WLANs fette Beute Der drahtlose LANsinn
Während so genannte Bürgernetze die ersten WLAN-Antennen justierten, um schnelle Internetzugänge mit der Nachbarschaft zu teilen, predigte die Industrie noch unbeirrt das Hohelied der drei "G".
3-G, Mobil-Telefonie der dritten Generation, das sei die Zukunft: Bunt, schnell, sicher und zugegeben nicht ganz billig. WLAN, die drahtlose Alternative zur Rechnervernetzung hingegen, sei ein feines Spielzeug für das Büro und zu Hause, vorausgesetzt, man verschlüsselt ordentlich oder findet sich damit ab, Funkspannern Einblicke auf die eigene Festplatte zu bieten.
Das klang plausibel. Noch vor Jahresfrist schienen WLAN und UMTS in keiner direkten Konkurrenz zu einander zu stehen. Doch irgendwie scheint alles schief zu gehen, denn plötzlich verlassen die kleinen Funkzonen das Büro, das Yuppie-Café und das teure Businesshotel und machen sich im öffentlichen Raum breit. Der drahtlose LANsinn greift um sich.
Surfen auf der Parkbank
Hotspot-Hamburg unterhält derzeit 30 kostenlose Zugangspunkte. "Und das bleibt für 2003 auch so", bestätigt Christof Kaplanek von der zuständigen PR-Agentur Faktor 3 und fügt hinzu: "Jedenfalls so lange die Standort-Initiative Hamburg @ work für das Projekt zuständig ist." Hotspot-Hamburg lebt von einer Private-Public-Partnership. Zu den Finanziers gehört die Stadt Hamburg, während die Deutsche Telekom die Netzzugänge bereitstellt.
In anderen Städten, von Berlin über Kiel bis Wiesbaden kostet der WLAN-Zugang hingegen Bares. Hier haben kleine Anbieter eine offensichtlich lukrative Nische gefunden. Gerade Geschäftsleute, die künftigen UMTS-Kunden, fahren voll auf WLAN ab. Entgegen den Erwartungen, denn schließlich ist die Datensicherheit von WLAN immer noch verbesserungswürdig, und es bietet einen zwar leistungsstarken Internetzugang für unterwegs, der allerdings nur in kleinen Funkinseln wirklich mal funktioniert. Abgerechnet wird durch Freischaltungscodes, die man ähnlich wie Prepaid-Karten für das Handy käuflich erwerben muss, bevor es ins Netz geht.
Keine Gefahr für UMTS, signalisieren die Branchenriesen da einmütig, allenfalls eine gute Ergänzung. Doch darüber können die kleinen WLAN-Betreiber nur schmunzeln.
Die Firma Tacteam in Kiel betreibt derzeit 13 Hotspots unter dem Namen Flyconnect. Der Projektleiter Matthias Hagen glaubt, das Rennen zwischen UMTS und WLAN sei beileibe nicht entschieden: "Von der Technik gesehen sind sich UMTS und WLAN sehr ähnlich. Nicht immer erobert die am weitesten entwickelte Technik den Markt."
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Tatsächlich wären Billing-Systeme und Content-Plattformen ebenfalls auf WLAN-Technik realisierbar. Voice-over-IP würde sogar das Telefonieren ermöglichen, wenn auch wohl kaum auf den derzeit genutzten WLAN-Frequenzen.
Eine Flächendeckung zu erreichen ist mit WLAN wohl unmöglich. Damit ist die Mobilität in jedem Fall eingeschränkt. Doch das beeindruckt "WLAN-Spotter" nur wenig: "Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen WLAN und UMTS", erklärt Enno Uhde von Placetobee, die sich vorgenommen haben, die Wiesbadener Innenstadt zur WLAN-Zone zu erklären: "WLAN funktioniert...!"
Doch auch Uhde glaubt letztlich an eine hybride Form von WLAN und UMTS. "Im Augenblick scheint der Kunde diese uneingeschränkte Mobilität aber noch gar nicht zu fordern."
Vorbeugung ist alles!
Doch auch das wäre keine Gefahr für die UMTS-Lizenzinhaber - denn in Wahrheit sind auch sie längst auf den Zug aufgesprungen: 250 Hotspots sind alleine von T-Mobile für 2003 geplant. Es gilt, attraktive Spotplätze zu sichern und Kunden zu binden. Gerade für Geschäftskunden wäre es wichtig, mit einem WLAN-Vertrag sich in München ebenso unproblematisch einbuchen zu können wie in Rostock. Ergo muss ein Roamingverfahren her.
Und spätestens an dieser Stelle droht die Geschichte, unschön zu werden. Denn weit gefährdeter als die UMTS-Lizenzinhaber könnten am Ende die kleinen Unternehmen dastehen, die im Laufe des letzten Jahres den WLAN-Markt bereiteten.
Es ist wohl kaum anzunehmen, dass die Telekom Roamingverträge mit semikommerziellen Bürgernetzen abschließt, oder 6 Hotspots eines Berliner Internetproviders mitverhandelt werden. Von den kleinen Hotspotanbietern hat heute noch keiner Telekom-Kampfgewicht.
Selbst Europas WLAN-Vorzeigeanbieter, die Firma Metronet aus Österreich mit immerhin 234 Hotspots in der benachbarten Alpenrepublik, gibt sich keinen Illusionen hin: " Sobald die großen Telekom-Gesellschaften in das Geschäft einsteigen", glaubt Metronet-Chef Mike McGinn, "werden wir in der Wertung zurückfallen." Nur einen Vorteil kann Metronet wohl schon heute in die Waagschale werfen. Mit T-Mobil Austria hat man bereits ein Kooperationsabkommen geschlossen. Damit wäre ein Roaming schon in trockenen Tüchern.
In Deutschland hingegen ist die Anbietervielfalt bestenfalls ein Übergangsstadium. Für die UMTS-Lizenzinhaber gilt es im Public-WLAN-Geschäft ein Dienstleistungs- und Preisgefüge zu diktieren, um die dort gewonnenen Kunden auf UMTS-Dienste einzustimmen. Da es dabei auch für die Riesen ums Eingemachte geht, ist ein Kampf mit Samthandschuhen kaum zu erwarten.