Hausmitteilung USA, Deutschland, Israel, Good News
USA
Selbst viele Experten überraschte es, dass US-Präsident Donald Trump so hemmungslos durchregiert. Diesmal lässt er, anders als in seiner ersten Amtszeit, auf laute Worte knallharte Taten folgen. »Das liegt auch daran, dass er diesmal sein Personal sorgsam ausgewählt hat«, sagt die Washingtoner SPIEGEL-Korrespondentin Britta Kollenbroich. Trump hat eine schillernde Truppe um sich versammelt. Kaum einer entstammt dem politischen Establishment, alle halten sie ihrem Chef bedingungslos die Treue. Budget-Direktor Russell Vought, der unscheinbar wie ein Sozialkundelehrer aussieht und doch offen ankündigt, dass er die Beamten traumatisieren will; Pressesprecherin Karoline Leavitt, die, gerade einmal 28-jährig, kritische Journalisten im Weißen Haus abkanzelt; oder Steve Witkoff, ein Anwalt und Investor, der als Trumps Sondergesandter bei Verhandlungen in Russland und Nahost mitmischt: Kollenbroich und ihre Kollegin Nicola Abé, die den SPIEGEL in New York vertritt, haben den engen Kreis der Trump-Vertrauten porträtiert.
Deutschland
Seit dem 6. Mai hat Deutschland eine neue Regierung. Nach 1966, 2005, 2013 und 2018 haben sich die beiden ehedem großen Volksparteien im Jahr 2025 erneut zu einem Koalitionsversuch zusammengeschlossen. Gleich der Start ging daneben: Von der Pressetribüne im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes aus verfolgte SPIEGEL-Redakteur Konstantin von Hammerstein, wie Friedrich Merz bei der Wahl zum Kanzler im ersten Wahlgang durchfiel. Im zweiten Durchgang klappte es: Die Union stellt nun den Kanzler, die SPD den Vizekanzler. Trotzdem liegt ein Schatten über der schwarz-roten Regierung. Denn ihre Politik wird in großen Teilen bestimmt von einer anderen Partei: der AfD. Das zeigt sich an Merz’ dringlichstem Anliegen. Gleich im Mai packte er die »Migrationswende« an. Kaum im Amt, sandte Innenminister Alexander Dobrindt ein »Signal in die Welt« und verschärfte die Kontrollen an den deutschen Landesgrenzen. Der Kanzler verhedderte sich in einer unseligen Stadtbild-Debatte. SPIEGEL-Redakteur Philipp Wittrock hat die Bemühungen der Merz-Regierung verfolgt. »Sie setzt darauf, dass sich mit einer härteren Migrationspolitik auch die AfD einhegen lässt«, sagt er. »Doch die Rechnung geht nicht auf.« In den Umfragen legte die AfD seit Regierungsantritt sogar noch zu.
Israel
Auch im zweiten Kriegsjahr war die Arbeit schwierig für Nahost-Korrespondent Thore Schröder. Das größte Problem: Er durfte nicht in den Gazastreifen. Selbst als im Oktober die letzten lebenden Geiseln freigelassen waren und die Waffen ruhten, verwehrte Israel internationalen Journalisten weiterhin den Zugang ins Kriegsgebiet. Ein beispielloses Vorgehen, das wohl nicht nur der Sicherheit diente: Nach dem Bruch der Waffenruhe im März hatte Israel den Krieg in Gaza brutal weitergeführt. Die Regierung fürchtete offenbar eine Welle der Empörung – und Ermittlungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen. Über WhatsApp hielt Schröder Kontakt mit der freien Mitarbeiterin Ghada Alkurd, die Recherchen vor Ort in Gaza erledigte. Oft bangten er und seine Kollegen um sie: Ende Juni entging Alkurd einem Bombenangriff in ihrem Stammcafé, Anfang September musste sie vor der israelischen Offensive aus Gaza-Stadt fliehen. Am schlimmsten war es, als sie im August während einer Hungersnot kaum noch arbeiten konnte. »Ghada klang matt und entkräftet. Wir fühlten uns ohnmächtig, weil wir ihr nicht helfen konnten«, sagt Schröder. Auch wenn die schlimmsten Zeiten in Gaza nun wohl vorbei seien, gebe es kaum Grund, sich zu freuen. »Gaza wird auf absehbare Zeit von Tod und Zerstörung geprägt bleiben«, sagt er.
Good News
Nach fast 160 Seiten Krisen, Krieg und Trump mögen manche Leserin und mancher Leser deprimiert sein. In seiner Kolumne »Genug gejammert« kämpft SPIEGEL-Autor Ullrich Fichtner schon seit Längerem gegen die Schwarzmalerei an. Ein bahnbrechendes Hochseeschutzabkommen, ein weitreichendes Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zum Klimaschutz, Fortschritte im Kampf gegen die Malaria. Fichtner fand auch in diesem Jahr genug gute Nachrichten, um trotz Trump und Gaza zum Schluss zu kommen: »2025 war ein Jahr zum Feiern.«
Team
Die Welt ordnet sich neu – wie, das hat ein SPIEGELTeam über Monate hin versucht abzubilden. »Noch nie wurde die CHRONIK so sehr von einem einzigen Mann dominiert wie in diesem Jahr«, sagt Blattmacherin Susanne Weingarten (M.), die mit ihrem Kollegen Johann Grolle (r.) das Heft konzipierte. »Trumps Politik reicht in praktisch alle Facetten der Berichterstattung.« Lisa Pham (vorn) schrieb die Texte für die monatlichen Bilderstrecken, Ulrike Preuß und Stefanie Jockers (2. v. l.) koordinierten das FactChecking, Lisa Debacher entwarf das Layout, Anke Wellnitz (hinten 2. v. r.) und Solveig Eichner (l.) beschafften Fotos. Malte Müller-Michaelis (hinten r.) regelte die Abläufe.