Silvester-Rezept für Chipsvielfalt - DER SPIEGEL
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Chipsvielfalt am Silvesterabend Das kann man ratzfatz wegknabbern

Fondue, Karpfen oder Raclette? Am Silvesterabend geht Geselligkeit stets vor Kulinarik. So gesehen, könnte man auch einfach ein paar Knabbereien im Stehen knuspern. Lasst uns deshalb zum Jahreswechsel ein wenig mehr Chipsvielfalt wagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auch wenn wir uns für das nächste Jahr vorgenommen haben, häufiger als Erstes das Gute, Schöne und Wahre in den Dingen des Lebens sehen zu wollen, müssen wir heute gleich mal mit dem Haken an der Sache beginnen: So lecker, knusprig und das Küchen-Zeitbudget nur milde belastend unser aktueller Jahresend-Verköstigungsvorschlag auch sein mag - einen stets gefüllten Geldbeutel in 2019 garantiert er nicht.

Das nämlich klappt nur, wenn man vom Silvesterkarpfen eine Schuppe abzupft und sie ganzjährig im Münzfach aufhebt. Das sorgt - wenn man nur fest genug daran glaubt - für permanente Top-Bonität. Mit Linsensuppe soll das übrigens genauso gut funktionieren. Aber wer will ausgerechnet am letzten Tag das essen, wovor man sich die anderen 364 erfolgreich drücken konnte?

Dann schon lieber die Silvesterkochtipps der vergangenen Jahre aus unserer Hobbyküche noch mal durchforsten und für Familie oder den feierwütigen Freundeskreis ein halbes Dutzend Fingerfood-Variationen von miniaturisierten Lieblingsspeisen wie Roastbeef mit Bratkartoffeln, Spaghetti Carbonara, oder Fish & Chips auf die Degustationslöffel legen. Zu nah am Unterschichten-TV-Wettkochen "The Taste"? Gut, dann eben einen riesigen Haufen pikanter Party-Plätzchen backen, feinste Langostini in Noilly Prat Espuma stecken oder Miniwaffeln mit Lachs-, Caprese- und Flammkuchen-Konzentraten füllen.

Oder ganz einfach nur selbst gemachten Knabberkram anbieten? Dann hat man wenigstens neben dem Blubberwasserglas-Arm immer die zweite Hand frei. Langweile muss hierbei nicht aufkommen, dafür ist die bunte Knabernussmischung zu raffiniert gewürzt, und auch die hauchdünnen Chips mit Kräuterfüllung zu schön anzusehen.

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Doch dieses Jahr wollen wir das Prinzip "Simplify your Hobbyküchen-Life" noch ein bisschen ernster nehmen und frittieren einfach nur noch Kartoffeln - die vor dem Fettbad freilich in für dieses Sujet eher ungewöhnliche Formen zugeschnitten werden. Auch bei der Würzung soll zur Abwechslung weniger mehr sein - nur ein bisschen pudrig gemörsertes Salz, allenfalls mit Aromaten wie Knoblauch-, Zwiebel- oder Paprikapulver gemischt.

Das kann man ratzfatz wegknabbern. Oder in die eine oder andere leckere Tunke tauchen. Und hierfür wollen wir nicht Lebensmittelchemie-Pampen aus Plastikflaschen quetschen, sondern die Dips einfach selbst machen. Das reicht in unserer Hobbyküche zum Beispiel vom simplen Basis-Ketchup über asiatisch angeschärfte Wasabi-Sake-Mayonnaise bis hin zur fast schon waffenscheinpflichtig pikanten Sriracha-Mayo.

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Nicht nur für Veganer interessant sind die weitgehend tierproduktfreien Tunken auf der Basis von Veggie-Mayonnaise (wahlweise mit Kuh- oder veganer Hafermilch realisierbar): mit Knoblauch und Olivenöl zur Aioli mediterranisiert, mit Früchten und Gewürzpulver als Mangocurry, mit Trockentomaten, Tabasco und Rohrzucker als Dried-Tomato-Dip, mit Avocado und Zitrone zur Guacamole - oder als klassische Honigsenfdillsauce, die mit ihrer Mischung aus Dijonsenf und körnigem Moutarde de Meaux gleich noch eine spannende Textur auf unsere Chips bringt.

Jenseits der Ernährungsdoktrinen werden einige Allesfresser aber feststellen, dass Mayo-Dips mit Eigelb als Emulgator oft besser schmecken als die veganen oder vegetarischen Alternativen. Rezeptiert zum wirklich nicht sonderlich komplizierten Selbermachen hatten wir dies in der Hobbyküche zum Beispiel, als wir Saucen zur Begleitung von Fleischfondue anrührten - ein an Silvesterabenden ebenfalls hochbeliebtes Verkostungsprinzip: Neben Grund-Mayonnaise und einer mithilfe von griechischem Joghurt etwas bekömmlicher gemachten Aioli finden sich hier eine für unsere heutigen Riesenchips besonders gut geeignete Remoulade, aber auch eine Apfel-Meerrettichsauce, ein Ingwer-Ziegenkäse-Dip, Saucen mit Mango, Kokos, Zitronengras und Curry oder mit schwarzen Bohnen und Pflaumen.

Ein guter Rutsch braucht schließlich die passende Schmiere.

Rezept für Chipsvielfalt (Snacks für 8 Personen)

Vorbereitungszeit: 15 Minuten (plus 30 Minuten Marinierzeit)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

6 sehr große Kartoffeln, festkochend
2 Liter Pflanzenöl zum Frittieren
Feines Meersalz nach Belieben

Zubereitung

Chips
Kartoffeln schälen. Einen Teil davon mit Spiralschneider und/oder Julienneschneider in lange, dünne Streifen schneiden. Den Rest mit einem scharfen Sparschäler in möglichst lange Bänder. Getrennt voneinander in große Schüsseln mit stark gesalzenem Wasser 30 Min. einlegen. Abseihen und mit Küchenkrepp trocknen. Backofen auf 90 °C Umluft vorheizen und ein Backblech mit mehreren Lagen Krepp auslegen.

Öl in großem, breitem Topf (besser: Wok) auf 180 °C erhitzen. Temperatur z.B. mit Fleischthermometer prüfen. Kartoffeln portionsweise (nicht zu viel auf einmal) goldgelb frittieren und auf Krepp entfetten. Im Backofen aufbewahren.

Meersalz entweder pudrig mörsern oder im Blitzhacker pulverisieren. In Streuer mit Feinsiebauslass füllen (alternativ: in ein Feinsieb füllen).

Anrichten

Chips noch ofenwarm mit dem pudrigen Salz würzen und in Knabberschalen zum Selbernehmen anbieten. Nach Belieben zusammen mit diversen Dips servieren.

Getränketipp

Für die Silvesterparty haben wir uns tapfer durch eine mittelgroße Vorauswahl höchst unterschiedlicher Blubberwässer getrunken und können nun vier Schaumweine empfehlen, die selbst eingefleischten Champagnerpuristen eine Augenbraue nach oben ziehen lassen: In dem nicht gerade für edle Versektung bekannten Süditalien - in diesem Fall Brindisi - erzeugt das Weingut Tenute Rubino aus der autochthonen Rebsorte Susumaniello den hocheleganten Sumaré Rosé  mit Noten von Granatäpfeln und roten Beerenfrüchten. Vergleichbar frisch, aber deutlich preiswerter ist der aus den Rebsorten Macabeo, Pansa Blanca und Parellada vinifizierte spanische Bio-Cava Parxet Cuvée 21 2014 , während der altehrwürdige Ferrari Perlé Bianco Riserva 2006  aus dem norditalienischen Trentino in Sachen Perlage, Eleganz und raffinierter Weichheit (aber natürlich auch Flaschenpreis) mit jedem französischen Vintage-Champagner locker mithalten kann. Wenn es dann aber doch echter Schampus sein muss: Ohne gleich arm zu werden oder sich mit Discounter-Blubberern den Magen zu versäuern, bekommt man für weniger als 25 Euro die Flasche mit dem Drappier Carte D'or brut  nicht nur ein amtliches Partygetränk, das mit seinem relativ hohen Pinot-Noir-Anteil die legendäre wundersame Gemütsbelebung schon zur Hälfte des ersten Glases ins Hirn zaubert. Drappier ist darüber hinaus der einzige Champagner, den Charles André Joseph Marie de Gaulle privat seinen Gästen ausschenkte. Bonne année, mon Général!