Elektroauto: In Europa mehr Neuwagen als mit Benzin und Diesel ohne Hybrid - DER SPIEGEL
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Hohe Spritpreise Elektroautos überflügeln Benziner und Diesel – in zwei Ländern dominieren sie klar

Im August wurden in Europa erstmals mehr reine E-Autos neu zugelassen als Verbrenner. Erkunden Sie auf der Europakarte, in welchen Ländern der Boom besonders stark ist.
Elektroauto an der Ladestation
Elektroauto an der Ladestation

Elektroauto an der Ladestation

Foto: Jan Woitas / dpa / dpa-tmn

Elektroautos haben in der EU reine Verbrenner überflügelt. Im August machten rein batterieelektrische Pkw 27,7 Prozent aller Neuzulassungen aus, wie der europäische Herstellerverband Acea in Brüssel mitteilte. Dieser Wert war so hoch wie nie zuvor und übertraf den Stand vor einem Jahr um rund 10 Prozentpunkte. Zugleich schrumpfte der Absatz von reinen Benzin- und Diesel-Pkw: Reine Benziner machten 18,9 Prozent der Neuzulassungen aus, Diesel kamen nur noch auf 6,4 Prozent – zusammen also nur gut ein Viertel. Den größten Marktanteil haben allerdings Hybride, die ebenfalls von fossilen Brennstoffen angetrieben werden und nur teilweise elektrifiziert sind.

Auch in den aufaddierten Zahlen der ersten acht Monate ist der aktuelle Elektroauto-Boom zu sehen. Insgesamt stiegen die Pkw-Neuzulassungen laut Acea im bisherigen Jahresverlauf um 5,3 Prozent auf 7,55 Millionen Autos. Davon waren 1,64 Millionen reine E-Autos. Den größten Anteil am Boom hatten Frankreich, Deutschland, Dänemark und – mit geringerem Wachstum – Belgien. In Nordeuropa und den Beneluxstaaten ist der Elektroanteil schon seit Jahren deutlich höher als im Rest Europas.

Aktuell helfen staatliche Subventionen wie die seit Januar neu eingeführte deutsche Kaufprämie für Gering- und Mittelverdiener oder das französische Sozialleasing breiteren Schichten beim Wechsel des Antriebs. Elektroautos profitieren derzeit auch von den hohen Spritpreisen infolge des Irankriegs, die sie finanziell im Vergleich zu Verbrennern attraktiver machen und ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit bringen. In Ländern wie Spanien und Italien wirkte dieser Effekt stärker zugunsten von Hybriden. In mehreren osteuropäischen Ländern erreichten diese einen Marktanteil über 50 Prozent.

In Deutschland stieg der E-Auto-Anteil im August auf 32,4 Prozent. Höher lag er bisher nur einmal, im Dezember 2022 mit 33,2 Prozent. Damals schnellte die Quote allerdings nur für einen einzelnen Monat hoch. Viele zogen ihre geplanten Käufe vor, weil die Förderung zum Jahreswechsel stark gekürzt wurde. Der aktuelle Wert hingegen schließt an monatelanges starkes Wachstum an.

Nach einer Analyse des International Council on Clean Transportation (ICCT) kamen die im Jahresverlauf 2026 in der EU verkauften Neuwagen im Durchschnitt auf einen offiziellen Ausstoß von 92 Gramm CO₂ pro Kilometer. Damit erreichten die Autokonzerne ihre Flottenzielwerte für die Jahre 2025 bis 2027. Nur wenige Hersteller wie Volkswagen oder Hyundai müssten noch leicht nachlegen, um die Klimavorgaben einzuhalten.

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ICCT-Europadirektor Peter Mock bewertete dies als »Zeichen, dass die aktuelle europäische Autoregulierung funktioniert – sogar besser als erwartet«. Demnach bräuchte die Autoindustrie die von der EU-Kommission vorgeschlagene Entlastung nicht, über die im Herbst mit den Regierungen der Mitgliedstaaten verhandelt werden soll. Einige wie die deutsche Bundesregierung fordern eine weitergehende Lockerung, während mehrere nordeuropäische Staaten am bisher geltenden System festhalten wollen. Demnach müssen die Hersteller die Emissionen ihrer Neuwagenflotten in mehreren Schritten bis 2035 auf null senken, was einem Verbrenner-Aus gleichkäme. Verfehlen die Unternehmen ihre Ziele in einem Zeitraum, müssen sie Bußgeld zahlen. Dies kam bislang jedoch nie vor.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde in der Karte »Europa elektrisiert« ein falscher Durchschnittswert für den Anteil rein batterieelektrischer Autos an den Pkw-Neuzulassungen 2026 angegeben. Der Anteil liegt bei 21,7 Prozent. Wir haben den Fehler korrigiert.

ahh/dpa