Playstation 2 Sony und AOL gegen die Xbox
Zehn Millionen verkaufte Playstations in wenigen Monaten, rund 2,7 Millionen davon in Europa - schlecht ist das nicht. Gerade, wenn man bedenkt, dass die Daddelkiste nicht gerade ein Schnäppchen ist: Mit satten 800 Mark ist sie derzeit das teuerste Modell ihrer Klasse.
Der Erfolg der Sony-Kiste hat Gründe. Technisch ist sie zurzeit nicht zu schlagen, eine echte Konkurrenz fehlt. Dem Altrivalen Sega fiel das Anfang des Jahres auch auf: Frustriert stellte Sega die Produktion seiner "Traumkiste" Dreamcast ein - noch im letzten Jahr als Novität bejubelt - und kündigte an, stattdessen künftig nur noch Spiele produzieren zu wollen - auch für die Playstation.
Der Markt der Spielekonsolen ist wie kaum ein anderer von einem unerbittlichen Verdrängungswettbewerb gezeichnet - und der nächste Kämpfer wartet schon am Rand des Ringes.
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Ein kleiner Fisch ist das nicht gerade. Microsoft, nach wie vor fast-Monopolist im Markt der PC-Betriebssysteme, tat sich lang schwer mit der Spielerei. Ja, es gab den Flugsimulator, es gab viele andere Versuch von Microsoft, im Spiele-Markt mitzuspielen. Fürchterlich viel kam dabei nicht heraus.
Doch gehört es zu Microsoft, spät, aber gewaltig aufzutrumpfen. Bis 1996 hatte Bill Gates auch die Entwicklung des Webs schlicht verpennt. Dann erklärte er Microsoft zur Web-Company, bündelte Betriebssystem und Browser - und machte die Konkurrenz platt.
So ähnlich stellt er sich wohl auch den Siegeszug der Xbox vor: Seit fast einem Jahr rührt Microsoft mit Macht die Werbetrommel für ein Phantomprodukt, das mit lautem Kawumm! Ende dieses Jahres auf dem Marktplatz der Spielekonsolen einschlagen soll.
Eine Aussicht, die den derzeitigen Platzhirschen Sony durchaus nervös machen dürfte. Seit langem schon gilt: Spielekonsolen müssen alles können. Die Xbox bringt die Voraussetzungen dafür mit. Die Playstation 2 ebenfalls - potenziell. Faktisch aber noch nicht: In Sachen Internet-Verbindung ist die PS2 noch ein wenig fußlahm.
Doch das Web ist wichtig für Gamer, und seine Bedeutung wächst noch. Nicht nur Surfen ist hier angesagt, viel wichtiger noch ist die Möglichkeit der Netzwerkspiele: Die Zocker der Welt versammeln sich gern einträchtig im virtuellen Krieg gegeneinander.
Nun hat sich Sony einen Partner ausgeguckt, der der Playstation Flügel verleihen könnte: AOL soll - so hat das "Wall Street Journal" erfahren - in einer nicht näher beschriebenen "Kooperation" mit Sony dafür sorgen, das der Internet-Connect der PS2 nicht schlechter ist als der der Xbox.
Ein Deal, bei dem keiner der Beteiligten über Geld spricht. Wohl über "Synergien", denn die Partner haben sich ja einiges zu geben: AOL holt die PS2 aufs Web, Sony holt AOL ins Fernsehen. Gut möglich, dass keiner der Partner dabei arm wird. So dringend Sony ins Web will, so wichtig ist es für AOL, in der amerikanischen Fernsehlandschaft stärker Fuß zu fassen. Denn der Konkurrenzkampf zwischen Microsoft und AOL setzt sich dort fort: Im Markt der Set-Top-Boxen und des Bezahlfernsehens.
Ärmer wird allerdings der Kunde bei diesem Deal. Noch ist nichts bekannt über die Kosten der PS2/AOL-Internetverbindung. Nur eines ist jetzt schon klar: Wer mit der PS2 ins Web will, der wird sie entsprechend aufrüsten müssen. Zum Surfvergnügen wird Sony eine externe Festplatte, ein spezielles Keyboard, eine Maus und - für den, der's braucht - einen LCD-Monitor anbieten, noch vor Ende des Jahres.
Da ist also auch für PS2-Fans Sparen angesagt, um dann spätestens im Herbst vor einer harten Entscheidung zu stehen: Entscheide ich mich für das Aufrüst-Kit, oder für die XBox - oder doch lieber für den GameCube, denn auch der letzte verbleibende Konkurrent im Konsolenmarkt hat etwas neues zu bieten. Nintendo will spätestens im Spätherbst mit einer kleinen Multimedia-Maschine auftrumpfen.
Kein Zweifel, Sony hat mit der PS2 derzeit die Nase vorn - technisch, wie auf dem Markt. Zehn Millionen verkaufte Exemplare wollen erst einmal geschlagen sein. Doch Sony will die Marktführerschaft, und dafür müssen bis Ende nächsten Jahres 20 Millionen Boxen verkauft sein. Wenn die Konkurrenz nicht schläft, wird sie ihre Kisten bis zum Herbst nicht nur Surf-fähig, sondern Surf-fertig anbieten. Ohne die Notwendigkeit kostenintensiver Upgrates. Dann könnte Sony ein Problem bekommen: Besser wäre das schon, wenn dieser AOL/Sony-Web-Access wirklich billig wäre...
Frank Patalong