TV-Duell "Schröder kneift"
Berlin Kaum steht der Herausforderer fest, diktiert er auch schon die Bedingungen für den Wahlkampf: Er wolle ein Fernsehduell mit dem Kanzler, schlug der gerade gekürte Unions-Spitzenkandidat Stoiber vor, und zwar rasch.
Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass den Deutschen in den nächsten Monaten ein einzigartiger Personality-Schaukampf bevorsteht. Noch herrscht heftiger Streit um den Fernseh-Showdown. Die Bundesregierung wies am Mittwoch den Vorschlag Stoibers zurück, schon Anfang Februar nach Bekanntgabe der nächsten Arbeitslosenzahlen mit Bundeskanzler Schröder zu einer Fernsehdebatte zusammenzutreffen. Regierungssprecher Uwe- Karsten Heye sagte, der Wahlkampf werde erst im August aufgenommen. Mit der Absicht, damit jetzt schon zu beginnen, stehe Stoiber ziemlich allein. Der Kanzler habe bislang offen gelassen, ob ein solches Duell vor der Wahl sinnvoll sei.
Müntefering wirft Stoiber Wichtigtuerei vor
SPD-Generalsekretär Franz Müntefering bezeichnete Stoiber als einen "Wichtigtuer". CDU- Generalsekretär Laurenz Meyer konterte: "Schröder kneift." Das zeige die Angst der SPD vor der Union und Stoiber, sagte er.
Stoiber beharrte auf seinem Wunsch nach einem Gespräch mit Schröder und kündigte an, dass er neben der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik familienpolitische Themen ins Zentrum des Wahlkampfs stellen wolle. Er warf Schröder vor, trotz der schlechten Entwicklung in Deutschland nur auf eine Konjunkturerholung in den USA zu setzen: "Hier ist die ruhige Hand die untätige Hand."
RTL schickte erste Bewerbung
Der Kölner Privatsender RTL meldete am Mittwoch als Erster seinen Anspruch an, das Fernsehduell zu zeigen. "Wir haben beide Seiten über unsere Absicht schriftlich informiert", sagte Chefredakteur Hans Mahr. Er geht davon aus, dass es mehrere Rededuelle zwischen den beiden Kontrahenten im TV geben werde. "Sinnvoll wäre es, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender und ein privater Anbieter die Runden ausstrahlen werden", sagte Mahr, der aber auch nicht ausschloss, dass mehrere Privatsender das Vorhaben zusammen angehen und gemeinsam übertragen könnten. Für RTL könnte nach Mahrs Worten "Anchorman" Peter Kloeppel die Gesprächsführung übernehmen.
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Ein mögliches Aufeinandertreffen zwischen Schröder und Stoiber könnte auch von ARD und ZDF gemeinsam übertragen werden. Darauf einigten sich die Chefredakteure Hartmann von der Tann (ARD) und Nikolaus Brender (ZDF). Beide wiesen darauf hin, dass sie schon vor längerer Zeit die Bereitschaft beider Sender zur Übertragung eines Fernsehduells klargemacht hätten. "Meines Wissens hat es im deutschen Fernsehen noch nie ein Streitgespräch zwischen dem amtierenden Bundeskanzler und dem Herausforderer gegeben", sagte von der Tann. "Wir haben aber im Interesse unseres Publikums immer darauf gehofft und trotz vieler Absagen nie aufgegeben." Kollege Brender bezeichnete das Vorhaben als "ganz klar eine Sache der öffentlich- rechtlichen Informationsprogramme".
Auch die ProSiebenSat.1-Gruppe übermittelte dem Bundeskanzler und dem Kandidaten schriftlich den Wunsch, das Streitgespräch zu übertragen. Informations-Vorstand Claus Larass hielt dabei eine gemeinsame Live- Übertragung von Sat.1 und N24 für möglich.
Jung soll Unions-Wahlkampf managen
Unterdessen wurde bekannt, dass Edmund Stoiber den früheren Chef der Wiesbadener Staatskanzlei, Franz Josef Jung, zu seinem Wahlkampfmanager in Berlin machen will. Wie in Berlin durchsickerte, hätten sich beide Unionsparteien auf die Berufung des über die hessische CDU-Finanzaffäre gestolperten CDU-Politikers geeinigt. Der 52-jährige Jung gilt als Architekt des Wahlsiegs des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch 1999.
Der langjährige Weggefährte Kochs war nach dem Wahlsieg 1999 zum Chef der Wiesbadener Staatskanzlei aufgestiegen. Davor war der 1949 im Rheingau geborene Jung Generalsekretär der Landespartei und Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion. Seit 1987 gilt er als wichtige Größe in der hessischen CDU. Im September 2000 schien die Karriere Jungs jedoch beendet zu sein, als der Rechtsanwalt im Strudel der hessischen CDU-Finanzaffäre zurücktrat.
Damals waren zwei Briefe des früheren CDU-Finanzberaters Horst Weyrauch aufgetaucht, die nahe legten, dass Jung von geheimen Kontobewegungen bei der Hessen-CDU wusste. Der Christdemokrat hat bis heute jede Verwicklung in die illegalen Finanzpraktiken der Landespartei bestritten.