Kolumbien: Sieben Flugzeugabstürze – und wie Menschen spektakulär überlebten - DER SPIEGEL
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Luftfahrt-Katastrophen Sieben Flugzeugabstürze – und wie Menschen spektakulär überlebten

40 Tage nach einem Flugzeugcrash sind vier Kinder im kolumbianischen Regenwald lebend aufgefunden worden. Immer wieder retten sich Menschen aus verunglückten Maschinen. Hier sind sieben Beispiele.
Absturz eines Airbus 2010 in Tripolis: Ein neunjähriger Junge überlebte
Absturz eines Airbus 2010 in Tripolis: Ein neunjähriger Junge überlebte

Absturz eines Airbus 2010 in Tripolis: Ein neunjähriger Junge überlebte

Foto: MAHMUD TURKIA/ AFP

Sie gelten als »Wunder vom Amazonas«: Vier Geschwister überlebten nach einem Flugzeugunglück 40 Tage im kolumbianischen Dschungel. Suchkräfte entdeckten vier Wochen nach dem Absturz Fußabdrücke sowie Windeln und angebissene Früchte, zehn Tage später wurden die Kinder gefunden. Offenbar war das Kleinflugzeug mit ihnen an Bord mit Baumkronen kollidiert und abgestürzt. Womöglich bremste der Zusammenstoß mit den Bäumen den Aufprall, sodass der hintere Teil der Kabine kaum beschädigt wurde, weshalb die Kinder überlebten. Ihre Mutter, der Pilot und ein indigener Anführer starben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen einen Flugzeugabsturz auf spektakuläre Weise überleben. Immer wieder können sich einzelne Passagiere aus verunglückten Maschinen retten. Manche überlebten nur, weil sie zufällig im einzigen Teil des Flugzeuges saßen, der nicht völlig zerstört wurde.

2010, Tripolis (Libyen): 103 Tote, ein Neunjähriger überlebt

Ein aus Südafrika kommender Airbus verfehlt am 12. Mai 2010 beim Anflug auf Tripolis die Landebahn: Das Flugzeug explodiert und wird fast vollständig zerstört, Wrackteile liegen überall. 103 Menschen an Bord kommen ums Leben, nur ein neunjähriger Junge aus den Niederlanden überlebt mit zahlreichen Knochenbrüchen. Unfallursache ist wahrscheinlich menschliches Versagen: Pilot und Co-Pilot hatten sich womöglich nicht abgesprochen, wer Höhe und wer Geschwindigkeit überwacht.

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2009, Komoren: 153 Menschen sterben, 14-Jährige überlebt an ein Wrackstück geklammert

Beim Landeanflug auf die Komoren stürzt im Juni 2009 ein Airbus A310 der Fluggesellschaft Yemenia Air vor Afrika in den Indischen Ozean. An Bord sind 153 Menschen, darunter 66 Franzosen. Viele von ihnen sind Komorer, die in Frankreich lebten und in dem Archipel im Indischen Ozean, einem der ärmsten und kleinsten Staaten der Welt, ihren Heimaturlaub verbringen wollten. Fünf Minuten vor der geplanten Landung auf der Hauptinsel Grande Comore stürzt der Airbus bei böigem Wind in den Indischen Ozean. Die Ursache? Der französische Verkehrsstaatssekretär spricht von »schlechtem Wetter« und einem »missglücktem Landeanflug«. Womöglich war das Flugzeug auch schlecht gewartet.

Eine 14-Jährige überlebt das Unglück. Sie klammert sich stundenlang an ein Wrackstück und wird dann von einem der Boote aufgelesen, die vor der komorischen Hauptstadt Moroni im Indischen Ozean nach Überlebenden suchen. Das Mädchen sei erschöpft, aber weitgehend unverletzt, sagt der komorische Regierungssprecher Abdourahim Saïd Bacar der Nachrichtenagentur dpa: »Das ist wirklich ein Wunder.«

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2003, Port Sudan (Sudan): 115 Tote, Zweijähriger überlebt in Decken gehüllt

Wegen eines technischen Defekts stürzt 2003 eine Boeing 737 kurz nach dem Start vor Port Sudan ins Rote Meer. 115 Passagiere sterben, nur der zwei Jahre alte Mohammed überlebt. Er erleidet schwere Verbrennungen und verliert später ein Bein. Ein Experte der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig nennt sein Überleben damals einen »Riesenzufall« – und versucht, das Unerklärliche zu erklären: »Wenn ein Baby in Decken gewickelt gut geschützt in einem Tragekorb liegt, kann es größere Überlebenschancen haben als ein Erwachsener.«

1995, Cartagena (Kolumbien): 52 tot, Kind wird beim Aufprall herausgeschleudert und überlebt

Die damals zehnjährige Erika Delgado hat Riesenglück. Sie fliegt am 12. Januar 1995 von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá in die Küstenstadt Cartagena. Kurz vor der Landung stürzt die DC-9 der Gesellschaft Intercontinental de Aviación jedoch ab, der Pilot versucht noch eine Notlandung, das Manöver misslingt jedoch. Zehn Meter von der Unglücksstätte entfernt finden Bauern eine Überlebende, nur ihr Arm ist gebrochen: Erika Delgado ist offenbar vor dem Absturz aus dem Flieger in den Sumpf geschleudert worden – und überlebt nur deshalb als einzige der 53 Passagiere.

1985, Tokio (Japan): 520 Tote, vier Menschen überleben

Als einer Boeing 747 der Japan Airlines auf dem Flug von Tokio nach Osaka ein Teil des Leitwerks abreißt, klafft auf einmal ein riesiges Loch im Flugzeug. Der Druck fällt ab, die Maschine ist nicht mehr manövrierfähig und zerschellt in den Bergen. 520 Menschen sterben – vier überleben wie durch ein Wunder, zwei davon im abgerissenen Heckteil der Maschine: eine Flugbegleiterin, ein zwölfjähriger Junge, ein achtjähriges Mädchen und dessen Mutter.

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1981, Sawitinsk (Sowjetunion): 31 sterben, 20-Jährige überlebt Flugzeugkollision

Am 24. August 1981 ist die damals 20-jährige Larissa Sawizkaja auf dem Heimflug aus den Flitterwochen. Sie schläft an der Schulter ihres Mannes Wladimir, als ein ohrenbetäubender Knall sie aus dem Schlummer reißt. »Statt der Decke war nur der Himmel da«, erinnert sie sich später. Ihr Mann neben ihr ist tot. Das Passagierflugzeug ist in der Luft von einem Militärbomber gerammt worden und auseinandergebrochen: Seitenflügel und Tank sind abgerissen.

In einem winzigen Teil des Flugzeugs, lediglich vier Sitzreihen lang, stürzt Swaizkaja mehr als fünf Kilometer in die Tiefe. Später sagte sie, der Sturz habe sie an den italienischen Film »Es geschehen noch Wunder« erinnert: Dort rettet sich die Filmheldin bei einem Flugzeugabsturz, indem sie sich an ihren Sitz klammert. Das tut sie also auch und prallt in einem Birkenhain auf.

Erst drei Tage später wird sie von einem Suchtrupp in der Wildnis gefunden. Schwer verletzt hat die junge Frau nach Essbarem in den Wäldern gesucht, konnte aber kaum Beeren kauen, da sie bei dem Crash nahezu alle Zähne verloren hat. Außer ihr überlebt keiner der 31 Passagiere. Der Sowjetunion ist der Vorfall so peinlich, dass die Überlebende mehr als 20 Jahre über das Unglück schweigen muss.

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1972, Anden: 29 sterben, 16 überleben – als Kannibalen

In 4000 Meter Höhe zerschellt am 13. Oktober 1972 Flug 571 an einem Berghang. 45 Menschen sind an Bord, darunter ein Rugby-Team. Dutzende sterben beim Aufprall. Die Absturzstelle liegt mitten in den Anden, es herrschen extreme Minusgrade, bis 40 Grad unter null. Acht Tage nach dem Absturz geben die Behörden die Suche nach Überlebenden auf, die Verschollenen hören die Meldung über ein Transistorradio.

Die ersten Tage ernähren sich die Abgestürzten von Schokolade und Wein, den sie im Gepäck hatten. Dann gehen sie über zu genau rationierten Mengen von Zahnpasta. Schließlich trinken sie Rasierwasser. Dann die Entscheidung: Um zu überleben, brechen die abgestürzten Sportler eines der größten Tabus der Menschheit. Sie essen Menschenfleisch – das Fleisch ihrer toten Freunde.

Nach über 60 Tagen im ewigen Eis der Bergwelt schickt die Gruppe zwei der Rugby-Spieler auf Expedition, um Hilfe zu holen. Sie irren zehn Tage durch Schnee und Eis, ohne zu wissen, ob sie in die richtige Richtung gehen. Zwei Tage vor Weihnachten treffen sie auf einen Hirten. In Berichte über das »Wunder der Anden« mischen sich bald Gerüchte über den grausigen Preis für das Überleben der 16. »Ich denke manchmal, dass wir damals wie Tiere waren«, erinnert sich ein Überlebender.

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1971, Regenwald (Peru): 92 sterben, 17-jährige Deutsche überlebt

An Heiligabend 1971 wird eine Lockheed L-188A auf einem Inlandsflug über Peru von einem Blitz getroffen und stürzt in den Regenwald. Elf Tage gibt es keinen Hinweis darauf, was mit dem Jet geschehen ist, da treffen Indios auf eine herumirrende 17-jährige Jugendliche. Sie hat im Urwald überlebt, weil sie als Tochter deutscher Wissenschaftler schon mehrmals an Urwaldexpeditionen teilgenommen hatte. Als die Suchmannschaften zwei Wochen später das Wrack der Maschine finden, wird klar: Das Mädchen aus Deutschland ist die einzige Überlebende des vermissten Fluges.