Eine Konsistenz wie perfekt geschmolzener Käse: Kartoffelsuppe mit Raclettekäse und Knuspertoppings
Foto: Sebastian Maas / Der SPIEGELKochen ohne Kohle Seidige Lauch-Kartoffel-Suppe mit Raclettekäse – für zwei Euro pro Teller
Es ist kalt da draußen. Und ich meine nicht den Schnee, der sich gerade auf meiner Fensterbank sammelt. Hier nur ein paar Beispiele dessen, was ich meine:
In der vergangenen Woche wurde eine Correctiv-Recherche veröffentlicht , wonach Mitglieder der AfD und der »Werteunion« gemeinsam mit Rechtsextremen und reichen Spendern die massenhafte Abschiebung von Menschen mit Migrationsgeschichte diskutierten, auch solche mit deutscher Staatsbürgerschaft.
Parallel liefen die Bauernproteste, bei denen sich neben streikenden Landwirten Rechtsextreme tummelten. An einigen Treckern hing vergangene Woche sogar die Fahne der nationalistischen und antisemitischen Landvolkbewegung , die wenige Jahre vor der Machtergreifung der Nazis Bombenattentate auf demokratische Einrichtungen verübt hatte.
Und dann kam am Montag noch die Nachricht rein, dass laut einer Oxfam-Erhebung die Superreichen auf der Welt in den Krisen der vergangenen Jahre wieder einmal sehr viel reicher geworden sind, während die untere Hälfte Geld verloren hat.
Was das miteinander zu tun hat? Ich frage Sie mal ganz offen: Wenn kleinere landwirtschaftliche Betriebe nicht von den (oft) zu niedrigen Verkaufspreisen ihrer Lebensmittel leben können und sich Endverbraucher die Produkte im Supermarkt wegen zu hoher Preise nicht leisten können – wo liegt wohl das Problem? Möglicherweise darin, dass irgendwo auf halber Strecke zwischen Feld und Tisch mächtig viel draufgeschlagen wird. Und nein, ich meine nicht die Steuer, die uns am Ende immerhin in Form von Kindertagesstätten, Straßen und Feuerwehrautos wieder allen zugutekommt.
Allein die fünf reichsten Deutschen konnten ihr Vermögen laut der erwähnten Oxfam-Erhebung seit 2020 um knapp 74 Prozent steigern, inflationsbereinigt sind das knackige 66 Milliarden US-Dollar mehr als vorher. 66 Milliarden für fünf Leute. Das ist etwa 73-mal so viel, wie die Subventionskürzungen für Bauern pro Jahr in die Staatskassen spülen (bzw. dort halten) sollten. Mit einer Vermögensteuer für Superreiche könnte man also nicht nur mehr Geld einnehmen – die fünf Luxuskarossen bei deren Protest wären auch nicht so nervig für den Straßenverkehr.
So, genug aufgeregt. Jetzt wird nach vorn geschaut. Gegen den Hass und die Kälte auf den Straßen koche ich heute ein herzhaftes, herzliches und herzerwärmendes Gericht. Eine Eigenkreation von mir: seidige Kartoffel-Lauch-Suppe mit Raclettekäse. Ironischerweise habe ich alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse bei einem Discounter gekauft, der einem der reichsten Deutschen gehört. Was bleibt mir auch übrig?
Die Kartoffeln werden in Brühe gekocht und dann direkt darin püriert, so gehen weniger Nährstoffe und auch keine bindende Stärke verloren. Den Lauch hingegen koche ich separat und püriere später nur die Hälfte davon mit in die Suppe. Warum? Weil es mich ärgert, wenn cremige Suppen nur eine einzige Konsistenz haben: weich. Viel lieber möchte ich etwas Lauch auf der Zunge merken und die cremig-käsige Wintersuppe dazu noch mit ein paar knusprigen Toppings servieren. Dazu brate ich einfach eine dünn geschnittene Kartoffel an, ebenso wie die grünen Enden des Lauchs.
Wer mag, kann sich auch Bacon- oder Schinkenwürfel dazu gönnen. Ich nehme heute Räuchertofu. Der ist günstiger als Fleisch und hält sich länger im Kühlschrank.
Das benötigt man für vier große Teller Raclettesuppe:
Das Chiliöl habe ich selbst gemacht, es ist aber optional. Und wer keinen Tofu mag, soll einfach Bacon nehmen und mir bitte keine Mail schreiben.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL1 bis 1,2 kg Kartoffeln (vorwiegend festkochend oder mehligkochend)
2 bis 3 Stangen Porree (Lauch)
2 bis 3 Lauchzwiebeln
6 bis 8 Scheiben Raclettekäse
2 Zehen Knoblauch
2 Liter Gemüsebrühe (oder Brühepulver und Wasser)
1 Block Räuchertofu (oder Bacon-/Schinkenwürfel)
Etwas Butter und Öl zum Braten
Salz zum Abschmecken
Optional: etwas Schmelzkäse und selbst gemachtes Chiliöl
Ausrüstung: Pürierstab, Vierkanthobel oder andere Reibe, eine Pfanne und zwei Töpfe
Was kostet das? Für die verbrauchten Zutaten habe ich etwa acht Euro ausgegeben, also zwei Euro pro Portion.
Wie lange dauert das? Etwa eine Stunde, wenn man wirklich alle Toppings machen möchte.
So einfach kocht man Raclettesuppe
Die Kartoffeln schälen, anschließend alle bis auf eine vierteln und in der Brühe gar kochen. Je nach Kartoffelsorte und Größe der Stücke dauert das etwa 30 Minuten. Den Knoblauch schälen und mitkochen.
Die verbliebene Kartoffel in feine Würfel oder Scheiben schneiden und in einer Pfanne mit etwas Öl anbraten, dann leicht salzen und beiseitestellen.
Die Lauchzwiebeln waschen und in feine Ringe schneiden. Die hellen Teile gleich mitkochen, die grünen für die Garnitur aufbewahren.
Den Lauch halbieren und gründlich (auch zwischen den Lagen) unter fließendem Wasser säubern. Dann ebenfalls in helle und grüne Teile teilen.
Die hellen Teile des Lauchs in etwa zwei Zentimeter breite Stücke schneiden und mit einer Flocke Butter, einer Prise Salz und etwa 100 Milliliter Wasser in einem Topf auf mittlerer Hitze abgedeckt gar köcheln, etwa 20 bis 30 Minuten. Die hellen Teile der Lauchzwiebel einfach dazugeben.
Die grünen Teile des Lauchs in sehr feine Streifen schneiden und mit etwas Öl in der Pfanne anbraten. Nach etwa zehn Minuten herausnehmen und beiseitestellen.
Den Räuchertofu auf einer groben Reibe schreddern oder alternativ mit dem Messer klein hacken. Für etwa zehn Minuten mit ausreichend Öl auf hoher Hitze knusprig braten und dann beiseitestellen. Fleischesser können auch Baconwürfel nehmen.
Die gekochten Kartoffeln in der Brühe von der Herdplatte nehmen. Die Hälfte des gekochten Lauchs mit in den Topf geben und alles gemeinsam pürieren, bis es seidig und glatt aussieht. Eventuell etwas mehr Wasser dazugeben, damit es nicht wie Kartoffelpüree aussieht, sondern wie Suppe.
Nun sämtlichen Käse der Wahl grob würfeln und einige Minuten in die heiße Suppe einrühren, bis er komplett geschmolzen ist und keine Käseklümpchen mehr zu sehen sind. Mit Salz abschmecken.
Nun kann angerichtet werden: Die seidige Suppe zuerst in einen Teller füllen, dann mit dem übrigen gekochten Lauch sowie den knusprigen Toppings garnieren, also mit gebratenen Kartoffelscheiben, Tofu- oder Baconstücken und/oder dem gebratenen grünen Lauch. Zum Schluss noch ein paar Tropfen Chiliöl und die grünen Ringe der Lauchzwiebel darübergeben und reinhauen!
Man muss nicht alle Toppings am selben Tag machen. Wer die Suppe über mehrere Tage genießen will, kann an Tag eins Bratkartoffelchips und an Tag zwei Knuspertofu obendrauf essen.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELMan kann dieses Rezept auch leicht abwandeln und statt Lauch und Raclettekäse einfach Brokkoli und Cheddar nehmen. Besonders Mutige probieren es mit (ein paar Flöckchen) Gorgonzola und Blumenkohl. Wie Sie es auch machen: Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit!
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