Hochwasser: Schnellstens raus! - DER SPIEGEL
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Hochwasser Schnellstens raus!

Offenbar spitzt sich die Lage im mecklenburgischen Elbabschnitt bei Dömitz zu. Die Bürger wurden aufgerufen, ihre Häuser so schnell wie möglich zu verlassen. An der Landesgrenze zu Brandenburg droht ein Deich abzurutschen - dann würde die Stadt überflutet.
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Hamburg - In der Region um Dömitz waren die Evakuierungsmaßnahmen am Mittwoch nur schleppend angelaufen. Viele Menschen hatten sich geweigert, ihre Häusern zu verlassen. Mit einem dringlichen Appell wandte sich der Chef des Katastrophenstabes, Landrat Rolf Christiansen, am späten Vormittag an die Dömitzer, ihre Häuser schnellstens zu räumen. In Lenzen im benachbarten Brandenburg drohe ein Deich abzurutschen, was eine Überflutung der Stadt zur Folge hätte.

Auch in dem kleinen Ort Rüterberg, in der Nähe von Dömitz, wollen die 170 Anwohner ihre Häuser nicht im Stich lassen. Die Chancen, dass Rüterberg nicht überflutet wird, stehen gut. Die Gemeinde liegt nach Angaben des Bürgermeisters auf einem Hügel rund 25 Meter über der Elbe. Dennoch haben sich die Menschen für das Schlimmste gewappnet: Jeder habe sich für fünf Tage mit Essen und Trinken eingedeckt. Auch ein Arzt sei vor Ort, sagte Bürgermeister Meinhard Schmechel. Nach Angaben des Krisenstabes bleiben die Rüterberger auf eigene Gefahr in ihrem Ort, den sie mit Behelfsdeichen gesichert haben.

Mit großer Geschwindigkeit rollt die Hochwasserwelle der Elbe unterdessen durch Sachsen-Anhalt auf Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu. Aus Dessau, Aken, Wittenberg und Magdeburg wurden leicht fallende Pegelstände gemeldet - dennoch bleibe die Belastung der Deiche in den kommenden Tagen enorm. Deshalb gelte weiter Katastrophenalarm, erklärte der Oberbürgermeister von Magdeburg, Lutz Trümper.

In der Landeshauptstadt wurde von der Evakuierung ostelbischer Siedlungen mit insgesamt 20.000 Bewohnern abgesehen. "Solange die Deiche so stark belastet werden, müssen wir weiterhin auf Evakuierungen gefasst sein", sagte Trümper. Deiche und Schutzwälle würden rund um die Uhr bewacht.

Zerstörtes Bahnnetz bei Riesa

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Foto: AP
Zwar hat Kellner Alexander Alexandrow seinen Job verloren, beim Aufräumen in seiner ehemaligen Arbeitsstätte, dem Kunst-Cafe Antik in Dresden, hilft er trotzdem

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Foto: DPA
Aufräumen in Pirna

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Foto: REUTERS
Freiwilliger Helfer bei Pirna: Nach der Flut kommt das Aufräumen

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Foto: REUTERS
Münzstraße in Dresden: Die Pumpen laufen auf Hochtouren

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Foto: REUTERS
Hochwasserschäden in Pirna

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Foto: REUTERS
Bahngleise bei Dresden: Wie eine Achterbahn

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Foto: AP
Zerstörter Laden bei Pirna: Bis zu den Knien im Müll

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Foto: REUTERS
Die Schwanensee-Kostüme aus der Semper-Oper haben die Flut überstanden - sie werden nun getrocknet

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Foto: AFP
Mitarbeiter des THW und der Feuerwehr Dresden

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Foto: DPA
Das Dresdner Albertinum öffnete am Dienstag erstmals wieder die Pforten

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Foto: AFP
Freiwillige Helferinnen in Pirna

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Foto: REUTERS
Aufräumarbeiten im Dresdner Stadtteil Laubegast

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Foto: DPA
In Flöha im Erzgebirge wird ein Autowrack von einem Bergepanzer abtransportiert

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Foto: DDP
Mit der Schaufel müssen Trümmer und Hochwasserschlamm in Meißen entfernt werden

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Foto: DDP
Großreinemachen im Dresdner Stadtteil Laubegast

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Foto: DPA

Auch im östlichen Sachsen-Anhalt bleibt die Hochwassersituation brisant. Nachdem im Landkreis Wittenberg ein Deich geöffnet wurde und ein weiterer gebrochen war, stiegen die Fluten am Mittwochmorgen im weiter westlich gelegenen Landkreis Anhalt-Zerbst und im Raum Dessau. Mindestens vier Dörfer wurden überschwemmt. Der am Südufer der Elbe gelegene und zum Welterbe der Unesco zählende Wörlitzer Park war nach wie vor "akut gefährdet", hieß es im Krisenstab des Nachbarortes Oranienbaum.




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Eine in der Nacht erfolgte Sperrung einer Autobahnauffahrt der A9 Berlin-Nürnberg konnte am Morgen wieder aufgehoben werden, nun sei die Autobahn nach Angaben des Krisenstabes in Roßlau wieder frei befahrbar.

Ursache für die neuerliche Zuspitzung war eine vom Technischen Hilfswerk und Bundeswehr in der Nacht durchgeführte Deichöffnung an der Elbe südlich von Wittenberg. Dadurch sollte nach Angaben des Krisenstabes die Wassermassen in Richtung der Schwarzen Elster abgeleitet werden. Hoffnung, dass der bei Seegrehna geborstene Deich rasch repariert werden könnte, gibt es nicht. Nach letzten Angaben ist der Damm auf über 100 Meter Länge gebrochen.

Auch im Landkreis Jerichower Land war am Dienstag ein Deich des Umflutkanals gebrochen. Am Mittwoch meldete der Krisenstab, die Lage sei "relativ stabil". Rund 350 Menschen der Region hatten dort ihre Wohnungen verlassen müssen.

Auch in den anderen betroffenen Landkreisen Bitterfeld, Anhalt-Zerbst, Köthen, Schönebeck, Ohrekreis und Stendal wurde am Mittwoch weiter an der Verstärkung der durchweichten Dämme gearbeitet. Unterstützt wurden die Bewohner der bedrohten Orte von zahllosen freiwilligen Helfern sowie von 9000 Bundeswehrsoldaten, rund 1500 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks, knapp 2000 Feuerwehrleuten aus anderen Bundesländern, Bereitschaftspolizisten und Angehörigen des Bundesgrenzschutzes. Wie die Bundeswehr mitteilte, wurden auch Teile der Panzerbrigade 14 aus Hessen nach Sachsen-Anhalt verlegt.

Die Flutwelle erreicht Norddeutschland nun offenbar früher - und weniger heftig - als erwartet. In Schnackenburg am Beginn des niedersächsischen Elbabschnittes erreichte der Pegel am Morgen mit 7,49 Meter seinen Höchststand, 110 Zentimeter unterhalb der Deichkrone. Damit dürfte der Scheitel der Flutwelle dank der Flutung von fünf Havelpoldern in Brandenburg deutlich unter den ursprünglichen Berechnungen liegen, teilte das Umweltministerium in Hannover mit. Dort hatte man bisher mit 70 bis 80 Zentimetern unter der Deichkrone gerechnet.

Trotzdem verlassen seit Mittwochmorgen in der Region Tausende ihre Häuser. Im Laufe des Tages sollten in den an der Elbe gelegenen Landkreisen Prignitz (Brandenburg) und Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) sowie im Amt Neuhaus im Kreis Lüneburg (Niedersachsen) knapp 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Auch die Stadt Lauenburg in Schleswig-Holstein verfügte am Mittwoch, dass rund 500 bis 600 Menschen bis zum Abend die Altstadt räumen müssen. Die neun Meter hoch gelegene Elbstraße werde vermutlich am Donnerstag überlaufen, sagte ein Sprecher des Krisenstabes. In der direkt an der Elbe gelegenen Stadt Hitzacker (Kreis Lüchow-Dannenberg) liefen am Mittwochmorgen die ersten Keller voll Wasser. Hier wird der Höchststand im Laufe des Tages erwartet.

Probleme bereiten im brandenburgischen Kreis Prignitz erste Durchweichung an den älteren Elbdeichen, sowie auf niedersächsischer Seite vor allem entlang des Elbe-Nebenflusses Jeetzel bei Dannenberg. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Deiche zu sichern", sagte ein Sprechern des Katastrophenstabes.