125 Jahre Eiffelturm Der Liftfahrer
Mehr als "Bonjour", "Buenos días" und "Hi": Wenn José Ruiz am Fuß des Eiffelturms Besucher empfängt, kann er das charmant und fließend in vier Sprachen. Der 30-Jährige gehört zu den fast 150 Empfangsagenten, die täglich Touristen durch Frankreichs berühmtestes Wahrzeichen schleusen - von der Warteschlange zur Kartenkontrolle und zu einem der Fahrstühle, die Gäste binnen Minuten auf die Aussichtsplattformen befördern.
"Manchmal wird es eng, die Leute sind ungeduldig", sagt Ruiz, der in der Kabine zur Spitze des Turms maximal 90 Personen mitnehmen darf. Dann kommt dem geborenen Andalusier sein freundlich-polyglotter Umgang zu Hilfe. Der ausgebildete Übersetzer kam vor zehn Jahren nach Paris, bewarb sich für einen Ferienjob und erlag der Faszination der "Eisernen Dame": "Die Arbeit ist abwechslungsreich, kein Tag wie ein anderer."
Seither gehört Ruiz zu einem Team, in dem auch Lehrer, Touristenführer und Historiker arbeiten. Denn gefordert sind neben zwei Fremdsprachen vor allem ein selbstsicheres Auftreten und eine komplette Abwesenheit von Klaustrophobie. "In Spitzenzeiten drängen sich bis zu 30.000 Menschen auf den drei Etagen des Turms. Das wird dann ganz schön stressig."
Umso mehr schätzt Ruiz die Einsamkeit der Frühschicht, wenn er von der obersten Plattform den Blick über Paris genießen kann. Hier, in etwa 300 Meter Höhe, erlebt er bisweilen auch romantische Momente, wenn Männer der Dame ihres Herzens ihre Liebe offenbaren. "Das rührt an, die Frauen mit Verlobungsring am Finger und Tränen in den Augen."
Hoch über Paris: Arbeitsplatz Eiffelturm
Die liebsten Gäste ("Und das sage ich nicht, weil Sie da herkommen"), sind ihm die Deutschen. "Die sind höflich, korrekt und versuchen stets, sich auf Französisch oder Englisch auszudrücken." Trotzdem will Ruiz seine Deutschkenntnisse verbessern: im Sommer auf dem Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz. Um anschließend, am Fuß des Eiffelturms, die Besucher mit einem akzentfreien "Guten Tag" zu begrüßen.