Die Überraschung war groß bei Johann Wadephul, als der Außenminister am Sonntagnachmittag auf dem isländischen Flughafen Keflavík die Gangway herunterkletterte: Auf dem Rollfeld wartete nicht nur Islands Außenministerin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir, sondern auch der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil. Der Finanzminister war eine knappe Stunde vor seinem Kabinettskollegen gelandet und hatte sich spontan in das Empfangskomitee gemischt. Wadephul bemerkte ihn zunächst gar nicht. Beide waren auf dem Weg in die USA, und da die reichweitenstarken Maschinen der Regierungsflotte entweder belegt oder in Wartung waren, mussten die Minister einen Tankstopp einlegen. Der SPD-Chef amüsierte sich über seinen kleinen Coup, der CDU-Mann revanchierte sich mit einem Wortspiel: »Ist das hier Klingonien?« nie
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL
Gut: Bundeskanzler Friedrich Merz hat Indien besucht, die größte Demokratie der Welt – ins autoritäre China will er erst im Februar reisen. Das Signal, das er damit an Peking und den Rest der Welt sendet: Zuerst reden wir mit den Demokraten.
Schlecht: Während der Proteste gegen das iranische Regime wird Reza Pahlavi zur sichtbarsten Figur der Opposition. Er ist der älteste Sohn des 1979 gestürzten Schahs und ein Vertreter der alten monarchischen Elite. Eine demokratische Hoffnung sieht anders aus.
Gegenstand der Politik
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Die Ampel
Die schiere Erwähnung des Begriffs »die Ampel« ließ drei Jahre lang bei Millionen Deutschen den Blutdruck steigen. Denn »die Ampel« stand unter Bundeskanzler Olaf Scholz für seine damals amtierende Bundesregierung, die glücklose Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Ein harmloses Verkehrslenkungsinstrument, das erste stand in Deutschland seit 1924 am Potsdamer Platz in Berlin, wurde für die Dauer der Koalition in seiner Hauptbedeutung ein Kürzel der Politik. Hauptsächlich verwendet wurde der Begriff auf den politischen Seiten, also nicht mehr nur dort, wo Verkehrsunfälle gemeldet werden. Obwohl bekanntlich auch »die Ampel« mit dem Kollisionskurs ihrer Koalitionäre in einer Art politischem Verkehrsunfall endete.
In dieser Woche hat der NDR in Hamburg zwei Fußgängerampeln unweit des Senders eingeweiht: Mit den beiden Sesamstraßenfiguren Ernie und Bert als Leuchtzeichen. Signalisiert Bert rot: stehen! Leuchtet Ernie grün: gehen! So einfach ist es wieder. Wie konnte man glauben, dass eine Ampel, bei der Rot, Grün und Gelb gleichzeitig leuchten, funktioniert? Die Ampel ist zurück in der niederen, aber eindeutigen Sphäre der Verkehrssteuerung. ded
Hieroglyphe unserer Zeit
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DER SPIEGEL
Wer verübte den Anschlag auf Berlins Stromnetz, der Tausende frieren ließ? Das Bekennerschreiben sagt: eine linksextreme »Vulkangruppe«. Behörden halten es für glaubhaft. Spekuliert wird trotzdem. Denn im Statement fällt der Name »Vans«, gemeint ist wohl US-Vize JD Vance. Der Fehler sei einer Übertragung aus dem Kyrillischen geschuldet, tippen manche – und vermuten Russland als Angreifer. Transkribiert schreibt man Vance dort aber: Vens. Wahrscheinlich alles heiße Luft. sem
Promillegrenzen: Den Jahresanfang erklären immer mehr Menschen auch in Deutschland zum »dry January«, zum »trockenen Januar«. Für manche ist es eine Herausforderung, einen Monat auf Alkohol zu verzichten. Wie viele Patienten es im Jahr derart mit dem Trinken übertreiben, dass ein Arzt als Diagnose »Alkoholmissbrauch« notiert, zeigt diese Karte, die auf Daten der Barmer Krankenkasse von 2023 basiert. Männer, Menschen über 50 und Sozialhilfeempfänger trinken überdurchschnittlich viel – und die sind in den Flächenländern im Osten überrepräsentiert. So ist zu erklären, warum die Karte ein deutliches Gefälle von Nordosten nach Südwesten zeigt. and
Wie Demokratien sterben – und wie man sie retten kann
Seit ihrer Entstehung im 17. Jahrhundert war die moderne Demokratie vom Scheitern bedroht. Heute werden weltweit mehr Länder autokratisch regiert als demokratisch. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE beleuchtet die Strategien der Autokraten – und wie man sie durchkreuzen kann.
Seit mehr als 1000 Tagen herrscht Krieg im Sudan. Die Armee kämpft gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Die Gefechte haben sich mittlerweile verlagert. Von Darfur in die Kordofan-Regionen. Derzeit sind die RSF dabei, die Stadt Obeid einzukreisen. Hier leben bereits viele Vertriebene in provisorischen Zeltlagern. Die weltweit größte humanitäre Krise spitzt sich dadurch weiter zu. Die RSF greifen zivile Ziele an. Auch einen Kindergarten. Die USA werfen ihnen Völkermord vor. fsc
Was eine funktionierende Heizung wert ist, spürten beim jüngsten Kälteeinbruch nicht nur Privathaushalte. Auch rund 49.000 der insgesamt 65.000 Weichen im Netz der Deutschen Bahn hatten es muckelig. Sogenannte Weichenheizungen sollen hier verhindern, dass bewegliche Teile einfrieren und Züge nicht mehr die Spur wechseln können. Die Technologie gibt es schon seit Jahrzehnten. Geheizt wird heute meist mit Strom, es gibt aber auch Modelle mit Gas, Kohle oder gar Geothermie. Dennoch waren Weichen während Sturmtief »Elli« einer der größten Schwachpunkte. Die Bahn begründet das mit Schneeverwehungen, die auch längst befreite Weichen wieder zugedeckt hätten. In solchen Fällen hilft oft nur noch Handarbeit.
Prozent beträgt der Anstieg gegenüber dem Vorjahr auf 5,4 Millionen Frauen, die 2025 ihr Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt haben. 8,7 Millionen Männer investierten in diese Wertpapiere.
Das Tier, dessen Augen hier unter einem Gehäuse hervorlugen, sieht nicht aus wie eine Schnecke, bewegt sich nicht wie eine Schnecke und hinterlässt auch keine Schleimspur wie eine Schnecke. Und doch ist es eine – die Große Fechterschnecke. Sie hüpft über den Meeresboden, ist etwa 30 Zentimeter lang und erhielt ihren Namen wegen einer scharfen Kralle, die sie unter ihrem Haus verbirgt. Der Bestand der Fechterschnecke ist gefährdet. Forschende werben daher nun dafür, die Brutgebiete besser vor Fischern zu schützen, unter anderem vor der Küste Floridas. gui
Jahre dauerte es mindestens, bis ein Tyrannosaurus rex ausgewachsen war. Darauf deutet eine Studie hin, an der unter anderen die Oklahoma State University beteiligt war. Bisher gingen Forschende davon aus, dass das mehr als acht Tonnen schwere Tier spätestens im 25. Lebensjahr seine volle Größe erreicht hatte.
Es ist keine große Überraschung, dass dieser Sport in Kanada zu Hause ist: Beim Eiskanu treten Teams auf den gefrorenen Flächen der Gewässer gegeneinander an. Dabei schieben sie ihre Boote übers Eis oder springen von Scholle zu Scholle. Wenn die Eisfläche schon teilweise gebrochen ist, paddeln sie auf den Wasserflächen, die sich zwischen den Schollen auftun. Am bekanntesten ist das traditionsreiche Eiskanurennen während des Karnevals in Québec im Februar. Es hat Volksfestcharakter und wurde erstmals 1894 ausgetragen. aha
»He, Du solltest den Kuchen doch teilen!« – »Ich weiß nicht, wie das geht!«
Leonard Riegel / DER SPIEGEL
Foto: El Tayeb Siddig / REUTERS
Foto: Serkan Senturk / ZUMAPRESS / IMAGO
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