CSU-Vize Weber "Die Grünen entwickeln sich zu einer realistischen Koalitionsoption"
CSU-Politiker Weber
Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / Michael KappeDie Grünen sind nach dem Parteitag von ihrer neuen Doppelspitze begeistert - aber die Wahl von Annalena Baerbock und Robert Habeck stößt auch auf Anerkennung bei der konservativen Konkurrenz. "Die neue Realo-Doppelspitze ist ein Signal der Vernunft", sagte CSU-Vize Manfred Weber dem SPIEGEL.
Weber, Chef der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, geht in seinem überraschenden Lob sogar noch weiter. "Die Grünen entwickeln sich immer mehr zu einer realistischen Koalitionsoption für CDU und CSU auf Bundesebene, auch wenn uns inhaltlich noch einiges trennt", sagte er. "Die SPD muss aufpassen, dass die Grünen ihnen nicht den Rang als prägende Partei des Mitte-Links-Spektrums ablaufen."
"Die Grünen profitieren, weil sie zur Übernahme von Verantwortung und damit zum Kompromiss und zum Gestalten bereit waren und sind", sagte der CSU-Politiker. "Das unterscheidet sie von der FDP und Teilen der SPD."
Formate in Koalitionsverhandlungen
Webers Äußerungen sind deshalb bemerkenswert, weil CDU und CSU ja derzeit mit den Sozialdemokraten über die Bildung einer neuen Koalition auf Bundesebene verhandeln . Der CSU-Vize ist selbst Teil der christsozialen Verhandlungstruppe.
Sein Grünen-Lob dürfte einmal mehr Ausdruck der Enttäuschung in Teilen der Union darüber sein, dass es nicht zu einer Jamaika-Koalition gekommen war. Die FDP hatte die Sondierungen abgebrochen. Weber wird zum liberalen Flügel innerhalb der CSU gezählt.
Allerdings gibt es auch prominente CSU-Vertreter wie Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der aus seiner Grünen-Abneigung keinen Hehl macht und auch in den Jamaika-Sondierungen immer wieder seine Vorbehalten gegen eine gemeinsame Koalition artikuliert hatte. Auch Bayerns designierter Ministerpräsident Markus Söder hatte sich zuletzt klar von den Grünen abgegrenzt.
Im Video: Analyse zur neuen Grünen-Doppelspitze