 2500 größten börsennotierten Unternehmen weltweit untersucht. Dabei machten die Managementberater noch einen ganz anderen Nachholbedarf deutscher Konzerne aus: Als einzige Frau im deutschsprachigen Raum schafft es Angela Titzrath von der Hamburger Hafen und Logistik AG 2017 auf den Chefsessel.
In den vergangenen fünf Jahren sind der Auswertung zufolge im deutschsprachigen Raum 172 Männer, aber nur neun Frauen zu Vorstandsvorsitzenden berufen worden - eine Quote von 5,2 Prozent. Zum Vergleich: In den USA und Kanada hat sich der Anteil weiblich besetzter CEO-Stellen im vergangenen Jahr auf neun Prozent erhöht.