Der Katalog: Wie Neckermann es möglich macht - DER SPIEGEL
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Der Katalog Wie Neckermann es möglich macht

Jetzt gehen sie wieder raus: In diesen Tagen erreichen knapp sieben Millionen Bestellkataloge die Haushalte zwischen Flensburg und Oberammergau.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

26 mal 21 Zentimeter groß und 2500 Gramm ist er schwer, der neue "Neckermann". Sollte die Bestellerbibel so erfolgreich sein wie bisher, wird eine überwiegend weibliche Klientel für rund 800 Millionen Euro Ware ordern. Ungefähr 10 Millionen Mal klingelt dann der Postmann an Deutschlands Türen und überbringt den 1520 Seiten starken Wälzer.

Von der Heizdecke bis zum Umstandskleid bietet die intern als "HK 244" bezeichnete Frühjahr- und Sommerausgabe 2002 insgesamt 110.000 Artikel - Neckermann macht's möglich. Mehr als 500 Menschen sind an der Produktion des 2,5 Kilo schweren Bestsellers beteiligt: Einkäufer, Werber, Fotografen und Stylisten, Models, Grafiker und Layouter sorgen für einen perfekten Hochglanz-Auftritt im Markt.

Geschätzte 3,5 Millionen Mal klicken die Kameras, bevor alle Artikel ins rechte Licht gerückt sind und die Ware perfekt abgebildet ist. Nur maximal fünf Prozent aller Aufnahmen können aus dem Vorgängerkatalog übernommen werden. Ein gewaltiger logistischer Aufwand ist notwendig um das gesamte Sortiment im Katalog zu präsentieren. Filme werden in der Frankfurter Unternehmenszentrale dabei schon lange nicht mehr entwickelt. Das Zeitalter der Bits und Bytes hat in dem seit 1977 zur Karstadt AG gehörenden Unternehmen Einzug gehalten: Neckermann fotografiert als bisher einziger Versender ausschließlich digital.

Ob Saftpresse oder String-Tanga - jeder Artikel wird anhand von Marktforschungsergebnissen und Vorjahresverkaufzahlen genau analysiert und in einem internen Ranking aufgeführt. Nur die Ware auf den oberen Plätzen der Beliebtheitsskala darf ins Sortiment. Doch obwohl der Einkauf seine Kunden kennt, verkaufen sich manche Artikel und teilweise ganze Seiten schlecht. Immer häufiger kommen diese so genannten Penner aus dem Bereich Mode. Weil rund 50 Prozent aller Artikelpositionen bei Neckermann Textilien sind, kommen die Einkäufer nun in Bedrängnis.

War die Mode vor 20 Jahren noch einem gewissen Diktat unterworfen, zählen heute vor allem stilistische Vielfalt und Individualität. Außerdem beklagen die Experten die offenbar bis an den Rand gefüllten Kleiderschränke ihrer Kunden: Verkaufte man in den siebziger und achtziger Jahren einen Artikel noch bis zu 100.000 Mal, kürt man heute schon Produkte mit fünfstelligen Verkaufszahlen zum "Renner".

Der Versandhandel ist ein hartes Geschäft und führt mehr und mehr zu Konsolidierung des Marktes. Die 1950 von Josef Neckermann gegründete Neckermann Versand AG wurde 1977 durch die Karstadt AG übernommen. Inzwischen gehört auch das ehemals von der Familie Schikedanz geleitete Fürther Versandhaus Quelle zur Karstadt Holding. Einzig der Hamburger Otto Versand befindet sich noch in Familienbesitz.

SPIEGEL TV-Autor Mate Spörl hat die Produktion des aktuellen Hauptkatalogs bei Deutschlands drittgrößtem Versandhaus über mehrere Monate mit der Kamera begleitet. Er begleitete Modefotografen beim Bademoden-Shooting an mediterranen Traumstränden und dokumentierte die periodische Verzweiflung von Fotografen beim Ablichten von Kühltruhen, Schrankwänden und Hundedecken. Mit einer Einkäuferin der Damenoberkleidung reiste er in fernöstlichen Textilfabriken, die Damen des firmeninternen Callcenters nahmen ihn mit zum Workshop über Möbelzusammenbau. Spörl schaute Textern und Grafikern beim Seitenmachen über die Schulter und verfolgte die hitzigen Debatten zwischen Werbern und Einkäufern über verkaufsförderndes Layout und den Sexappeal von bedrucktem Papier.

Eine SPIEGEL TV-Reportage über die Geheimnisse des Katalogmachens.


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