Zu ihrer 189. Ausbildungsfahrt für Offiziersanwärter startet in Kiel die »Gorch Fock«, das traditionelle Segelschulschiff der Deutschen Marine. Am 4. Juli wollen sie bei den 250-Jahr-Feierlichkeiten der USA in New York dabei sein. Eine symbolträchtige Reise, passend zu einer Zeit, in der Wasserwege wieder zunehmend Schauplätze der Weltpolitik sind: Wer »Mittelmeerroute« sagt, meint einen Weg von Geflüchteten nach Europa. In der Ostsee kreuzt die russische Schattenflotte. US-Präsident Donald Trump forderte die Nato-Partner auf, die Straße von Hormus freizuschießen. Selbst die arktische Nordwestpassage, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, weckt, mit steigenden Temperaturen zunehmend befahrbar, politische Begehrlichkeiten: Das Eis schmilzt dahin wie das Vertrauen unter Bündnispartnern. ded
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Plus: Wolfgang Kubicki und Henning Höne liefern sich ein Duell um den FDP-Vorsitz. So geht demokratischer Wettbewerb – und das in einer Partei, in der es gerade nicht viel zu verteilen gibt.
Minus: Donald Trump und seine Getreuen haben bis zuletzt versucht, den ungarischen Wahlkampf zu beeinflussen. Mit ihrer Parteinahme für Premier Viktor Orbán haben sie wieder gezeigt, dass ihnen internationale Spielregeln gleichgültig sind. Und der Wille der ungarischen Wählerinnen und Wähler sowieso.
»Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen«, das war einmal das Versprechen einer Kreditkartenfirma. So simpel ist es in Wahrheit nie gewesen, im Gesundheitssystem erst recht nicht. Kassenpatienten, die ihre Versichertenkarte beim Arzt einlesen lassen, belasten erst einmal das Gesundheitswesen im Namen des Solidarprinzips. Um in den kommenden Jahren Milliarden einzusparen, wird politisch mal wieder verhandelt, wie viel weniger Leistungen Patienten bekommen sollen, sobald sie ihre Karte zücken. Keine Homöopathie mehr, das wird empfohlen – und auch weniger Zahnersatz? Und können nicht arbeitende Ehepartner weiterhin kostenlos mitversichert werden? Dabei ist das Lesegerät selbst eine Achillesferse des Gesundheitssystems. Der dazugehörige TI-Konnektor soll eine verschlüsselte Verbindung zur Telematik-Infrastruktur aufbauen, mittels derer Patientendaten übertragen werden. Die elektronische Patientenakte hat die Menge gespeicherter, sensibler Daten noch einmal erhöht. Ab 2022 sollten Zehntausende Geräte in den Arztpraxen ersetzt werden, die noch hervorragend funktionierten – es stellte sich heraus, dass viele davon mit einem Softwareupdate noch weiter nutzbar gewesen wären. ded
Hieroglyphe unserer Zeit
NASA
Artemis ist die Zwillingsschwester des Apollo, so berichten es die Sagen der alten Griechen, und so bezeugt es auch das Logo der aktuellen Nasa-Mondmission Artemis. Das stilisierte »A« war so ähnlich bereits im Logo des Vorgängerprogramms Apollo zu sehen, auch der kurvig angedeutete Weg der Raumkapsel ist die Abwandlung einer Designidee aus den Sechzigern. Das perfekte Symbol für die neue Mondreise: Sie ist gleichzeitig hochmodern und von gestern. kuz
Landauf, landab
Gender-Work-Gap SPD-Chef Lars Klingbeil drängt auf Reformen, damit mehr Frauen Vollzeit arbeiten. 2024 waren 74 Prozent von ihnen erwerbstätig, somit lag die Erwerbstätigenquote nur sieben Prozentpunkte unter der von Männern. Am geringsten war die Differenz in den ostdeutschen Flächenländern. Einen deutlichen Unterschied gab es aber bei den Arbeitsstunden: Frauen arbeiteten mit einer Quote von 49 Prozent mehr als viermal so häufig in Teilzeit wie Männer. Damit sich mehr Arbeit für sie lohnt, möchte Klingbeil das Ehegattensplitting reformieren, die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenkasse prüfen und das Betreuungsangebot für Kinder ausbauen. cdu
Beim Qintong-Festival in der ostchinesischen Provinz Jiangsu drängen sich über 500 Boote mit mehr als 10.000 Menschen auf dem Wasser. Nach einem Gongschlag liefern sich die aufgereihten Boote ein Wettrennen, dabei werden sie von Trommeln angetrieben. Ihren Ursprung haben die Bootsprozessionen im 12. und 13. Jahrhundert, damals wurden damit gefallene Soldaten geehrt. Später wurden daraus sportliche Wettkämpfe zwischen Fischerdörfern. Die Veranstaltung, inzwischen Teil von Chinas immateriellem Kulturerbe, lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher nach Qintong.
Hätten Techpioniere wie Elon Musk recht behalten, wäre der Beruf des Taxifahrers heute schon nahezu ausgestorben. Bereits 2019 versprach der Tesla-Chef, im Folgejahr eine Million fahrerlose Taxis auf die Straße zu bringen. Die angekündigte Revolution blieb aus – zumindest bis auf Weiteres. Denn während sich Skeptiker und die Taxilobby bestätigt sahen, tüftelten Techfirmen wie Waymo weiter. Kürzlich hat die Google-Schwester einen Achtungserfolg vermeldet: Kunden in den USA bezahlen mittlerweile für 500.000 Fahrten mit Robotaxis, pro Woche. Vor einem Jahr waren es noch halb so viele. Im Herbst sollen derartige Fahrzeuge auch in London zum Einsatz kommen. Es ist Waymos Marktstart in Europa. sh
Nachgezählt
127,3
Milliarden Euro betrug 2025 das Defizit des öffentlichen Gesamthaushalts von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung. 22,9 Milliarden Euro mehr als 2024.
In Wetherby, im englischen Yorkshire, fliegen Brieftauben in den Himmel. Zum Saisonauftakt der jährlichen »Up North Combine«-Rennen starten die Vögel, mit Transpondern ausgestattet, gemeinsam vom selben Punkt aus und fliegen jeweils zu ihrem Heimatschlag. Die Schläge können Hunderte Kilometer entfernt liegen, im gesamten Nordosten Englands. Es gewinnt die Taube, die die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit fliegt. Die Tiere finden ihren Weg, indem sie sich am Magnetfeld der Erde und am Stand der Sonne orientieren.
Nachgezählt
11.000
neue Asteroiden hat das in Chile gelegene Vera C. Rubin Observatory innerhalb weniger Wochen in unserem Sonnensystem entdeckt. Das Spiegelteleskop fotografiert den gesamten Südhimmel etwa alle drei Nächte. In zehn Jahren soll so eine umfassende Himmelskarte entstehen.
Es gibt Sportarten, bei denen man sich die Frage stellen darf: Ist das wirklich Sport oder doch eher ein zweifelhaftes Jahrmarktspektakel? Slap Fighting gehört definitiv dazu. Zwei Kontrahentinnen oder Kontrahenten stehen sich gegenüber und schlagen einander mit der flachen Hand abwechselnd ins Gesicht. Nach dem Schlag hat man kurz Zeit, sich zu erholen, um dann selbst austeilen zu können. Wer zu Boden geht, hat den Kampf verloren. Mediziner haben schon vor Gehirnerschütterungen als Folge dieser aus den USA stammenden Sportart gewarnt. aha
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