News: Deutschland vs. Russland, Sachsen-Anhalt, Tablet-Streit zwischen Samsung und Datteln - DER SPIEGEL
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Philipp Wittrock

Die Lage am Morgen Warum schickt der Kanzler seine Minister gegen Putin vor?

Heute geht es um die deutsche Reaktion auf den versuchten Drohnenangriff von Leipzig, um den verzweifelten Wahlkampfendspurt von Sven Schulze und um eine Kleinstadt im Ruhrgebiet, die wegen ein paar Tablets von einem Elektronikriesen verklagt wird.

Merz schickt seine Minister vor

»Absurde Vorwürfe, Provokation, schwerer Fehler«: Russlands Reaktionen auf die deutschen Sanktionen nach dem gescheiterten Drohnenangriff von Leipzig sind so erwartbar wie platt (mehr hier). Man werde »spiegelbildlich« antworten, tönt es aus Moskau. Aber das hat die Bundesregierung eingepreist.

Minister Wadephul (l.), Dobrindt: Trömmelchen statt Pauke?

Minister Wadephul (l.), Dobrindt: Trömmelchen statt Pauke?

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin musste etwas tun, das war klar. Aber sind die Maßnahmen gegen die hybride Kriegsführung des Kreml angemessen, sind sie hart genug (mehr zu den Sanktionen hier )? Die Regierung sei »klug genug, den Konflikt nicht unnötig anzuheizen«, kommentiert mein Kollege Roland Nelles, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Wohl wahr.

Das Problem ist nur: Der Kanzler hat mit seinen Andeutungen und Drohungen der vergangenen Tage weitaus größere Erwartungen geweckt, als – ohnehin überfällig – das Russische Haus in Berlin dichtzumachen oder das Generalkonsulat in Bonn zu schließen. Am Ende verkündete er den deutschen Gegenschlag nicht einmal selbst, sondern überließ das seinen Ministern Alexander Dobrindt und Johann Wadephul. So bleibt inhaltlich und politisch Spielraum für die nächste Eskalationsstufe – aber auch das Gefühl, dass Friedrich Merz erst mächtig auf die Pauke gehauen hat, um dann andere mit dem Trömmelchen vorzuschicken.

Aber vielleicht kommt ja noch mehr? Außenminister Wadephul wird heute nach Irland reisen, um mit seinen EU-Amtskollegen auch über gemeinsame europäische Maßnahmen gegen die zunehmende russische Bedrohung zu sprechen. Und in Brüssel wird wohl der Nato-Rat über mögliche Konsequenzen aus dem versuchten Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen beraten.

Lesen Sie zum Thema auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel


Hoffen auf das Last-minute-Wunder

In weniger als 100 Stunden öffnen in Sachsen-Anhalt die Wahllokale. Bis dahin kämpfen die Parteien um jede Stimme, die Terminpläne von CDU, AfD, SPD, Linken, Grünen, FDP und BSW sind vollgepackt mit Infoständen, Talkrunden, Kundgebungen (alle Entwicklungen zum Wahlkampf finden Sie hier im Newsblog).

Schulze (r.) und Siegmund (in der MDR-Sendung »Fakt ist!« am 26. August): Von einer Aufholjagd nichts zu sehen

Schulze (r.) und Siegmund (in der MDR-Sendung »Fakt ist!« am 26. August): Von einer Aufholjagd nichts zu sehen

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Im Zentrum steht heute das Duell zwischen Ministerpräsident Sven Schulze und seinem Rechts-außen-Herausforderer Ulrich Siegmund. In der Mittagszeit treffen die beiden auf einem Podium der Regionalzeitungen »Volksstimme« und »Mitteldeutsche Zeitung« aufeinander, die Veranstaltung wird live gestreamt. Am Abend sind in der »Wahlarena« von RTL, n-tv und Radio Brocken neben Schulze und Siegmund auch die Spitzenkräfte der übrigen Parteien dabei. Zwei Gelegenheiten, sich noch einmal einem großen Publikum zu zeigen.

Beim letzten direkten TV-Kräftemessen konnte der Christdemokrat gegen den AfD-Mann endlich einmal punkten (mehr dazu hier ). Daran müsste Schulze heute anknüpfen. Die Frage ist nur: Bringt es überhaupt noch was? In den Umfragen ist von einer spektakulären Aufholjagd, einem Last-minute-Wunder, wie es Schulzes Vorgänger Reiner Haseloff vor fünf Jahren schaffte, nicht mal im Ansatz etwas zu sehen.

Schulze kämpft tapfer, was soll er auch machen. Er vertraue den »klugen Menschen« in Sachsen-Anhalt, dass diese am Wahltag eine kluge Entscheidung treffen werden (mehr dazu hier ). Dabei ist klar: Für den »Sven aus Heteborn«, wie sich Schulze im Wahlkampf gern vorstellt, geht es nur noch darum, eine rechtsextreme Alleinregierung zu verhindern und die Magdeburger Staatskanzlei gegen die Demokratiefeinde zu verteidigen, notfalls mithilfe der Linken, was vielen in der CDU größte Schmerzen bereiten würde.

Wie groß die Sorge der Wählerinnen und Wähler bundesweit vor einem möglichen AfD-Ministerpräsidenten ist, zeigt auch der neue SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor. Eine Mehrheit sähe darin eine Gefahr für die Demokratie. Allerdings: Im Osten des Landes sind die Bedenken deutlich weniger ausgeprägt.


Weltkonzern aus Südkorea gegen Kleinstadt im Ruhrgebiet

Datteln hat rund 35.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Der kleinen Stadt im nördlichen Ruhrgebiet geht es finanziell nicht gut, im Haushalt klafft ein Riesenloch, der Schuldenberg türmt sich auf mehr als 77 Millionen Euro.

Schülerinnen und Schüler mit Tablets

Schülerinnen und Schüler mit Tablets

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance/dpa

Samsung hat weltweit rund eine Viertelmillion Mitarbeiter. Der südkoreanische Elektronikriese verbuchte im zweiten Jahresquartal einen Rekordgewinn von 51 Milliarden Euro.

Es ist nachvollziehbar, dass es für Datteln ein Schock war, als Samsung die Stadt verklagte. Wegen 665 Tablets.

Der Konzern fühlt sich benachteiligt, weil Datteln bei einer Nachbestellung von Computern für seine Schulen auf iPads des Konkurrenten Apple setzte. Begründung: Dattelns Schülerinnen und Schüler würden seit jeher mit iPads arbeiten, Geräte und Technik hätten sich bewährt, eine Umstellung oder der parallele Einsatz verschiedener Modelle wären zu kompliziert.

Samsung lässt das als Argument nicht gelten und findet, dass öffentliche Aufträge zu oft von vornherein auf Apple hinausliefen. In erster Instanz war Samsung gescheitert, heute entscheidet das Oberlandesgericht Düsseldorf, ob wirklich alles korrekt lief.

Natürlich geht es Samsung am Ende nicht um Datteln, sondern um Grundsätzliches. Der Konzern hofft auf eine wegweisende Musterentscheidung der Richter; darauf, dass sich seine Chancen künftig verbessern. Sollte Samsung gewinnen, werden etliche Kommunen ihre Ausschreibungspraxis womöglich nachschärfen müssen. Sollte der Konzern verlieren, wären die Gerichtskosten verkraftbar. Die orientieren sich am Streitwert: an 665 iPads.


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Die Gewinner des Tages…

Reanimationstraining

Reanimationstraining

Foto:

Pond5 Images / IMAGO

…sind alle Lebensretter. In Schwerin startet heute ein Weltrekordversuch im Wiederbeleben. Das Deutsche Rote Kreuz lädt jede und jeden ein, zumindest ein paar Minuten beim Reanimations-Marathon mitzumachen, um am Ende die bisherige Rekordmarke von 72 Stunden Dauer-Wiederbelebung zu knacken. Natürlich an einer Übungspuppe.

Der letzte Rekord wurde übrigens erst kürzlich im nordrhein-westfälischen Wülfrath aufgestellt. Ein möglicher neuer Bestwert in Schwerin könnte schon Ende September wieder pulverisiert werden. Dann wollen Beschäftigte eines Krankenhauses in Bielefeld sieben Tage und sieben Nächte eine Herzdruckmassage an einer Reanimationspuppe durchziehen. Man kann solche Rekordversuche überflüssig finden. Aber wenn sie ein paar Menschen dazu bringen, sich als Ersthelfer ausbilden zu lassen, ist viel gewonnen.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Lars Klingbeil ist in den USA gestrandet: Das Bundeskabinett will an diesem Mittwoch die geplante Einkommensteuerreform von Lars Klingbeil auf den Weg bringen. Dabei wird allerdings ein Minister fehlen: Lars Klingbeil. Er hängt wegen eines Schadens am Regierungsflieger in South Carolina fest.

  • Deutsche Marine testet weitreichende Rakete im Nordatlantik: Im Seegebiet zwischen Irland und Island hat die deutsche Marine einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora abgeschlossen. Nun geht es an Pläne zur Beschaffung der Waffen.

  • Ölpreise steigen nach neuen Gefechten im Nahen Osten: Die USA und Iran greifen sich erneut gegenseitig an, die Ölpreise reagieren entsprechend. Analysten glauben nicht an eine kurzfristige Beruhigung und fürchten eine steigende Inflation.


Heute bei SPIEGEL Extra: Ich werde 30 – wie viel Geld sollte ich in diesem Alter gespart haben?

SPIEGEL-Redakteurin Franca Quecke

SPIEGEL-Redakteurin Franca Quecke

Foto:

Jana Rothe / DER SPIEGEL

Im Internet steht, dass ich mit 30 rund 100.000 Euro Vermögen haben sollte. Ich habe Finanzexpertinnen gefragt, ob das realistisch ist und was ich wirklich brauche .

Kommen Sie gut in den Tag.

Herzlich

Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Haseloff habe vor sechs Jahren eine Aufholjagd gegen die AfD geschafft. Die Wahl war vor fünf Jahren. Wir haben die Stelle korrigiert.