Blitzt da etwa ein wenig Genugtuung aus den Augen des Herrn links im Bild, und schaut der Herr rechts etwas verkniffen? Wohl kaum: Beide Männer sind viel zu professionell, um sich derartige Emotionen anmerken zu lassen. Auf den Stufen des Schlosses Bellevue in Berlin posieren links der Syrer Ahmed al-Sharaa, vor einigen Jahren noch Mitglied der Terrororganisation al-Qaida und damit erklärter Todfeind des Westens, sowie rechts der Deutsche Frank-Walter Steinmeier, zu al-Sharaas frühen Terrortagen noch Geheimdienstkoordinator der Regierung Schröder und damit einer der obersten Terrorbekämpfer der Bundesrepublik Deutschland. Heute sind sie Präsidenten zweier Nationen, die zusammenarbeiten wollen für Wiederaufbau und Stabilisierung. Braucht jemand ein illustratives Foto für den Begriff »Realpolitik«? Hier ist es. kuz
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Der Widerstand in den USA gegen Trump hat einen inoffiziellen Anführer gefunden: Rockstar Bruce Springsteen trat am Wochenende bei den »No Kings«-Protesten in Minneapolis-Saint Paul auf. Am Dienstag begann dort seine Konzerttournee, die er unter das Motto »No Kings« gestellt hat.
Schlecht: Der Zustand der Deutschen Bahn gehe »schon in eine demokratiegefährdende Richtung«, sagt Verkehrsminister Patrick Schnieder. Leider wahr, da die Verspätungen des Staatsunternehmens dem Staat angekreidet werden.
In ihrem unergründlichen Ratschluss hat die Deutsche Bahn vergangenes Jahr die Familienreservierung abgeschafft. Statt pauschal nur 10,40 Euro zahlt eine vierköpfige Familie inzwischen 22 Euro, für eine sitzplatzsichere Hin- und Rückfahrt würden schon stolze 44 Euro fällig. Zwar prangt an den entsprechenden Bereichen noch das »Vater, Mutter, Kind«-Symbol. Aber Kontrolleure sollen dort immer wieder auf preisbewusste Erwachsenengruppen stoßen.fra
Um Ostern herum fällt vielen wieder ein, dass das Kreuz, an das Jesus genagelt wurde, bevor er auferstand, im christlichen Glauben vor allem für die Erlösung der Menschen von ihren Sünden steht. Für Barmherzigkeit, Hoffnung und Vergebung. Politiker und Parteien benutzen christliche Symbolik ganzjährig für ihre eigenen Zwecke, nicht nur in Deutschland. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche trägt stets prominent ein Kreuz um den Hals. Sie ist Mitglied der CDU, deren »C« im Namen für »christlich« stehen soll, obwohl die Partei für eher unchristliche Asylgesetze steht und die von ihr propagierten Sozialkürzungen wenig barmherzig wirken. US-Präsident Trump, der sich als von Gott auserwählt sieht, spätestens seitdem er ein Attentat überlebte, wollte jüngst, dass die Republikaner im Senat auf ihre Osterpause verzichten, um ein Gesetz zu verabschieden, das es vielen Migranten und Frauen erschwert, ihr Wahlrecht auszuüben. »Tut es für Jesus«, verlangte er. Vor Ostern wurde die Vereinnahmung von Gottes Willen durch die Politik selbst Papst Leo zu viel. Nachdem US-Kriegsminister Hegseth um Gewalt gegen die Feinde gebetet hatte, stellte der Papst klar: Gott hört nicht auf das Gebet derer, die Krieg führen. Denn sie hätten Blut an ihren Händen. ded
Aufgezeichnet
Osterwunder
Wolfgang Kubicki rettet erst den Wal und dann die FDP.
Gender-Work-Gap SPD-Chef Lars Klingbeil drängt auf Reformen, damit mehr Frauen Vollzeit arbeiten. 2024 waren 74 Prozent von ihnen erwerbstätig, somit lag die Erwerbstätigenquote nur sieben Prozentpunkte unter der von Männern. Am geringsten war die Differenz in den ostdeutschen Flächenländern. Einen deutlichen Unterschied gab es aber bei den Arbeitsstunden: Frauen arbeiteten mit einer Quote von 49 Prozent mehr als viermal so häufig in Teilzeit wie Männer. Damit sich mehr Arbeit für sie lohnt, möchte Klingbeil das Ehegattensplitting reformieren, die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenkasse prüfen und das Betreuungsangebot für Kinder ausbauen. cdu
In der Semana Santa, der heiligen Woche vor Ostern, wird in Mexiko mit Prozessionen und Passionsspielen an das Leiden Jesu Christi erinnert. Es ist eine Tradition, die die spanischen Kolonisatoren einst nach Mittelamerika brachten, zusammen mit dem christlichen Glauben. Aber auch indigene Bräuche gehen in die Feiern ein – so wie der »Hirschtanz«, für den sich diese Tänzerin in Mexicali, Baja California, geschmückt hat. Die Tänzer ahmen die Bewegungen des gejagten Tieres nach, sie tragen dabei Gürtel mit Hirschhufen und Rasseln an ihren Beinen. esc
Prozent der in Deutschland hergestellten oder importierten Kleidung und Schuhe sollen künftig als Altkleidung gesammelt und verwertet werden. Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung entsprechender EU-Vorgaben.
Quelle: Bundesumweltministerium
Maschine der Woche
Foto:
Rene Traut / IMAGO
Zahlenspiel am Straßenrand
Sie leuchten in Dörfern, Städten und an der Autobahn: Alle Tankstellen haben eine Preistafel, oft einen frei stehenden Pylon, um den Literpreis für verschiedene Spritsorten bis auf den Zehntelcent genau anzuzeigen. Früher musste der Tankwart mit einer Leiter am Pylon hochklettern, um die Zahlen zu tauschen, heute zeigen LEDs den Preis an. Eine Internetanbindung macht es möglich, den Preis theoretisch beliebig oft zu ändern. Bei den meisten Tankstellen hat der jeweilige Mineralölkonzern Zugriff auf das Kassensystem und schickt Änderungen sekundengenau an die Zapfsäule und die Preistafel. Seit Mittwoch dürfen die Betreiber den Preis nur noch einmal pro Tag erhöhen, sonst drohen ihnen empfindliche Strafen. mamk
Millionen Quadratkilometer maß die Fläche des arktischen Meereises am 15. März. Es ist das niedrigste Jahresmaximum, das jemals gemessen wurde. Laut Forschern nimmt die Menge des Eises, die sich jeden Winter im Nordpolarmeer bildet, infolge des Klimawandels kontinuierlich ab.
Hinweis: In einer früheren Fassung stand Quadratmeter statt Quadratkilometer. Wir haben den Fehler nachträglich korrigiert.
Das Lichtermeer vor dem Alpenpanorama der Schweizer Gemeinde Nendaz bietet einen friedlichen Anblick, doch in Wahrheit geht es um Leben und Tod: Mit den Frostschutzkerzen versucht der Obstbauer Jean-Noël Devènes, seine Aprikosenbäume derzeit vor Spätfrost zu schützen. Schon wenige Minusgrade reichen aus, um die Blüten und damit den gesamten Ertrag zu zerstören. Die Kerzen können die Umgebungstemperaturen um bis zu zwei Grad anheben, bei Nächten unter minus vier Grad stößt die festlich anmutende Beleuchtung aber an Grenzen. gui
Durchhalten: Wie wir Kraft tanken in schwierigen Zeiten
Wir sind erschöpft von der Weltlage, überfordert von Ängsten und düsteren Zukunftsvisionen. Diese Ausgabe fragt, was uns wirklich trägt: Wie Marathonprofi Richard Ringer den Schmerz überwindet. Warum Innehalten mehr bewirkt als Aushalten. Und wie Vintage-Mode neu zum Leben erwacht. Jetzt lesen – es lohnt sich.
»Es ist das Osterfest alljährlich / Doch für den Hasen recht beschwerlich.« Als Wilhelm Busch einst über den Osterhasen reimte, dachte er noch nicht an die Tiere, die seit den Siebzigerjahren in Schweden beim sogenannten Kaninhop über Hindernisse springen. Wie Petronella Andersson mit ihrem Kaninchen Tokyo zeigt, werden die Tiere oft an einer Leine geführt, sie überwinden dabei Hürden, die bis zu 50 Zentimeter hoch sein können. Es gibt verschiedene Varianten, beim Punktespringen gewinnt das Kaninchen mit den meisten übersprungenen Hindernissen in einer bestimmten Zeit. krä
Wolfgang Kubicki rettet erst den Wal und dann die FDP.
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
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Victor Medina / REUTERS
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Rene Traut / IMAGO
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Jean-Christophe Bott / EPA
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Petter Arvidson / Bildbyran / IMAGO
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