Ofenrosenkohl: Bekämpft das Kohltrauma der Kindheit
Foto: Vo Images / Moment / Getty ImagesKochen ohne Kohle Rosenkohl verdient eine zweite Chance auf den ersten Eindruck!
Ich war lange nicht der allergrößte Fan von Rosenkohl. Wahrscheinlich liegt das an Erinnerungen aus meiner Kindheit. Erstens haben Kinder einen feineren Geschmackssinn für Bitterstoffe – ein Schutzmechanismus, um potenziell Giftiges direkt wieder auszuspucken. Zweitens hat man den Kohl früher meist stumpf gekocht, was nicht gerade zu seinem Geschmack beiträgt. Und drittens ist Rosenkohl von heute nicht mehr dasselbe Gemüse wie in den Neunzigerjahren. Das haben wir einem Niederländer zu verdanken.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Hans van Doorn fand in den Neunzigern nämlich heraus, was spruitjes (wie Rosenkohl auf Niederländisch heißt) für viele Menschen so abstoßend machte. Er entdeckte in den Röschen enthaltene Senfölglycoside, die Pflanzen bilden, um sich vor Tierfraß zu schützen – und damit genau das taten, was sie sollten. Das neue Wissen verleitete Saatguthersteller dazu, in ihren Archiven nach alten Rosenkohlsorten zu suchen, die weniger dieser speziellen Glycoside enthielten. Diese kreuzten sie dann in einem aufwendigen Prozess mit Sorten, die höheren Ertrag bieten. Wir drücken ein paar Jahre auf die Vorspultaste, und fertig ist der moderne Rosenkohl.
Durch TikTok und Co. hat der ehemalige Kinderschreck in den vergangenen Jahren ein kulinarisches Comeback erlebt. Auch weil er heute eigentlich nicht mehr stumpf gekocht wird, sondern frittiert, zum Salat geraspelt oder im Ofen gebacken. Ich LIEBE Rosenkohl aus dem Ofen. Allerdings gibt es zwei gänzlich unterschiedliche Wege, um ans Ziel zu kommen. Ich habe beide ausprobiert, damit Sie es nicht müssen.
Bei der ersten Variante werden die Röschen einfach geputzt, halbiert und mit etwas Öl auf einem vorgeheizten Backblech gebacken, bis sie goldbraun sind. Bei der zweiten Variante werden die geputzten Köpfchen im Ganzen für einige Minuten in kochendem Wasser blanchiert, bis sie etwa halb gar sind. Anschließend wandern sie auf ein Backblech und bekommen dort dieselbe Gewalt zu spüren wie in einer früheren Folge dieser Kolumne die Smashed Potatoes. Mit einem stabilen Glas oder (langweilig) einem Kartoffelstampfer wird der Kohl plattgedrückt und dann samt etwas Öl und Salz für etwa 20 bis 30 Minuten gebacken.
Ganz ehrlich: Wussten Sie, wie Rosenkohl wächst?
Foto: Danny Gohlke / ddpKurzum: Die Variante ohne vorheriges Kochen hat mir in allen Punkten besser gefallen. Nicht bloß, weil ich mir mit dem Kochen einen Schritt sparen konnte, sondern auch, weil das Ergebnis knuspriger wurde, ohne zu verbrennen. Als bei der Kochversion nämlich die äußeren Blätter verbrannten, waren die inneren Teile der Röschen immer noch weich und nass vom Blanchieren. Weil ich nach diesem Test Unmengen an Rosenkohl und kaum etwas anderes im Haus habe, mache ich daraus einen schnellen, warmen Herbstsalat mit einem Mix aus herzhaften und süßen, knusprigen und weichen Elementen. Perfekt für die Noch-nicht-Weihnachtszeit.
Das benötigt man für zwei Portionen Rosenkohlsalat
etwa 1 kg Rosenkohl (er verliert im Ofen noch viel Gewicht)
100 bis 200 g Brot oder Brötchen, gern altbacken
1 Apfel
Etwas Öl und Salz
Optional: etwas Knoblauch und eine rote Zwiebel oder Lauchzwiebel
Für das Dressing
1 EL Senf
1 EL Honig (oder anderes Süßungsmittel)
1-2 EL Essig oder Zitronensaft (nach Geschmack)
3 EL Speiseöl
4 EL Wasser
eine Prise Salz
Was kostet das? Die verbrauchten Zutaten liegen pro Person nicht bei mehr als 1,50 Euro.
Wie lange dauert das? Etwa 35 Minuten.
Gar es ohne Bares!
Sebastian MaasPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 08.28 Uhr
Keine Gewähr
So einfach macht man lauwarmen Rosenkohlsalat
Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Backblech darin mit heiß werden lassen.
Den Rosenkohl gut abwaschen und putzen, also die holzigen Enden und unschöne Blätter mit einem Putz- oder Kartoffelschälmesser entfernen.
Gut abtrocknen (etwa in einer Salatschleuder), denn feucht wird der Rosenkohl im Ofen matschiger. Dann halbieren.
Die Röschen in einer Schüssel mit etwas Öl und Salz (folgen Sie ihrem Herz) schwenken und dann auf das heiße Backblech legen. Die Schnittflächen der Rosenkohlhälften sollten (anders als im Titelbild dieses Beitrags) nach oben zeigen, damit restlicher Dampf aufsteigen kann. Etwa 20 Minuten backen, bis die Röschen knusprig und gar sind.
Rosenkohl: Waschen, putzen, Popo abschneiden und halbieren
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELDerweil das Brot in mundgerechte Würfel reißen oder schneiden, je nachdem, wie hart es schon ist. In der nun eh eingesauten Schüssel das Brot mit einem guten Schuss Öl und dem optionalen Knoblauch vermengen. Dann kurz in eine Pfanne schmeißen und goldknusprig anbraten.
Den Apfel waschen und grob würfeln.
Die rote Zwiebel (oder Lauchzwiebel) fein hacken. Die Zwiebel vorher schälen, die Lauchzwiebel vorher waschen.
Für das Dressing einfach alle Zutaten in ein leeres Marmeladenglas geben, zuschrauben und gut schütteln.
Den Rosenkohl aus dem Ofen holen, in (genau) derselben Schüssel mit dem Apfel und dem Dressing vermengen und dann auf zwei Teller aufteilen. Mit den warmen Croûtons und gehackten Zwiebeln garnieren. Wer Zitronensaft im Haus hat, gibt noch einen Schuss darüber. Das war’s auch schon!
Knackig und kross, süß und salzig: Lauwarmer Rosenkohlsalat
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWer das Rezept aufpeppen und sich nicht an die Drei-Euro-Regel dieser Kolumne halten möchte, kann auch rote Trauben, Manchego- oder Parmesanhobel, jegliche Form von Nüssen oder sogar angebratenen Bacon/Räuchertofu (und deren Bratfett) in den Salat geben. Und dann beim Tischgebet an Herrn van Doorn denken, der das möglich gemacht hat.
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