News: Iran, Donald Trump, Hitzewelle - DER SPIEGEL
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Roland Nelles

Die Lage am Morgen War es das schon mit Trumps Irandeal?

Heute geht es um die neuen Kampfhandlungen an der Straße von Hormus, um den Streit mit Washington über die Digitalsteuer – und um die Hitzerekorde.

Schon wieder fallen die Bomben

In Deutschland wird gern und viel über die angebliche Unfähigkeit unserer Regierenden gemeckert. Das ist übertrieben. Was passiert, wenn ein Land wirklich schlecht regiert wird, ist in den USA zu besichtigen.

Donald Trumps Irandeal (mehr hier ), mit großem Pomp verkündet, scheint schon nach wenigen Tagen wieder brüchig. Erst attackieren offenbar Iraner ein Schiff in der Straße von Hormus, dann reagieren die Amerikaner mit Vergeltungsschlägen. Eine echte Waffenruhe sieht anders aus. Die Lage an der Straße von Hormus bleibt fragil. Oder besser gesagt: Es herrscht schon wieder das übliche Trump-Chaos. Wie Amerikaner und Iraner ihre geplanten Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung schon bald zu einem Erfolg führen wollen, bleibt ein Rätsel.

US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

Foto: Kent Nishimura / AFP

Ganz nebenbei spielt sich noch ein Drama im Drama ab: Im US-Verteidigungsministerium sorgt eine Säuberungswelle unter Pentagonchef Pete Hegseth für erhebliche Unruhe. Topmilitärs, die dem früheren Fox-News-Moderator, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Kram passen, müssen ihre Posten räumen. Oder sie ziehen sich von selbst zurück. Sie werden gegangen, wie man auf Deutsch sagt.

Unter den zahlreichen Betroffenen sind einige der besten Soldaten: Für besonderes Entsetzen sorgt unter US-Militärexperten der Rückzug von General Christopher Donahue, dem Chef der amerikanischen Truppen in Europa und Afrika. Mehr Topmilitär geht kaum: Donahue ist Elitesoldat, er befehligte die Luftlandedivision 82nd Airborne, er sicherte mit seinen Truppen den US-Rückzug aus Afghanistan. Warum er geht: unklar.

Der angesehene frühere US-Admiral William McRaven warnt in der Zeitschrift »The Atlantic« vor einer erheblichen Schwächung der Streitkräfte durch den Abgang zahlreicher Topmilitärs wie Donahue – und er verlangt von Trump und Hegseth Auskunft über die genauen Gründe für die Abgänge. Denn, so McRaven: »Es geht um die Zukunft unserer nationalen Sicherheit.«


Neuer Ärger über Digitalsteuer

Apropos schlecht regiert: Kaum haben sich US-Präsident Donald Trump und die Europäische Union auf ein neues Handelsabkommen verständigt, zettelt der Amerikaner schon den nächsten Konflikt an. Es geht um Steuern auf die Gewinne großer Techkonzerne, die einige europäische Länder erheben (mehr hier ). Etwa Frankreich: Paris verlangt seit 2019 ab einer bestimmten Grenze eine Abgabe von drei Prozent auf Erlöse aus digitalen Dienstleistungen.

Mobilfunknutzer mit Apps großer US-Techkonzerne

Mobilfunknutzer mit Apps großer US-Techkonzerne

Foto: Stefan Jaitner/ dpa

Von der Steuer sind hauptsächlich US-Techgiganten betroffen, was nun wiederum Trump auf den Plan ruft. Er droht jedem Land, das eine Digitalsteuer erhebt, mit einem Zoll von 100 Prozent auf sämtliche Produkte. Vermutlich haben ihm wieder einmal einige seiner Fans aus den Chefetagen der US-Techindustrie ihr Leid über die schlimmen Europäer geklagt. Oder er will von seinem missratenen Irandeal ablenken. Oder beides.

Wie auch immer: Die Europäer tun erst einmal das einzig Richtige. Sie zeigen sich unbeeindruckt von den Drohungen. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, man werde »umgehend und entschlossen« reagieren, um eigene Rechte und die regulatorische Autonomie zu wahren, sollten »ungerechtfertigte unilaterale Maßnahmen angestrebt werden«.


Schöne Hitze, schreckliche Hitze

Palmen auf Sylt, tropische Nächte am Rhein, Siesta in Stuttgart: Deutschland kann einen neuen Hitzerekord verzeichnen. An einer Wetterstation in Saarbrücken wurden 41,3 Grad gemessen – der höchste je in einem Juni aufgezeichnete Wert (mehr hier). Auch andere Landesteile meldeten Topwerte. Zumindest über das Wochenende soll es so weitergehen.

Konzertbesucherinnen bei Rekordhitze in Berlin

Konzertbesucherinnen bei Rekordhitze in Berlin

Foto: Carsten Koall / dpa

Nun könnte man sagen, endlich ist es einmal richtig warm, schlechtes Wetter haben wir schließlich genug. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn: Die Hitzewellen würden durch die Klimakrise weltweit intensiver und länger, erklärt meine Kollegin Susanne Götze aus unserem Wissenschaftsressort. Der Trend gehe eindeutig nach oben.

Die ersten Opfer sind Alte und Kranke. Sie leiden besonders, auch, weil es in vielen Pflegeheimen oder Krankenhäusern keine Klimaanlagen gibt. Das ist nur ein Beispiel von vielen – doch es zeigt: Auf die Probleme des Klimawandels sind wir nicht vorbereitet.


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Gewinner des Tages…

Siegermannschaft von 1974

Siegermannschaft von 1974

Foto: WEREK / IMAGO

…ist die deutsche Fußballmannschaft. Ehrlicherweise verstehe ich nicht allzu viel von Fußball. Aber eine Sache dann doch: Wenn ein Team, so wie die deutsche Mannschaft, in der Vorrunde ein Spiel krachend verliert, fühlt sich das nicht wirklich vielversprechend an.

Gleichwohl gilt im Fußball wie im echten Leben: Aus Schaden wird man klug. So gesehen ist die Niederlage gegen Ecuador dann ein Gewinn. Oder nicht? Das Vorbild wäre die WM 1974. Auch da verlor (West)-Deutschland ein Spiel in der Vorrunde – gegen die DDR. Ausgerechnet. Am Ende wurde die Mannschaft trotzdem Weltmeister. Geht also doch.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • »Kritische Stunden« für Suchteams nach Beben in Venezuela: Um die Rettungsarbeiten effizienter zu gestalten, hat Venezuelas Regierung den Bundesstaat La Guaira unter Militärkontrolle gestellt und Zugangsstraßen gesperrt. Die Interimspräsidentin wurde in einem Erdbebengebiet ausgebuht.

  • US-Regierung lässt Zugang zu neuem OpenAI-Modell beschränken: Washington reglementiert die Nutzung leistungsstarker neuer KI-Modelle. Hintergrund ist die Angst vor damit möglichen Cyberangriffen. Zuerst traf es Anthropic, nun muss auch OpenAI Anweisungen der Trump-Regierung folgen.

  • Klingbeil will Alkoholsteuer um 20 Prozent erhöhen: Wodka, Whisky und Sekt sollen teurer werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant jedoch offenbar nur einen moderaten Anstieg der Steuer auf Alkoholika – und möchte ein Getränk davon ausnehmen.


Heute bei SPIEGEL Extra: Was Kinder in sechs Wochen Sommerferien vergessen können – und wie (viel) sie üben sollten

Foto:

MoMo Productions / Stone / Getty Images

Gemeinsam mit den Eltern in den Ferien lernen? Grundschulkinder können das sogar als »Quality Time« erleben. Eine Bildungsforscherin verrät, wie das gelingt .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Roland Nelles, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros