Jahrhundertflut: Brandenburg lässt Elbwehre öffnen - DER SPIEGEL
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Jahrhundertflut Brandenburg lässt Elbwehre öffnen

Durch die Öffnung von vier Wehren zwischen Havelberg und Wittenberge soll der Pegelstand der Elbe gesenkt werden. Das Wasser fließt in unbesiedelte Polder ab - allerdings könnten durch die Maßnahme auch Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten werden.
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Von der Öffnung der Wehre bei Quitzöbel verspricht sich die brandenburgische Landesregierung, eine dauerhafte Absenkung des Wasserstands um 15 bis 17 Zentimeter. Laut Innenminister Jörg Schönbohm könnten dadurch einige Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten werden. Die Orte selbst würden aber nicht geflutet. Nach Angaben des Krisenstabes ist aber auch der Pegelstand der Havel betroffen, deren Rückstau den Ort Rathenow gefährden könnte.

Zerstörtes Bahnnetz bei Riesa

Zerstörtes Bahnnetz bei Riesa

Foto: AP
Zwar hat Kellner Alexander Alexandrow seinen Job verloren, beim Aufräumen in seiner ehemaligen Arbeitsstätte, dem Kunst-Cafe Antik in Dresden, hilft er trotzdem

Zwar hat Kellner Alexander Alexandrow seinen Job verloren, beim Aufräumen in seiner ehemaligen Arbeitsstätte, dem Kunst-Cafe Antik in Dresden, hilft er trotzdem

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Aufräumen in Pirna

Aufräumen in Pirna

Foto: REUTERS
Freiwilliger Helfer bei Pirna: Nach der Flut kommt das Aufräumen

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Münzstraße in Dresden: Die Pumpen laufen auf Hochtouren

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Hochwasserschäden in Pirna

Hochwasserschäden in Pirna

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Bahngleise bei Dresden: Wie eine Achterbahn

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Zerstörter Laden bei Pirna: Bis zu den Knien im Müll

Zerstörter Laden bei Pirna: Bis zu den Knien im Müll

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Die Schwanensee-Kostüme aus der Semper-Oper haben die Flut überstanden - sie werden nun getrocknet

Die Schwanensee-Kostüme aus der Semper-Oper haben die Flut überstanden - sie werden nun getrocknet

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Mitarbeiter des THW und der Feuerwehr Dresden

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Foto: DPA
Das Dresdner Albertinum öffnete am Dienstag erstmals wieder die Pforten

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Freiwillige Helferinnen in Pirna

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Aufräumarbeiten im Dresdner Stadtteil Laubegast

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In Flöha im Erzgebirge wird ein Autowrack von einem Bergepanzer abtransportiert

In Flöha im Erzgebirge wird ein Autowrack von einem Bergepanzer abtransportiert

Foto: DDP
Mit der Schaufel müssen Trümmer und Hochwasserschlamm in Meißen entfernt werden

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Großreinemachen im Dresdner Stadtteil Laubegast

Großreinemachen im Dresdner Stadtteil Laubegast

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In der Prignitz liefen inzwischen die ersten Evakuierung an. Es handele sich um eine Teilevakuierung in drei Stufen, erklärte Schönbohm am Dienstagnachmittag in Wittenberge. Zunächst seien in der Prignitz die Orte unmittelbar hinter dem Deich mit rund 3000 Bewohnern betroffen. Danach werden je nach Lage weitere Orte mit etwa 8000 Menschen geräumt. Erst wenn der Deich bricht, müssen weitere 9000 Menschen ihre Wohnungen verlassen.




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Dramatisch hat sich auch die Situation östlich von Magdeburg entwickelt. Nach einem Deichbruch am Elbe-Umflutkanal bei Heyrothsberge gaben die Einsatzkräfte am Dienstagnachmittag den Schutzwall auf. Alle Versuche, das rund 50 Meter lange Loch zu schließen, seien gescheitert, teilte der Katastrophenstab mit. Wegen akuter Überflutungsgefahr müssten jetzt auch Teile der Ortschaft Biederitz evakuiert werden. Hunderte Bewohner von Gübs, Klein-Gübs sowie aus Teilen von Königsborn, Menz, Wahlitz und Heyrothsberge wurden bereits in den frühen Morgenstunden in Sicherheit gebracht.

Auch in Niedersachsen, wo die Flutwelle am Mittwoch erwartet wird, sind etliche tausend Anwohner von den Fluten bedroht. In Amt Neuhaus am rechten Elbufer werden vermutlich ab Mittwochmorgen 2000 Menschen in Sicherheit gebracht. "Wenn die Pegel heute Abend 6,80 Meter überschreiten, werden wir morgen früh mit der Evakuierung beginnen", erklärte Regierungssprecher Michael Linkersdörfer am Dienstag. Auch auf der linken Elbseite laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Im Kreis Lüchow-Dannenberg könnten 20.000 Menschen in Gefahr sein.



Im Kreis Wittenberg hat sich die Hochwasserlage nach tagelangem Kampf gegen die Jahrhundertfluten leicht entspannt. "Ich sehe die Chance, mit zwei tiefblauen Augen herauszukommen", sagte Landrat Hartmut Dammer am Dienstag in Wittenberg. Ein gebrochener Deich konnte bis zum Mittag geschlossen werden. Allerdings fließen weiterhin an sechs Stellen Wassermassen durch gebrochene Dämme.

Die bei Seegrehna ins Land strömenden Fluten bedrohten massiv den historischen Wörlitzer Park sowie die Autobahn A 9 von Berlin nach Nürnberg, erklärte der Landrat. Der Pegel der Elbe fiel am Mittag auf 6,41 Meter, 66 Zentimeter unter den Höchststand von Sonntagabend. Dennoch ist die Krise noch nicht überstanden.




In Wittenberg-Pratau gelang es, mit Hilfe von 150 Lkw-Ladungen Schotter den Deich zu schließen. Die ersten Bewohner konnten dort in ihre Häuser zurückkehren. Stark betroffen blieb Prettin, das großflächig überschwemmt ist. Trotz Evakuierungsmaßnahmen waren viele Menschen dort geblieben. Am Morgen wurde die kleine Gemeinde Jessen-Süd evakuiert, weil hier das Grundwasser gestiegen war.

In einer vorsichtigen Bilanz nach dem ersten Abfließen der Wassermassen sagte Landrat Dammer, die Schäden an den Gebäuden hielten sich nach erstem Eindruck in Grenzen. Auch Straßen und andere Infrastruktur seien nicht so stark beschädigt wie zunächst befürchtet. "Am Wochenende will ich die Gummistiefel ausziehen", sagte Dammer zur weiteren Entwicklung.

Auch in Sachsen herrscht weiter Deichbruchgefahr. Obwohl das Wasser zurückgeht, weichen die Dämme unter der Belastung der vergangenen Tage auf und werden brüchig, sagte ein Sprecher des Dresdner Innenministeriums. Besonders heikel sei die Lage in Torgau, wo das Wasser derzeit bei 7,93 Metern stehe.