125 Jahre Eiffelturm Der Chefingenieur
Chefingenieur Stéphane Roussin
Foto: SPIEGEL ONLINE"Ein Schiff vor Anker" nennt der Chefingenieur des Eiffelturms das 8000 Tonnen schwere Gebilde: Ex-Korvettenkommandant Stéphane Roussin hatte 20 Jahre bei der Marine hinter sich, als er 2007 in Paris anheuerte. Er sieht Parallelen in beiden Betätigungsfeldern: "Wir nennen ihn ja auch den Leuchtturm von Paris, damit bleibe ich im maritimen Bereich. Und auch hier habe ich mit einer Struktur aus Eisen zu tun, bin den Elementen ausgesetzt und arbeite manchmal in schwindelerregender Höhe."
Bei der Eisernen Dame hat es Roussin, Boss von 40 Technikern, mit Anlagen zu tun, die überwiegend aus dem vorletzten Jahrhundert stammen. Zum Beispiel bei der Hydraulik der großen Personenaufzüge, deren Drahtseile, wie bei einem Flaschenzug, über Rollenwerke auf einen mächtigen Kolben übertragen werden. "Die Konstruktion - halb Lift, halb Zahnradbahn - ist original, genau so, wie es von Eiffel entworfen und 1892 gebaut wurde", sagt der 48-jährige Bretone im dröhnenden Maschinenraum unterhalb des westlichen Pfeilers.
Das Gleiche gilt für die Struktur des Turms. Sie besteht aus 10.000 Konstruktionsteilen aus Puddel-Eisen, einem elastischem Material mit geringem Karbonanteil, das von 2,5 Millionen Nieten zusammengehalten wird. Das erlaubt dem Turm, sich durch Sonneneinstrahlung oder Sturm zwischen 12 und 25 Zentimeter zu bewegen. Doch nicht die Elemente, sondern vor allem Taubendreck und Luftverschmutzung sind es, die dem Äußeren zusetzen.
Deshalb muss das Pariser Wahrzeichen etwa alle sieben Jahren ein neues Kleid erhalten: 50 Tonnen Farbe sind dazu nötig, nach nunmehr 19 Retuschen mit Quast oder Pinsel summiert sich das Trockengewicht auf rund 300 Tonnen. "Die kritische Grenze ist erreicht, die Schichten halten nicht mehr aufeinander", sagt Roussin. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird eine Runderneuerung fällig, mit Sandstrahl oder Laser."
Hoch über Paris: Arbeitsplatz Eiffelturm
Viele Wartungsarbeiten am Bau sind dagegen Routine: Wenn Verstrebungen, Schaltkästen oder eine der 20.000 Blitzlampen ausgewechselt werden müssen, werkeln die alpin ausgerüsteten Reparaturtrupps oft direkt über den Besuchern. "Das ist die eigentliche Herausforderung meines Jobs und anders als auf einem Schiff", sagt Roussin. "Bevor die Trupps in den Turm steigen, machen wir immer den 'Hände hoch'-Appell: Dabei darf kein Werkzeug zu Boden gehen."