Hörbücher und Hörspiele: Empfehlungen für Kinder und Eltern - DER SPIEGEL
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Hörbücher und Hörspiele für Kinder Gut zu hören

Mit Hörbüchern oder Hörspielen taucht man in andere Welten, allein oder zusammen. Unsere Autorin empfiehlt fünf Werke für Kinder ab vier Jahren, die auch für Eltern hörbar sind.

Foto: Witthaya Prasongsin / Moment / Getty Images

Ich habe das Gefühl, Hören ist das neue Lesen, denn alle Welt zitiert aus Podcasts. Die Vorfahren dieses Genres sind Hörspiele und Hörbücher. Hörspiele werden mittlerweile fast nur noch von Radiosendern produziert und sind in Mediatheken abrufbar. Für Verlage lohnt es sich deshalb kaum noch, sie zu vertreiben. Nagelneu ist etwa die Hörspielfassung des Erfolgsromans »Hard Land«  inklusive Achtzigerjahre-Soundtrack. Eine sehr starke Inszenierung, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, die das Buch in der Schule lesen müssen.

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Die fünf folgenden Empfehlungen sind auf Mehrwert gegenüber der Buchversion geprüft. Zudem taugen sie auch für Elternohren. Sie sind eine Mischung aus alt und neu, mit Musik und ohne, spannend, lustig oder kitschig.

Zur Autorin
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Maria Feck

Agnes Sonntag wurde in eine Familie geboren, deren Mitglieder von Büchern magisch angezogen werden. Ihr Großvater arbeitete bei der Büchergilde Gutenberg und brachte ihr gern Fehldrucke mit, sodass sie bis heute das Ende vieler James-Krüss-Geschichten nicht kennt. Später studierte die gelernte Arzthelferin in Schweden Publizistik und Schwedisch. Sie arbeitete als Schwedischlehrerin, Übersetzerin und freie Mitarbeiterin des schwedischen Schulfunks. Seit einigen Jahren betreut sie beim Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« die Buchtipps und rezensiert auf SPIEGEL.de Kinder- und Jugendbücher.

»Der Sängerkrieg der Heidehasen«

Ja, ja, ich weiß: Es geht gar nicht, dass ein Vater (der König) seine Tochter (die Prinzessin) dem besten Sänger eines Singwettbewerbs als Pokal zur Frau verspricht. Ganz doofe Idee. In diesem Fall handelt es sich allerdings um den Hasenkönig Lamprecht der Siebente im Hasenreich. Sie können ihrem Kind also einfach erklären, dass das nicht »in echt« ist, sondern nur eine Geschichte. Kinder verstehen das. (Übrigens genauso fiktiv wie die unzähligen Verwandlungskünste aktueller Fantasy-Figuren oder die Superkräfte von Superman.)

Empfehlenswert ist dieses musikalische Hörspiel nicht nur, weil Reime-Meister James Krüss es geschrieben hat, sondern auch, weil es ein vielstimmiges und lustiges Stück Radiotheater-Geschichte ist. Der Mehrwert zum Buch ist neben den exzellenten Sprechern die Musik. Es ist Gesang und Gejodel zu hören, die Erzählstimme ist als Moritat vorgetragen, was für die meisten ungewohnt sein mag.

Was ist hier los? Ein Wettskandal wie aus einem SPIEGEL-Report: Beim Wettsingen in Obereierdorf lässt sich der Minister für Hasengesang mit 100.000 Hasentalern von Direktor Wackelohr bestechen, damit der Dickwanst die ausgelobte Prinzessin heiraten darf. Doch die feinen Herren haben die Rechnung ohne die feinen Ohren von Otto Lampe gemacht. Der hört von den Tricksereien und sieht zu, dass der schmucke und begabte Hase Lodengrün doch noch seinen Auftritt bekommt – und gewinnt. Puh. Den findet die Prinzessin nämlich richtig hot und freut sich. Ob Lampe daraufhin ein Job beim SPIEGEL angeboten wurde, ist nicht bekannt.

Beste Hörzeit: statt ESC.

Empfohlenes Alter: ab 4 Jahren.


»Max: Memoiren eines Schulanfängers«

Mindestens zwei Leuten gefällt dieses Hörbuch: meinem Neffen Jonte, 6, und mir. Jonte mag es, »weil Max so viel weiß«. Ich mag den launigen Sound, mit dem Jan Weiler vorliest. Außerdem sind die Anekdoten für Kinder und Erwachsene gleichermaßen lustig.

Klar, manches klingt aus dem Mund eines Erstklässlers etwas altklug, aber Weiler kriegt die Kurve, weil er die Erlebnisse von Max auf den Punkt bringt und nicht ins Schwafeln gerät. Die Episoden sind schön kurz, sodass auch jüngere Kinder gut folgen können.

Was ist hier los? Kurzweilige Geschichten aus dem Kopf des sechsjährigen Max. Das Kind macht Sachen, beobachtet und evaluiert, wie die Aussagen der Eltern mit der Realität zusammenpassen. Etwa der merkwürdige, also wirklich merkwürdige, Ausspruch der Mutter, Max sei »zu groß für Kakao«. Er reicht ohne Stuhl nicht mal an das Regal, in dem der Kakao steht. Wie kann er zu groß sein? Oder warum einkaufen mit Papa viel mehr Spaß macht als mit Mama. (Kann ich aus eigenem Erleben bestätigen.) Der Vater eiert planlos durch den Supermarkt und erlaubt jeden Quatsch, den ihm sein Sohn vorschlägt. Witzig.

Beste Hörzeit: vor dem nächsten Einkauf.

Empfohlenes Alter: ab 5 Jahren.


»Das Gespenst von Canterville«

Dies ist nicht die erste Hörspielfassung des Gespenster-Klassikers von Oscar Wilde aus dem Jahr 1887. Aber möglicherweise die erste Variante, die von Jazz-Musik begleitet wird. Die Musiker Martin Auer und Rüdiger Ruppert haben aus dem Werk ein sogenanntes Erzählkonzert gemacht, das kürzlich in der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte .

Übrigens gut möglich, dass vielen der Plot bekannt vorkommt. Die Europa-Hörspiel-Serie »Hui Buh, das Schlossgespenst« basiert auf Wildes Geschichte.

Was ist hier los? Allen Warnungen zum Trotz ist die amerikanische Botschafterfamilie Otis in das Schloss Canterville in England gezogen. Dass es hier spuken soll, beeindruckt genau niemanden von ihnen. Und so tappt das arme Gespenst selbst im Dunkeln, als sich weder die vier Otis-Kinder noch die Eltern überhaupt nicht gruseln, nur weil ein einsamer Kopf herumschwebt oder sich eine skelettierte Hand auf ihre Schultern legt.

Stattdessen bewirft man ihn mit Kissen oder bietet ihm »Rising Sun Öl« an, damit das elendige Kettengerassel ein Ende hat. Das Gespenst ist zutiefst gekränkt und plant einen Rachefeldzug gegen die Familie, die den symbolischen Wert eines Hausgespensts nicht zu würdigen weiß.

Beste Hörzeit: vor dem Einschlafen.

Empfohlenes Alter: ab 9 Jahren.

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»Titanic«

Werde ich nach einem spannenden Hörbuch gefragt, nenne ich auf jeden Fall »Titanic«. Das liegt an Rainer Streckers starker Stimme sowie der Musik und den Geräuschen, die in seine Lesung verwoben sind. Obwohl das Werk von 2018 ein Hörbuch und kein Hörspiel ist, fühlt man sich wirklich wie auf einem Schiff. Die Musik steigert die Spannung der letzten Stunden so sehr, dass man es kaum aushält.

Was ist hier los? Jedes Kind hat wohl schon von der »Titanic« gehört, aber nicht unbedingt die vollständige dramatische Geschichte der Jungfernfahrt des Ozeanriesen. In dieser Fassung des britischen Autors Stephen Davies freundet sich der 12-jährige Jimmy aus Irland mit Beryl und Omar an. Durch ihre Augen lernt man sowohl das ärmliche und als auch das opulente Leben an Bord kennen, bevor das Drama seinen Lauf nimmt. Gemeinsam erkunden die Kinder das ganze Schiff und erleben die letzten 24 Stunden an Bord. Dass sie das Schiff so gut kennen, soll ihnen und einigen anderen das Leben retten. Das Hörbuch besteht aus zwei CDs inklusive Info-Booklet mit Zeitleiste und Glossar sowie Hintergrundinfos zu den Figuren. Für schwache Nerven empfehle ich das Buch mit Illustrationen von Torben Kuhlmann.

Beste Hörzeit: wenn Eisberge am Fenster vorüberziehen.

Empfohlenes Alter: ab 8 Jahren.


»Der Spurenfinder«

Kling-Klang-Klong: Es ist mal wieder Kling-Alarm. Der Mann, der mit den Känguru-Chroniken bekannt wurde und reihenweise kurzweilige Kinderbücher schreibt, hat einen dicken, spannenden Mittelalterroman mit einem Hauch Fantasy geschrieben. In launischem Märchenton und mit den üblichen hübschen klingschen Wortspielereien versehen. Der Roman entstand, so Autor Marc-Uwe Kling auf seiner Webseite , zusammen mit seinen Zwillingstöchtern während einem Praktikum, das die beiden bei ihrem Vater absolvierten.

Vater Kling hat die Geschichte eines verzwickten Kriminalfalls passend dazu in seinem lustigen Plauderton eingelesen. So wird das Hörbuch trotz seiner stolzen Länge von sieben Stunden und 44 Minuten nicht langweilig. Vom Autor wird das Ergebnis des Praktikums sehr treffend als »Fantasy-Krimi-Komödie« bezeichnet. Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist also für jeden etwas dabei, perfekt für gemeinsame Autofahrten.

Was ist hier los? In Friedhofen, der Name lässt es ahnen, ist nicht viel los ist. Hierher ist Elos von Bergen, weiser Spurenfinder (also eine Art mittelalterlicher Detektiv), mit seinen Zwillingen Ada und Naru (beide zwölf Sommer alt) gezogen, um in Ruhe und Sicherheit zu leben. Doch natürlich kommt es anders.

Es wird gestorben und mit Ruhe und Sicherheit ist es vorbei. Als der Vater in den Fall hineingezogen wird, folgen die Zwillinge ihm heimlich und geraten in eine verwickelte und gefährliche Geschichte, bei der manche nicht die sind, die sie vorgeben zu sein.

Beste Hörzeit: nicht vor dem Einschlafen.

Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren (Empfehlung des Autors) und für alle.