DER SPIEGEL 38/2026 - Inhaltsverzeichnis
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Was planen die Verfassungsfeinde?

So will die AfD Sachsen-Anhalt umbauen – und die Macht in ganz Deutschland erobern

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Nr. 38 / 10.09.2026 • Alle Ausgaben •
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In dieser Ausgabe

Meinung

Politische Bühne

Der Moment
Foto: Frederik Ringnes / NTB Scanpix / AP

Hat Wolodymyr Selenskyj hier Tränen in den Augen? Diese Woche kam er zur Beisetzung des norwegischen Königs Harald V. nach Oslo, an der Trauerfeier nahmen weitere Mitglieder der europäischen Staatengemeinschaft teil, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Doch Selenskyj muss seine Traurigkeit schon vor Beginn der Zeremonie erfasst haben. Kein Wunder, in der Ukraine sind seit Beginn des Angriffskriegs mehr als 150.000 Soldaten gefallen, und müssen wir nicht ständig etwas zu Grabe tragen? Die transatlantische Freundschaft, die Sicherheit der Demokratie, die Hitzetoten. Trauer ist ein universales Gefühl. Selenskyj wirkt hier in einem fast intimen Moment in sich selbst versunken. Mit Brille kennt man ihn nicht. Auf Beerdigungen lässt sich ganz unauffällig um mehr als eine Person weinen. ded

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt lag bei 77,8 Prozent, höher denn je in diesem Bundesland. Egal, wie man das Ergebnis bewertet: Diese Zahl ist erfreulich. Die Demokratie braucht das Interesse der Bürgerinnen und Bürger.

Schlecht: Obwohl in Sachsen-Anhalt ein starkes Ergebnis der AfD zu erwarten war, zeigten sich viele Politiker der Parteien der Mitte in ihren ersten Reaktionen verwirrt, hilflos, überfordert, auch in Berlin. So werden sie das Vertrauen der Wähler nicht zurückgewinnen.

Hieroglyphe unserer Zeit
Foto: Samuel Boivin / NurPhoto / picture alliance

KI-Konzern OpenAI hat sein Modell GPT-6 Astra – lateinisch für Sterne – vorgestellt. Ein Wirbel aus Lichtpunkten in Form der Zahl sechs soll die neue Super-KI symbolisieren. Seit je nutzten Menschen Sterne zur Orientierung. Sie galten gar als Zeichen der Erleuchtung oder Erkenntnis. Zunehmend autonome KI-Agenten nähren heute aber vielmehr die Sorge, die Menschheit könne die Kontrolle verlieren und der technische Fortschritt ins Verderben führen. gru

Aufgezeichnet

Hackerangriff auf Berliner Landesnetz

»14 Terrabyte … von wegen Schlusslicht der Digitalisierung!«

»14 Terrabyte … von wegen Schlusslicht der Digitalisierung!«

Helena Baumeister / DER SPIEGEL

Gegenstand der Politik
Foto: [M] DER SPIEGEL; Foto: Equal Earth / AFP

Die Weltkarte

Womöglich haben wir einige der politischen Wirrnisse unserer Tage einem Mann zu verdanken, der schon seit über 430 Jahren tot ist: Gerardus Mercator, einer der großen Gelehrten des 16. Jahrhunderts, war Philosoph, Theologe und Erschaffer der sogenannten Mercator-Projektion, einer kartografischen Darstellung der Erde, die bis heute bei vielen Menschen die Vorstellung von den Größenverhältnissen der Länder und Kontinente prägt. Die Mercator-Karte galt als revolutionäres Werkzeug für die Seefahrt, denn mit ihr können Seewege winkeltreu dargestellt werden – das allerdings um den Preis einer groben Verzerrung auf Kosten des Globalen Südens: Auf einer Mercator-Karte wirkt etwa Grönland so groß wie der gesamte afrikanische Kontinent, obwohl Afrika tatsächlich 14-mal größer ist. Gut möglich, dass der Süden auch deshalb in der Weltpolitik wenig Beachtung findet. Wer weiß, vielleicht ist auch Donald Trumps Grönland-Obsession von dieser alten Fehlvorstellung inspiriert. Es scheint ihm jedenfalls schwerzufallen, sich davon zu verabschieden: Als sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen jüngst für eine realitätsnähere Weltkarte aussprach, stimmte nur ein einziges Land dagegen: die USA. kuz

Landauf, landab

Wassermangel 2025 war laut Deutschem Wetterdienst mit bundesweit 642 Litern pro Quadratmeter insgesamt ein »deutlich zu trockenes« Jahr. Die Niederschlagsmenge lag gegenüber der Referenzperiode (1961 bis 1990) um 19 Prozent niedriger. Grund dafür sei insbesondere eine niederschlagsarme Phase von Februar bis Mai, so die Meteorologen. Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Während in Berlin 425 Liter pro Quadratmeter fielen, waren es in Baden-Württemberg mehr als doppelt so viel. Das liegt unter anderem an den landschaftlichen Gegebenheiten. An Gebirgen wie dem Schwarzwald und den Alpen in Bayern regnen sich Wolken verstärkt ab. bbr

Deutschland

Debatte

Ausland

Der Moment
Foto: Suy Se / AFP

Mehr als 3000 identische Häuser mit grünem Dach stehen in Reih und Glied auf einer Ebene im Nordwesten Kambodschas. Die Regierung hat das sogenannte Wartedorf im Bezirk Svay Chek für Familien errichten lassen, die im vergangenen Jahr vor Kämpfen mit dem benachbarten Thailand fliehen mussten. Nach Monaten in Zelten haben die Bewohner hier nun Strom, Wasser, Schulen und kleine Gärten. Viele wollen zurück in ihre Dörfer an der Grenze. Weil thailändische Soldaten die Gebiete kontrollieren, können mehr als 20.000 Kambodschaner aber weiterhin nicht heimkehren. mvr

Wie viel Plastikmüll bleibt liegen?

Reporter

Wirtschaft

Maschine der Woche
Foto: Nuvell

Vegane Küchenhilfe

Angesichts der Vielzahl elektrischer Helfer – von Thermomix bis Pizzaofen – kann man die Küche bald in die Garage verlegen, um genügend Platz für sie zu finden. Nun präsentierte das Start-up Nuvell auch noch die weltweit erste vollautomatische Tofu-Maschine für den Heimgebrauch. Sie soll nicht nur in 30 bis 60 Minuten aus Sojabohnen bis zu 200 Gramm frischen Tofu herstellen können, sondern auch Pflanzenmilch aus Hafer oder Mandeln. Der Fortschritt macht vor der veganen Küche nicht halt. Auch wenn der Preis noch nicht feststeht: Es dürfte dauern, bis sich die Anschaffung für Verbraucher rechnet. Allerdings wären sie damit immun gegen eine Tofu-Knappheit, wie sie in den Supermarktregalen in diesem Frühjahr herrschte. mad

Nachgezählt

100

Dollar betrug die Preismarke für ein Barrel Öl (Brent), die am Mittwoch erstmals seit Juli wieder überschritten wurde. Ursache sind die Konflikte zwischen den USA und Iran.

Quelle: Financial Times 

Wissen

Der Moment
Foto: Henning Kaiser / dpa

Nein, dies ist kein KI-Bild, alles hier ist echt. Diese Aufnahme von Anfang September stammt aus der Karnevalisten-Metropole Köln, wo das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Stadtteil Porz gemeinsam mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa die angeblich einzigartige Mond-Simulationsanlage Luna betreibt. In einer Halle von 700 Quadratmetern liegen 900 Tonnen speziell aufbereiteten Basalts aus einem deutschen Steinbruch. Auf dieser harten Spielwiese testet zum Beispiel ein norwegisches Start-up seine neuartigen Raumanzüge. me

Nachgezählt

66

Tage mit ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen hat eine Messstation vor Helgoland in diesem Jahr registriert. Das ist ein Rekord. Die Hitzewelle im Meer führte dazu, dass es dort am 1. Juli sogar vier Grad Celsius wärmer war als im Mittel der Jahre 2009 bis 2025.

Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

Kultur

Sport

Randsportart
Foto:

Gonzalo Fuentes / REUTERS

Körperbeherrschung und Mut sind die Grundtugenden fürs High Diving, den ungesicherten Sprung ins Wasser aus großen Höhen. Falsch ausgeführt, kann es zu schweren Verletzungen kommen. In Perfektion dargeboten, ist es eine der schönsten und spektakulärsten Sportarten überhaupt. 2013 gab High Diving sein Debüt bei den Weltmeisterschaften der Schwimmer in Barcelona. In Wettbewerben vom 20-Meter-Brett erreichen Springerinnen und Springer Geschwindigkeiten von rund 70 Kilometern pro Stunde. Die Weltrekordhöhe liegt sogar bei knapp 60 Metern. mfu

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