Heute in den Feuilletons: "Funky Rambazamba-Gig" - DER SPIEGEL
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Heute in den Feuilletons "Funky Rambazamba-Gig"

In der "FR" widersetzt sich der Philosoph Jason Hill dem Multikulti und will statt dessen kosmopolitisch werden. Die "NZZ" war bei Prince und ist nach wie vor selig erschöpft: Es jault, dröhnt, kratzt des Prinzen Klampfe.
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Frankfurter Rundschau, 18.07.2007

Unter der Überschrift "Das neue Selbst" konfrontiert  der amerikanische Philosoph  Jason Hill die multikulturalistische Identitätspolitik mit einer kosmopolitischen Antwort auf die islamistische Bedrohung des Westens. "Der Kosmopolitismus wurde von den alten Stoikern und Kynikern geprägt und entwickelt, die die Idee vertraten, dass ein Individuum über eine ursprüngliche Identität jenseits derer, in die es hineingeboren wurde, verfügen sollte. Dieser Vorstellung zufolge setzt sich das Selbst aus einer Reihe von konzentrischen Kreisen zusammen, dessen innerster bei der Familie beginnt, sich über den Marktflecken, das Dorf und das Heimatland bis zum äußersten - aber wichtigsten -, der Familie der menschlichen Gemeinschaft, fortsetzt. Alle Menschen sind rationalitätsfähig und verfolgen einen moralischen Zweck im Leben, der kulturelle, regionale und soziale Unterschiede transzendiert."

In einem Interview spricht  der Schweizer Komponist Heinz Holliger über die Gefahren der "Kulturmaschine": "Heute muss alles sehr jung sein, auch ein Komponist. Viele werden fast zu Tode gefördert. Sie werden wie eine Zitrone ausgepresst, bis sie leer, förmlich trocken sind. Das ist eine immense Gefahr, denn der ganze Betrieb setzt vor allem auf Uraufführungen. Man muss produzieren, produzieren. Das hält nicht jeder aus. Deswegen appelliere ich immer, sich der Kulturmaschine zu widersetzen."

Weiteres: Peter Michalzik kommentiert  das Theater um die Nachfolge im Zepterhalten in Bayreuth. Und in Times mager beklagt  Ina Hartwig das zunehmende Verschwinden des deutschen Bücherherbstes und das pausenlose Bücherbombardement. Glückwünsche zum 80. Geburtstag gehen an den Schriftsteller Ludwig Harig  und den Dirigenten Kurt Masur .

Besprochen werden ein Konzert  von Keith Jarrett in Essen, der Documenta-Beitrag  "Fears" des Bulgaren Nedko Solakov, und Bücher, darunter "Pathologien der Vernunft" von Axel Honneth. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr)

Die Tageszeitung, 18.07.2007

In tazzwei beklagt  Martin Reichtert die immer schwulenfeindlicheren (aber auch frauen- und judenfeindlichen) Texte erfolgreicher deutscher Rapper: "Bushido zum Beispiel... findet Schwule ähnlich toll wie Golfspieler, nämlich 'scheiße' - er singt auch gerne mal was zum Thema, zum Beispiel darüber, dass man 'Tunten vergasen' müsse. Wenn umgekehrt jemand in der taz schreibt, dass es sich bei Bushido womöglich um eine 'Dumpfbacke' und einen 'furzlangweiligen Kacker' handeln könnte, schickt der sensible Künstler gleich einen Learjet mit Anwälten vorbei."

Das taz-Feuilleton ist heute monothematisch Quentin Tarantino und seinem neuen Film "Death Proof" gewidmet. In einem Interview  erklärt der Filmkritiker  Scott Foundas, warum das ursprünglich geplante Doppelfeature mit dem Film "Planet Terror" von Roberto Rodriguez unter dem gemeinsamen Titel "Grindhouse" floppte, wofür dieser Begriff steht und warum Tarantinos Film in Deutschland kritisiert wird. "Was die Leute an 'Death Proof' missverstehen, ist die schlichte Tatsache, dass dies Tarantinos persönlichster Film ist. Es ist die autobiografische Arbeit eines Menschen, der das Leben beinahe ausschließlich unter dem Gesichtspunkt betrachtet, wie es vom Kino beeinflusst wird. 'Death Proof' spricht sehr direkt Tarantinos eigenen Beruf an, sein Fantum und die grelle Macht, die Filme über unser Unterbewusstes ausüben können."

Cristina Nord findet  in ihrer Besprechung, Tarantinos Film ließe sich am besten mit einem Songtitel von Cindy Lauper zusammenfassen: "Girls just want to have fun". Ekkehard Knörer erklärt  schließlich, was hinter dem im Film zu sehenden Werbeschild "Alamo Drafthouse" steckt: Das beste Kino der USA in Austin .

Auf den Tagesthemenseiten begleitet  Astrid Geisler den ehemaligen FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte  auf seinem Kreuzzug gegen die "Islamisierung" Europas.

Hier  Tom.

Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2007

Sichtlich mitgenommen berichtet  Matthias Daum von Prince' Auftritt beim Jazz-Festival in Montreaux: "Der Auftritt mutiert nicht zum funky Rambazamba-Gig. Auf dem Höhepunkt bricht Prince  die überschwappende Euphorie und spielt die perlende Ballade 'Nothing Compares 2 U' - sichtlich genießend, dass ihm das Fußvolk seine Unvergleichlichkeit vorsingt. Es folgt der neue Song 'Guitar', eine mit Brit-Rock-Anleihen versehene Ode an den sexuell enthaltsamen Objektfetischismus, so wie es sich für einen arbeitsamen Zeugen Jehovas gehört: 'I love you baby, but not like I love my guitar.' Es jault, dröhnt, kratzt des Prinzen Klampfe, der Song endet in einem Stadionrock-Stahlgewitter - doch man verzeiht, wohl ein Zeichen von Kritikerschwäche, dem Kleingewachsenen diese Ausschweifung."

"Kann man durch Entzauberung bezaubern?", fragt  der Schriftsteller  Georg Klein in seiner Reihe "Die Zukunft von gestern", in der er sich diesmal mit Arno Schmidts nüchternem Mondroman "KAFF auch MARE CRISIUM" beschäftigt: "Mit etwas Glück jedoch enthält eine zukünftige Mars-Bibliothek neben den wohl unvermeidlichen 800 Bibeln zumindest ein Exemplar dieses großen Mondromans, der über der Melancholie, in die alle unsere Weltraumvorstöße münden müssen, das 'Wortall' des Erzählens, den Sternenhimmel der Sprache aufspannt."

Der Autor  Alex Capus verrät, was in Harry Potter VII zu erwarten ist. Marc Zitzmann verabschiedet  den Dirigenten Bernard Foccroulle, der nach fünfzehn Jahren die Brüsseler Oper verlässt. Besprochen werden Bücher, darunter Julia Voss' Band Über "Darwins Bilder", John Cheevers Saga "Die Geschichte der Wapshots" und Pascal Merciers Novelle "Lea" (mehr in unserer Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr).

Die Welt, 18.07.2007

Stefanie Bolzen berichtet  zum 71. Jahrestag des Beginns des Spanischen Bürgerkriegs über neue Kontroversen im Land. So will der Bischof von Valencia eine neue Kirche den "Märtyrern von 1936" weihen, womit er die von Republikanern getöteten Kirchenleute meint. Kai Luehrs-Kaiser schreibt  zum achtzigsten Geburtstag des Dirigenten  Kurt Masur, der in einem Interview  mit Björn Achenbach über seine Arbeit am Leipziger Gewandhaus, Freundschaften in New York und die göttliche Kraft von Beethovens Neunter spricht. David Deissner erinnert an den englischen Rechtsphilosophen H.L.A. Hart, der vor hundert Jahren geboren wurde.

In der Randglosse spießt  Hendrik Werner die Ankündigung auf, Thomas Gottschalk den Cicero-Rednerpreis zu verleihen, wobei ihm irgendwie das Missverhältnis von RTL II und Arte in den Sinn kommt. Peter Zander konstatiert , dass Quentin Tarantino mit seinem neuen Double-Feature zum "Auteur des B-Movies" aufgestiegen ist, hätte sich aber genauso gut gleich einen Film der Siebziger ansehen können: "Da wüsste man zumindest, warum die Kopie Kratzer hat." Anna Holz berichtet  vom Augsburger ABC-Festival.

Besprochen werden ein Konzert  des Altherrenduos Steely Dan und der heute in der ARD laufende Film  "Annas Albtraum kurz nach 6".

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2007

Im Aufmacher beschreibt  Gina Thomas für die Reihe "Der Vormarsch des Islamismus" die britische Schüchternheit bei der Bekämpfung extremistischer Organisationen, die selbst dann nicht verboten werden, wenn sie lauthals den Tod der Juden fordern. Marcel Reich-Ranicki findet  lobende Worte für Ludwig Harig, der heute achtzig Jahre alt wird. Andreas Platthaus glossiert  die testamentarische Schenkung einer Frankfurter Millionärin an die Universität der Stadt. Heinrich Wefing berichtet über einen Streit der Architekten Christoph Ingenhoven (mehr hier ) und Frei Otto (mehr hier ) um die Urheberschaft an der schwebenden Konstruktion für das Dach des geplanten Stuttgarter Hauptbahnhofs. Patrick Bahners fragt sich, wie München des protestantischen Bischofs Hans Meiser gedenken soll, der seine Kirche mutig gegen die Nazis schützte, zugleich aber auch durch antisemitische Schriften hervorgetreten war. Kilian Trotier schreibt über die die Universitäten zermürbende Frage, ob Studenten, die als Hochbegabte gefördert werden, von Studiengebühren befreit werden sollen. Gerhard Rohde gratuliert Kurt Masur zum Achtzigsten.

Auf der Medienseite stellt Rose-Marie Gropp zum ersten Tagesthemenauftritt Caren Miosgas die schwerwiegende Frage, was für Schuhe sie wohl zu ihrem Nadelstreifenanzug getragen haben mag. Außerdem wird über Kürzungen bei Sat 1 berichtet. Für die letzte Seite beschreibt  Jörg Thomann den Exodus junger Polen aus ihrem Heimatland - sie verdienen ihr Geld lieber in Irland oder Großbritannien (während Deutschland ihnen die Tore nicht so weit öffnet). Robert von Lucius würdigt den Literaturfreund Peter Ripken, der nun sein Amt als Chef der "Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika" aufgibt. Und Mechthild Küpper begrüßt die erste "Leo Baeck Summer University in Jewish Studies" an der Humboldt-Universität.

Besprochen werden Quentin Tarantinos neuer Film "Death Proof", die Ausstellung "Die Entdeckung der Natur - Naturalien in den Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts" in Wien , ein Konzert Keith Jarretts in Essen und Ereignisse des Festivals "abc - AugsburgBrechtConnected", das vom Lyriker Albert Ostermaier ins Leben gerufen wurde.

Berliner Zeitung, 18.07.2007

Im Interview mit Sabine Vogel erklärt  der somalische Schriftstelle r Nuruddin Farah, was es bedeutet Afrikaner zu sein: "Ich fühle mich in Afrika einfach wohler als anderswo, die Luft ist besser, die Leute stellen mir keine Fragen. Selbst wenn ich ein Visum brauche - sobald ich in einem Land bin und die Leute auf der Straße treffe, fühle ich mich nicht fremd. Es gibt diese Brüderlichkeit. Es ist der Spirit... Aber Afrikanischsein ist auch problematisch. Viele Afrikaner finden es beschämend, wie unsere Gesellschaften darniederliegen und in ewige Bürgerkriege verstrickt sind. Andererseits: Die Deutschen hatten ihren Dreißigjährigen Krieg. Warum können wir nicht auch unsere dreißig Jahre Krieg haben, ohne dass man denkt, wir sind blöd? Bürgerkriege haben auch etwas mit Identität zu tun."

Süddeutsche Zeitung, 18.07.2007

Alex Rühle berichtet von einer möglichen Indizierung zweier Rudolf-Steiner-Bücher wegen rassistischer Inhalte und stellt eine Studie des Historiker Helmut Zander dazu vor ("Anthroposophie in Deutschland"). Sonja Zekri beschreibt, wie das US-Außenministerium Museen unter anderem in Pakistan und Kasachstan mit für seine Politik einspannt. In einem Gespräch erläutert der Freiburger Althistoriker Hans-Joachim Gehrke, neugewählter Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts  (DAI), unter anderem, was ein Historiker in dieser Funktion kann, was ein Archäologe nicht kann. Till Briegleb weiß, wie Hans-Joachim Frey das Bremer Stadttheatersystem umbauen will. Jörg Königsdorf würdigt den scheidenden Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin Kirill Petrenko. Jörg Magenau gratuliert Ludwig Harig zum Achtzigsten. Zu lesen ist ein Nachruf auf die britische Rockmusikerin Kelly Johnson.

Sonja Zekri informiert über die erste "offizielle schwarze Liste" Russlands, in der Werke aufgeführt sind, deren Verbreitung von 2004 bis 2006 von Gerichten verboten worden war. Gemeldet wird, dass Herges Comicabenteuer "Tim im Kongo" wegen "rassistischer Inhalte" in den Kinderabteilungen der US-Buchhandelskette Borders nicht mehr verkauft wird.

Besprochen werden Quentin Tarantinos Film "Death Proof" , eine Ausstellung mit Arbeiten des belgischen Künstlers Erik van Lieshout in Containern vor dem Münchner Lenbachhaus , ein Konzert mit Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette in der Essener Philharmonie, ein uninspirierter Auftritt von Norah Jones in München und Bücher, darunter "Die akademische Elite", eine Attacke auf die gegenwärtige Hochschulpolitik von Richard Münch (siehe hierzu unsere Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr).