Rezept für Zwiebelsuppe – für weniger als 2 Euro - DER SPIEGEL
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Kochen ohne Kohle Wenn alles zum Heulen ist: Zwiebelsuppe gegen Herbstblues – für weniger als zwei Euro

Damit mir im zweiten Coronaherbst nicht schon wieder die Decke auf den Kopf fällt, habe ich mir ein neues Hobby gesucht: Zwiebeln anschwitzen, so langsam wie möglich. Das dauert – und schmeckt köstlich.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Die Suppe kann man samt Brot im Ofen überbacken oder mit separaten Käsecroutons servieren
Die Suppe kann man samt Brot im Ofen überbacken oder mit separaten Käsecroutons servieren

Die Suppe kann man samt Brot im Ofen überbacken oder mit separaten Käsecroutons servieren

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Im November fällt es mir grundsätzlich schwer, nicht melancholisch zu werden. Die eben noch leuchtend bunten Bäume stehen plötzlich wie kahle Gerippe da, jeden Tag um 16.30 Uhr geht wieder überraschend das Licht aus, und weil ich das Angebot sämtlicher Streaming-Dienste im vergangenen Jahr bereits wegkonsumiert habe, bleibt mir jetzt nur der Blick in den mattgrauen Hamburger Himmel als Zeitvertreib.

In diesem Jahr kommt erschwerend hinzu, dass unser Land von einer absolut vermeidbaren vierten Coronawelle  überrollt wird. Die Inzidenz-Karte sieht aktuell aus wie ich nach 190 Minuten in der finnischen Sauna. Während man in vielen anderen Ländern also wieder feiern geht, abends in Restaurants mit Freund:innen den nächsten Urlaub plant oder einfach nur die Kolleg:innen im Büro trifft, heißt es für uns in Deutschland weiterhin: sooft es geht zu Hause bleiben, isolieren und auf den Booster warten.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Es ist zum Heulen. Um mich ein wenig aufzuheitern, gibt es diese Woche ein wärmendes Herbstgericht, bei dem erst die Zwiebel- und dann die Freudentränen laufen: französische Zwiebelsuppe. Das ist einer dieser traditionellen Klassiker, die völlig zu Unrecht nur noch in altbackenen Restaurants mit dunkler Holzvertäfelung serviert werden.

Die wichtigste Komponente: Zeit

Dabei ist die Zubereitung einfach, die Zutatenliste kurz und günstig und das Ergebnis dekadent. Die wichtigste Komponente ist (ähnlich wie bei der Tortilla) die Zeit. Und da ich bis auf Weiteres zu Hause herumhocken und darauf hoffen muss, dass es irgendwann Hirn vom Himmel regnet, habe ich davon mehr als genug.

Der Trick bei einer guten Zwiebelsuppe liegt nämlich darin, die Zwiebeln sehr langsam auf niedriger bis mittlerer Hitze anzuschwitzen. So kann man ihre natürliche Süße ganz genüsslich herauskitzeln. Die Zwiebeln werden einfach so lange in etwas Butter oder Öl gegart, bis sie sich in eine Art Gelee verwandeln, erst dann kommt Flüssigkeit hinzu. Zu keinem Zeitpunkt sollen sie braten.

In der traditionellen Version wird die Suppe zum Schluss noch mit Röstbrot belegt und mit Käse überbacken. Da aber wahrscheinlich die wenigsten von uns feuerfeste Suppenschalen für den Ofen besitzen (meine Müslischüssel zum Beispiel würde ich eher nicht überbacken), kann man die käsigen Croutons auch einfach separat zubereiten und am Ende in die Suppe stippen. Lecker!

Ob man rote, weiße oder Gemüsezwiebeln nimmt, ist einem selbst überlassen. Ich habe alles gemixt

Ob man rote, weiße oder Gemüsezwiebeln nimmt, ist einem selbst überlassen. Ich habe alles gemixt

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das benötigt man für vier Portionen:

Für die Brühe:

  • 1 kg Zwiebeln oder Schalotten

  • 1,2 l Gemüsebrühe

  • 2 Zehen Knoblauch

  • 1 Glas Weißwein, alternativ ein großer Schuss Weinbrand

  • 1 EL Weizenmehl

  • 1 TL scharfer Senf

  • 50 g Butter oder Öl

  • Optional: 3-4 Lorbeerblätter, 3-4 Kugeln Piment, etwas Thymian

Für die Croutons:

  • 1 Baguette

  • 100-150 g Käse zum Überbacken, z.B. Gruyère, Parmesan oder Emmentaler

Was kostet das?

Bei günstigem Wein und Käse sollte man deutlich unter zwei Euro pro Portion landen.

Wie lange dauert das?

Etwa 60 Minuten, wenn man es richtig machen möchte.

So einfach macht man Zwiebelsuppe mit Käsecroutons

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. Die Butter in einem großen Topf schmelzen, die Zwiebeln hinzugeben und auf maximal (!) mittlerer Hitze für 20 bis 30 Minuten anschwitzen. Regelmäßig umrühren. Die Zwiebeln sollen weich werden, aber nicht dunkel; falls sie zu stark anrösten, schnell die Hitze reduzieren. Am Ende der Garzeit sollte sich zwischen den Zwiebeln ein etwas klebriges und trübes Gelee gebildet haben.

Nun den Esslöffel Mehl hinzugeben und kräftig verrühren, mit dem Weißwein oder Weinbrand ablöschen und die Hitze erhöhen. Senf und Knoblauch hinzufügen. Den Alkohol verkochen lassen, dann die Gemüsebrühe und optionalen Gewürze in den Topf geben. Piment und Lorbeer kann man vor dem Servieren selbst wieder heraussammeln – oder einfach die Gäste warnen. Abdecken und noch einmal für 20 Minuten sanft köcheln lassen.

Währenddessen die Croutons vorbereiten. Dafür zunächst den Ofen auf 250 Grad (Ober/Unterhitze) vorheizen. Das Baguette in etwa vier bis fünf Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Diese im Ofen goldbraun anrösten. Wer mag, bestreicht sie vorher mit etwas Öl. Bis zur nächsten Badesaison ist es noch etwas hin, also keine falsche Bescheidenheit.

Zum Schluss kommt es darauf an, ob man ofenfeste Suppenschüsseln hat:

  • Wenn ja, die fertige Suppe in die Schüsseln füllen, die gerösteten Brotscheiben hineinlegen und großzügig mit Käse bedecken. Für drei bis fünf Minuten im Ofen gratinieren und vorsichtig servieren.

  • Wenn nicht, dann einfach die angerösteten Baguettescheiben mit dem Käse bestreuen und solo drei bis fünf Minuten überbacken. Die Suppe auf Schüsseln verteilen und das überbackene Brot direkt vor dem Servieren darauf legen. Alte Rezepte empfehlen alternativ, das Brot zuerst in die Suppenschale zu legen und mit der heißen Suppe zu übergießen.

Mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer garnieren und reinhauen, aber nicht die Zunge oder Finger verbrennen! Lieber etwas Zeit lassen – wir haben ja genug davon.

Bon appétit!

Bon appétit!

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Mein erstes Kochbuch »Gar es ohne Bares« erscheint am 11. April 2022 und kann bereits jetzt vorbestellt werden. Suchen Sie noch mehr Gerichte, die wenig Geld kosten? Folgen Sie mir gern auf Instagram  oder teilen Sie ein Bild unter dem Hashtag #KochenOhneKohle.