Gesund, frisch, einfach und günstig: Das perfekte Frühstück für Leute mit wenig Geld und Zeit
Foto:Sebastian Maas / DER SPIEGEL
Kochen ohne Kohle Overnight Oats für Erstsemester – für je 90 Cent
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Für viele Erstsemester ist der Wechsel an die Uni mit jeder Menge Stress verbunden. Sie verlieren ihr soziales Umfeld, müssen sich in einer neuen Stadt zurechtfinden, den bürokratischen Irrsinn der Hochschule durchsteigen, für lächerlich viele Prüfungen lernen und nebenbei noch einen eigenen Haushalt schmeißen. Durch wenig Geld und noch weniger Ahnung vom Kochen landeten bei mir in dieser Zeit vor allem Toast und Instant Ramen als Stressfutter auf den Teller. Je nachdem, wie spät ich wach wurde.
In den USA wird dieses Phänomen lapidar »Freshman 15« genannt. »Freshmen« heißen dort die Erstis, 15 Pfund (ca. sieben Kilogramm) nimmt man durch das viele Futtern angeblich im ersten Jahr an der Uni zu. In Australien ist man noch gehässiger, dort spricht man von den »First Year Fatties«.
Kein Geld zu haben belastet, in diesem Herbst und Winter erst recht. Während die Preise steigen, fragen sich junge Menschen im ganzen Land, wie sie mit dem wenigen zurechtkommen, das sie zur Verfügung haben. In der aktuellen Ausgabe von SPIEGEL START sprechen Azubis, Studierende und Berufseinsteiger:innen über ihre Strategien. Außerdem im Heft: Angeln hat sich in der Pandemie zum Trendhobby entwickelt. Was finden junge Menschen am deutschen Volkssport?
»Egal«, könnte man denken, wenn man die Diskussion um Selbstliebe der vergangenen Jahre verfolgt hat. Ich halte Body Positivity für eine großartige Sache. Aber schlechte, unausgewogene Ernährung stört leider selbst bei der radikalsten Selbstakzeptanz die Konzentration. Sich wegen einer Weißbrot-Diät durchgehend schlapp zu fühlen, ist keine feine Sache.
Ein gesundes und ausgewogenes Frühstück kann helfen. Vollwertkost – ein Oberbegriff für unverarbeitete Lebensmittel – macht nämlich nicht nur länger satt als Fertignahrung, sondern steigert Studien zufolge auch die Lernfähigkeit und Aufmerksamkeit. Schlauer wird man dadurch nicht automatisch, aber zumindest steigen die Chancen, dass man nach einer Büffel-Nachtschicht nicht gleich wieder alles vergisst.
Wo ich gerade bei der Nachtschicht bin: Ein einfaches Vollwert-Rezept sind »Overnight Oats« – ein neudeutscher Name für Müsli, das über Nacht einweicht. Eine niedliche Vorstellung: Man selbst macht durch, und das Frühstück übernachtet im Kühlschrank. Im ausgewaschenen Marmeladenschraubglas lässt es sich auch perfekt für die Mitnahme in den Hörsaal vorbereiten. Sofern man in diesem Semester wieder reindarf .
Fünf Rezepte
Da die Zubereitung so einfach ist, gibt es gleich fünf Rezeptvorschläge für die ganze Woche. Auf Kristallzucker wird dabei verzichtet. Stattdessen lieber mit natürlichen Mitteln süßen, etwa Honig, Ahornsirup oder Agavendicksaft. Als Toppings eignen sich vor allem Nüsse, Saaten und Früchte. Gefrorenes Obst ist super, weil es günstig und meist nicht mit zusätzlichem Zucker versetzt ist. Im Kühlschrank taut es über Nacht sanft auf.
Das benötigt man für eine Portion:
50 Gramm Haferflocken (fein, grob oder gemischt)
100 Milliliter Milch oder Pflanzendrink
Süße nach Belieben
Was kostet das?
Das Grundrezept etwa 25 Cent, inklusive der Toppings maximal 90 Cent pro Portion
Wie lange dauert das?
Keine fünf Minuten Arbeit, danach über Nacht im Kühlschrank stehen lassen
So einfach macht man Overnight Oats
Die Haferflocken mit der Flüssigkeit verrühren. Anschließend die Toppings der Wahl dazu gegeben und alles über Nacht im Kühlschrank auf seinen Einsatz warten lassen. Am besten eignen sich dafür verschließbare Gläser, damit die Oberfläche nicht austrocknet.
Frische Heidelbeeren kann man auch prima einfrieren, wenn man sie nicht schnell genug aufgegessen bekommt
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELMontag: Kokoschips und Heidelbeere
Das Grundrezept, plus:
2-3 EL Heidelbeeren (frische oder gefrorene)
1 EL Kokosraspel oder 2 EL Kokoschips
Weil der recht bittere Backkakao keinen Zucker enthält, darf man hier auch etwas mehr Honig nehmen
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELDienstag: Kakao und Haselnuss-Splitter
Das Grundrezept plus:
1 TL Backkakao ohne Zucker
2 EL gehackte Haselnüsse
etwas Honig
Geschnittene Äpfel mit etwas Zitronensaft beträufeln, dann werden sie nicht braun
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELMittwoch: Apfel-Zimt und Datteln
Das Grundrezept plus:
1/2 Apfel, in kleine Würfel gehackt
4-5 getrocknete Datteln, klein geschnitten
Zimt nach Geschmack – ich nehme einen halben gestrichenen Teelöffel
etwas Zitronensaft, um die Bräunung des Apfels zu verhindern
Die Erdnussbutter kann man für 20 Sekunden in der Mikrowelle erwärmen, dann vermischt sie sich besser mit den anderen Zutaten
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELDonnerstag: Banane und Erdnussbutter
Das Grundrezept plus:
1/2 Banane in Scheiben
1 EL Erdnussbutter (gehäuft)
Gefrorene Kirschen halten sich lange und sind, im Gegensatz zu denen im Glas, nicht mit Zucker versetzt
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELFreitag: Stracciatella-Quark und Kirschen
Das Grundrezept plus:
1 EL Magerquark
1 EL gehackte Zartbitter-Schokolade
2-3 EL gefrorene Kirschen
Welche Kombination essen Sie am liebsten? Welche leckeren Gerichte kennen Sie, die wenig Geld kosten? Schicken Sie mir gern ein Bild davon! Oder teilen Sie ihr Foto unter dem Hashtag #KochenOhneKohle auf Instagram.