Bernsteinzimmer: Was lange währt... - DER SPIEGEL
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Bernsteinzimmer Was lange währt...

Mit Phantasie geht alles: Im kommenden Jahr soll der Nachbau des legendären Bernsteinzimmers abgeschlossen sein. Am Montag wurde in Berlin eine Ausstellung eröffnet, die die bisherigen Ergebnisse dokumentiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf der "Who's who" Rangliste der während des zweiten Weltkrieges verschollenen Kunstwerke liegt das Bernsteinzimmer nach wie vor unangefochten auf Platz eins. Die Spekulationen um den Verbleib der Zimmerteile, die 1941 von deutschen Truppen aus dem Katharinenpalast in Zarskoje Selo nach Königsberg gebracht wurden, werden immer wieder aufs Neue angeheizt. Seit den englischen Bombenangriffen auf das heutige Kaliningrad im August 1944 wurde nie wieder etwas von dem Kunstwerk gesehen - dafür aber um so mehr darüber geredet. Aufklärung über den Verbleib des "Achten Weltwunders", ob versenkt oder doch vergraben, konnte auch eine am Montag in Berlin abgehaltene Pressekonferenz nicht bringen. Das lag aber auch kaum im Interesse von Boris Igdalow, dem Direktor der Bernsteinzimmer-Werkstatt. Denn statt dem Original nachzustöbern, befasst er sich lieber mit der Bastelei an einer Kopie. Er eröffnete im Anschluss an die Pressekonferenz in Berlin, dem Herkunftsort des Bernsteinzimmers, eine Ausstellung, die die Fortschritte der 1979 begonnenen Rekonstruktionsarbeiten dokumentiert. Im kommenden Jahr, zum 300. Geburtstag St. Petersburgs, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Zu sehen sind unter anderem auch kostbare Werkstatt-Reproduktionen aus Bernstein, in dem die Griechen einen "versteinerten Sonnenstrahl" sahen, sowie aus vergoldetem Silber und Holz. "Für uns ist es sehr wichtig, unsere Arbeit in der deutschen Hauptstadt, in einer der bedeutendsten Kulturstädte der Welt, vorstellen zu können", betonte Boris Igdalow vor Journalisten in Berlin. Nach seinen Angaben konnten einige der Reproduktionen nach alten Vorlagen oder Zeichnungen angefertigt werden, "andere entstanden aber aus Mangel an Unterlagen nach der Phantasie unserer Künstler".

Finanziert wird die Wiederherstellung des auf einen Wert von 250 Millionen Euro geschätzten Kunstwerks zur Zeit von dem Essener Energieunternehmen Ruhrgas mit 3,57 Millionen Euro. Falls alles nach Plan verläuft, wollen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Ministerpräsident Wladimir Putin das Zimmer zum Abschluss des G-8-Gipfels 2003 am 31. Mai einweihen.

Die Ausstellung ist im Berliner Kaufhaus Wertheim am Kurfürstendamm noch bis zum 6. April der Öffentlichkeit zugänglich. Ob sie allerdings den Eifer der dem Zimmer hinterherjagenden Hobby- und Berufshistoriker schmälern wird, ist eher unwahrscheinlich. Gegen den Traum, einmal im Original zu stehen, hat selbst die beste Kopie keine Chance.