Jay Khan: Sein Restaurant "Padre e Figlio" im Test - DER SPIEGEL
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Padre e Figlio: Italienische Klassiker von pakistanischem Koch

Foto: Fabienne Hurst

Ex-Dschungelcamper Jay Khan Plötzlich Gourmet

Jay Khan wurde berühmt als Sänger einer Schnulzentruppe und als Kakerlaken-Sülze verschlingender Dschungelcamper. Vor zwei Jahren eröffnete er ein Restaurant in Berlin. Kann das gut gehen? Der Check.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Gastronom

Jay Khan wurde 1982 in London geboren und war mal Mitglied der zusammengecasteten Boygroup US5. Er hat im RTL-Dschungelcamp mal eine Beziehung mit einer Kandidatin vorgegaukelt - angeblich um der guten Show willen. Beides konnte er augenscheinlich nicht besonders gut: US5 löste sich 2009 auf, Khans Solokarriere danach war nicht der Rede wert, und die laiengeschauspielerte C-Promi-Liebe mit Indira Weis nahm ihm keiner ab. Seit zwei Jahren versucht er, die Leute als Gastronom zu überzeugen. In Berlin betreibt er das italienische Restaurant "Padre e Figlio" - Vater und Sohn.

Hoffnungen versus Befürchtungen

Khan ist bekannt dafür, einst bei Fressprüfungen im Dschungelcamp Kakerlaken-Sülze runtergewürgt zu haben, außerdem Stinkfrucht-Tofu-Creme und püriertes Rattenhirn. Durch seine Überlegenheit in Geschmacks- und Stilfragen ist er der Öffentlichkeit bisher noch nicht aufgefallen. Aber wer weiß, vielleicht kann er sie nur gut verstecken? Khan ist schließlich auch Sohn eines pakistanischen Kochs, der mit seiner Familie vor 25 Jahren von England nach Berlin zog, um ein Restaurant zu eröffnen. Im "Padre e Figlio" steht Papa Khan jetzt am Herd, Sohn Jay führt die Geschäfte. Der Restaurantname klingt zumindest schon mal nach Familie, Hausmannskost und italienischen Küchenklassikern. Wir sind wirklich gespannt.

Persönliche Note

Im Berliner Spätsommer kann man sich bei Padre e Figlio italienisch fühlen

Im Berliner Spätsommer kann man sich bei Padre e Figlio italienisch fühlen

Foto: Fabienne Hurst

Gelegen ist das Lokal in einer der weniger spannenden Gegenden der Hauptstadt. In der Uhlandstraße in Berlin-Wilmersdorf, zwischen Apotheken und Friseurstudios. Drinnen dann die Überraschung: gemütliches Licht, dezenter Zwanzigerjahre-Jazz, rund 20 kleine Holztischchen unter hübschen rot-weiß karierten Tischdecken. Die Speisekarte ist mit Stoff bespannt, als einzige Deko dienen Weinflaschen und ein paar Kerzen. Nicht die geringste Spur davon, dass hier ein Trashfernsehpromi der Besitzer ist.

Essen und Trinken

Die aktuelle Tageskarte verspricht frischen Seeteufel und Dorade, außerdem Venusmuschel-Pasta, Fenchelsalat und Risotto. Ansonsten konzentrieren sich die Khans durchweg auf italienische Klassiker: Rindercarpaccio und Vitello Tonnato, verschiedene Suppen, große Antipasti-Auswahl, Pizza, Pasta und kurzgebratenes Fleisch. Auch die jeweils fünf weißen und roten Weine sind aus Italien. Die Pizza gibt's ab 6,50 Euro, ein Fleischgericht liegt im Durchschnitt bei 17 Euro.

Wie schmeckt's?

Die nicht triviale Aufgabe des Steakbratens löst das Padre e Figlio exzellent

Die nicht triviale Aufgabe des Steakbratens löst das Padre e Figlio exzellent

Foto: Fabienne Hurst

Der Gruß aus der Küche kommt in Form warmer Bruschetta mit Tomaten und Oliven auf den Tisch, wird aber rasch abgelöst von zwei großzügigen Vorspeise-Portionen: im Steintopf gebackenes Gemüse unter einer würzigen Mozzarellakruste und dünn aufgeschnittener, luftgetrockneter Bresaola mit Walnüssen. Die Zeit bis zum Hauptgang überbrückt ein Weißwein aus Venezien, der etwas kälter und trockener sein dürfte, aber gut zu deftigem Essen passt. Die Pizza mit Rucola und Parmaschinken ist schön knusprig und saftig belegt, das Entrecote vom Grill außen scharf angebraten und innen noch dunkelrosa. Extrapunkte gibt's zudem für das hausgemachte Brot und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis.

Service

Eine sehr charmante Italienerin mit Tattoos und Piercings begrüßt alle Gäste mit einem fröhlichen "Buona sera". Kleine Vergesslichkeiten verzeiht man ihr gerne, zumal sie den Service weitgehend alleine schmeißt.

Stolz des Hauses

Die Familie! Dass hier Vater und Sohn ein gemeinsames Ziel verfolgen, wird voller Stolz gezeigt. Vom Restaurantnamen über die Deko bis zur Speisekarte. Die leitet ein Demokrit-Zitat ein: "Des Vaters Tüchtigkeit ist der beste Lehrmeister des Sohnes."

Wer ist da?

Acht belgische Rentner betrinken sich am Nebentisch mit Aperol Spritz und freuen sich auf ihre Schweinelendchen auf Gemüse. Zwei junge Frauen stecken über großen Rotweingläsern die Köpfe zusammen, eine vierköpfige chinesische Familie bestellt mehrere Gänge und ein solariumgebräuntes Ehepaar nimmt auf der Terrasse Platz. Gegen 21.30 Uhr parkt ein dunkler Mercedes vor der Tür: Der Geschäftsführer persönlich steigt aus. Jay Khan trägt Baseballcap und Lederjacke und schwebt mit großen Schritten durch den Raum bis hinter die Theke, wo er das Licht dämmt und die Kellnerin freundschaftlich umarmt. Dann setzt er sich zu zwei Freunden an einen Tisch und bestellt Abendessen.

Chancen für Autogrammjäger

... sind immer dann am größten, wenn ein schwarzer Mercedes mit dem Kennzeichen B - JK vor der Tür steht.

Die Rechnung bitte

Wir hoffen, dass Jay Khan in Zukunft die RTL-Dschungel-Kakerlaken links liegen lässt und sich stattdessen Vollzeit auf seine Entrecotes konzentriert. Es wäre doch für alle ein Gewinn.

Punkte

8,5 von 10 Punkten


"Padre e Figlio"  , Uhlandstraße 43/44, 10719 Berlin, Montag bis Samstag 16-0 Uhr, Sonntag Ruhetag

Zur Autorin
Foto: Fabienne Hurst

Fabienne Hurst, Jahrgang 1987, ist freie Journalistin in Hamburg.