Alkoholfreie Sekt-Alternativen im Test: Prost ohne Prozente! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Alkoholfreie Sektalternativen im Test Prost ohne Prozente!

Lust auf Anstoßen ohne Reue und dicken Kopf? Wir haben Experten 16 Sparkling Teas verkosten lassen, die ohne Alkohol Lust auf gutes Essen und gute Partys machen.
Freunde beim Feiern: Sparkling Teas sind meist alkoholfrei, können komplexe Aromen haben und wie Champagner prickeln
Freunde beim Feiern: Sparkling Teas sind meist alkoholfrei, können komplexe Aromen haben und wie Champagner prickeln

Freunde beim Feiern: Sparkling Teas sind meist alkoholfrei, können komplexe Aromen haben und wie Champagner prickeln

Foto: Westend61 / IMAGO

Immer mehr Menschen wollen aus vielerlei Gründen weniger oder gar keinen Alkohol mehr zu sich nehmen. Sie haben aber auch keine Lust, den ganzen Abend Cola, Wasser oder Rhabarberschorle zu trinken. Zum Glück gibt es spannende Alternativen. Diese sogenannten Proxies erobern derzeit Gastronomie und Genießerherzen zugleich.

Wir haben die neue Getränkegruppe der Sparkling Teas erforscht und 16 dieser Prickler auf Teebasis aus Deutschland, Österreich, Südtirol, Portugal und Dänemark degustiert. Gemein ist all diesen Proxies, dass für ihre Herstellung meist kalte Aufgüsse (Cold Brew) diverser Teesorten oder Kräuter mit sortenreinen Säften und wenigen weiteren Zutaten karbonisiert werden. Die dabei zugesetzte Kohlensäure erzeugt einen Flaschendruck von 2,5 bis 5 Bar. Das entspricht etwa der Sprudeligkeit von Prosecco und Frizzante.

Mit Eistees oder Frucht-Seccos haben Sparkling Teas nichts gemein. Sie sind deutlich komplexer, trockener und geschmacklich so interessant, dass sie es teilweise sogar mit Champagner aufnehmen können. Meist werden die Flaschen mit Sektkorken verschlossen, einige Sorten auch mit Kronenkorken.

Die getesteten Sektalternativen: Trotz so vieler Flaschen kein Kater

Die getesteten Sektalternativen: Trotz so vieler Flaschen kein Kater

Foto: Peter Wagner

Um als Alternative zu normalen Schaumweinen durchzugehen, sind die getesteten Sorten alkoholfrei. Manche haben tatsächlich 0,0 Volumenprozent Alkoholgehalt, andere bis zu 0,5 Volumenprozent, was laut Verordnung aber noch als alkoholfrei gilt. Eine Kennzeichnung des Alkoholgehalts bei Getränken ist nach der europäischen Lebensmittelverordnung erst ab 1,2 Volumenprozent vorgeschrieben.

Sparkling Teas haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum und müssen nach dem Öffnen kühl gelagert und binnen drei Tagen getrunken werden. Das ist ernst gemeint: Wir fanden tatsächlich nach einer Woche Schimmel in einigen angebrochenen und wieder verschlossen im Kühlschrank stehenden Flaschen.

Zum Autor
Foto:

Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Foodjournalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt. Er veröffentlicht Ernährungssachbücher, Kochbücher und Genuss-Reiseführer. Aktuell hat er sein 2008 gestartetes Männer-Kochmagazin »Kochmonster « relauncht.

Am besten schmecken die Sparkling Teas aus Sekt- oder Champagnerkelchen sowie aus nach oben hin nicht zu weit öffnenden kleineren Weißweingläsern aus dünnem Glas mit glattem Trinkrand. Wichtig ist die niedrige Serviertemperatur: Die Flaschen sollte man also zwischendrin wieder in die Kühlung stellen. Bei Partys eignen sie sich als Begrüßungsdrink, aber auch als interessante und nicht sättigende Begleiter zu allerlei Speisen. Deshalb geben wir neben den Verkostungsnotizen auch ausführliche Pairing-Tipps zu diversen Gerichten.

Bei dem mehrwöchigen Degustationsmarathon hat uns der kundige und geschulte Gaumen von Nicole Klauß geholfen. Das aktuelle Werk »Alkoholfrei – Grundlagen, Rezepte, Pairings« der Mindful Sommelière, Gastronomieberaterin und Buchautorin haben wir bereits hier empfohlen.

Unser Test zeigte erhebliche Unterschiede der verschiedenen Sorten. Hier tut sich eine völlig neue, erforschenswerte Genusswelt auf. Für alle festlichen und prickelnden Anlässe oder immer, wenn man Lust hat, Korken knallen zu lassen, ohne sich dabei zwangsweise mit Alkohol zuknallen zu müssen.

Von diesen Herstellern haben wir Sparkling Teas getestet
  • Copenhagen Sparkling Tea Company, Dänemark (Blå, Lysegrøn, Lyserød)

  • Winninger Sektmanufaktur Kloss, Mosel (Rosé Sparkling Tea)

  • Von Wiesen, Bensheim (Eisenkraut & Quitte, Brombeerblatt & Apfel)

  • Beverage Brothers, Südsteiermark (Tea Royal No.9 Blanc Herbal Garden, Tea Royal No.7 Blooming Rosé)

  • Manuka Jun, Hamburg (Manuka Jun Blanc, Manuka Jun Rosé)

  • Sparkling Essence, Portugal (Kombu Viva)

  • Pfefferlechner, Südtirol (Freedl)

  • Far & Son, Dänemark (Gentle Thai)

  • Obstkelterei van Nahmen, Hamminkeln (Verbene – Jasmin – Riesling, Weißer Tee – Tahiti Vanille – Quitte, Rosé – Darjeeling – Rhabarber)


Copenhagen Sparkling Tea Company, Dänemark

Der dänische Topsommelier Jacob Kocemba hatte vor einigen Jahren die Nase voll von den vergeblichen Fragen der Gäste nach Alternativen zu alkoholhaltiger Menübegleitung in der Spitzengastronomie. Gemeinsam mit dem Investor Bo Sten Hansen gründete er 2017 die Copenhagen Sparkling Tea Company und wurde schon ein Jahr später für seinen ersten selbst kreierten Sparkling Tee auf der Foodexpo mit einer Goldmedaille und auf der Biofach-Messe mit dem Preis für das »beste neue Produkt« ausgezeichnet. Im Jahr 2020 bekam die Sorte Blå den World Beverage Innovation Award für das »Best Non-Alcoholic Product«. Die Blubbertees aus Dänemark mit straffen fünf Bar Sprudeldruck und konsequenter Biozertifizierung aller Zutaten begründeten ein komplett neues Getränkegenre im Luxussegment und werden inzwischen weltweit in Sternerestaurants angeboten.

Die drei von uns getesteten Sparkling Teas Blå, Lysegrøn und Lyserød haben 0,0 Volumenprozent Alkohol und basieren auf der zum Zeitpunkt der Markteinführung neuartigen Kombination aus asiatischen Teetraditionen und zuckerarmem Bio-Traubenmost. Die ebenfalls erhältlichen Sorten Rød, Grøn und Vinter enthalten jeweils fünf Volumenprozent Alkohol und wurden deshalb nicht getestet.

Sparkling Tea Blå

Blå ist der Sparkling Tea, mit dem alles begann. Die Mischung aus höchst unterschiedlichen, teilweise als Cold Brew angesetzten Teesorten mit fruchtigem Traubenmost und der Säure von Zitronensaft macht das Schaumgetränk frisch und lebendig, der Geschmack hält lange an und entwickelt sich komplex am Gaumen. Nebenbei wirkt er durch eine kleine Menge Koffein (12,6 Milligramm pro Liter) auch ein wenig anregend, eine weitere Gemeinsamkeit vieler Sparkling Teas.

Zutaten: Schwarzer Tee (14 Prozent Jasmin, 3 Prozent Darjeeling), 19 Prozent Weißer Tee, Grüner Tee, Kräutertee, Traubenmost, Zitronensaft, Zitronensäure

Nährwert/100 g in kcal: 20

Zucker in g/100 ml: 5

Preis in Euro: ab 18,95

Serviertemperatur: 5–7 °C

Verkostungsnotiz: Goldgelb im Glas mit deutlicher Perlage. In der Nase mit überraschenden Blütennoten, Quitte, Kamille, Jasmin und ein wenig weißem Tee. Am Gaumen hochkomplex, rasch adstringierend, erfrischende Kombination aus Süße und Säure, erst im Abgang dominiert die zartbittere Herbheit vom Schwarztee. Insgesamt elegant und weich.

Passt zu: Salzigen Apéros als Aperitif, leichten Vorspeisen mit hellem Fisch, Salaten und Meeresfrüchten wie Jakobsmuscheln, Kaisergranat, Austern oder Graved Lachs. Vegetarischen Speisen mit Blätterteig, Sellerie, Pastinaken und cremigen Mousselines. Desserts mit weißer Schokolade, Panna cotta, Macarons.

Unser Fazit: Der Pionier von 2018 macht noch immer eine gute Figur im Sektglas und kann es in Sachen Feinperligkeit, Geschmack und Mundgefühl mit manchem Champagner aufnehmen.

Sparkling Tea Lysegrøn

Lysegrøn ist leicht grünlich und kombiniert auch geschmacklich die Frische des Grüntees mit Noten von Zitrusfrüchten und Äpfeln. Der Sencha-Tee sorgt für knackige Frische und ein delikates Mundgefühl, zu dem sich nach kurzer Zeit eine unerwartete Mineralität und das minimal bitterere Umami-Aroma des grünen Darjeeling gesellt. Damit ist er der herbere Bruder des Blå.

Zutaten: 44 % Grüner Tee (davon 8 % Sencha), Weißer Tee, Kräutertee, Traubensaft, Zitronensaft, Zitronensäure, Milchsäure

Nährwert/100 g in kcal: 15,5

Zucker in g/100 ml: 4

Preis in €: ab 18,95

Serviertemperatur: 4–6 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas klar mit grünen Reflexen, lebhafter Perlage und schöner Schaumschicht. In der Nase gleichermaßen fruchtig mit Zitronengras und Orangenzeste, aber auch klare Tee-Noten von Earl Grey, Sencha und grünem Darjeeling. Am Gaumen hochkomplex und sehr erfrischend mit lebendigem Mousseux und crispy Mineralität. Zugleich zart, lebhaft und elegant. Noten von Zitrusfrüchten, Orangenschale, grüner Apfel, Mandarine und lang nachhallenden Tee-Aromen, die an Herbheit zunehmen.

Passt zu: Sushi, Sashimi, Austern, Kaviar, Krustentieren, Ceviches und Tiraditos, Tom Kha Gai, grünen Currys, Buddha Bowls mit Thunfisch oder crunchy Tofu, italienischen Antipasti, warmen vegetarischen Gerichten mit Erbsen, Brokkoli, Minze, Radicchio, hellen Linsen und Kichererbsen. Cremigen Desserts, weißer Schokoladenmousse, Macarons.

Unser Fazit: Für Schaumweinliebhaber ist der Lysegrøn trotz seiner Mineralität und Sprudeligkeit insgesamt eine Spur zu bitter, passt aber genau deshalb als Begleiter zu vielen leichten Speisen mit asiatischer, italienischer, nordischer oder arabischer Herkunft.

Sparkling Tea Lyserød

Der Rosé im Copenhagen-Trio ist ein typisch leichtsinniges und zugleich elegantes Sommergetränk, ausgesprochen trocken, dennoch weich und rund. Hibiskus sorgt für Farbe und Fruchtigkeit, Oolong und Silver Needle für spannende Komplexität, die den fröhlichen Trinker aber nie überfordert. Der Lyserød begleitet feine Speisen, bereitet aber auch im Stehen getrunken als Partygetränk zu Snacks und Fingerfood große Freude.

Zutaten: 23 Prozent Grüner Tee (Oolong), 22 Prozent Kräutertee (Hibiskus), 16 Prozent Weißer Tee (Silver Needle), Schwarzer Tee, Traubensaft, Zitronensaft, Zitronensäure, Milchsäure

Nährwert/100 g in kcal: 8

Zucker in g/100 ml: 8

Preis in Euro: ab 18,95

Serviertemperatur: 4–6 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas helles, leuchtendes Lachsrosa mit schöner, anhaltender Perlage. Weiche, an rote Beeren und Aprikosen erinnernde Aromen, nur sehr zarte Teenoten. Durch den edlen weißen Silver Needle am Gaumen angenehm soft und blumig ; Schwarztee und Oolong steuern nur wenig Adstringenz zu. Intensive Anklänge an roten Apfel und Brombeere, komplex und insgesamt sehr trocken, mit nur leicht bitteren Fruchtnoten im Nachklang.

Passt zu: leichten Gerichte mit Fisch, Meeresfrüchten oder Geflügel. Sushi und Sashimi, kalten oder nur kurz gegarten Schalen- und Krustentieren, insbesondere Austern, Kaviar, Lachs-Tataki. Bouillabaisse, Wolfsbarsch im Salzmantel, Hühnerfrikassee, Kaisergranat mit Chorizo und Tomaten. Fenchel, rohe Kohlrabi, Bete-Carpaccio mit Ziegenkäse und kandierten Walnüssen, Bowls mit Thunfisch und Edamame, Guacamole mit Tacochips, milden Käsesorten, New York Cheesecake, Bratapfel-Eis, Honigkuchen.

Unser Fazit: Eine der besten Alternativen zu Rosé-Schaumweinen: fruchtig, leichtfüßig, unkompliziert und dennoch vielschichtig. Und am Ende ein langer Nachhall mit edlen, nicht störenden Tee-Bitternoten.


Winninger Sektmanufaktur Kloss, Mosel

Der Winzer Christian Kloss von der Winninger Sektmanufaktur an der Mosel entwickelte für die Rewe-Tochter weinfreunde.de zwei Sparkling-Tea-Sorten. Mit einem Druck von etwa 2,5 Bar sind sie auf die moderate Spritzigkeit eines typischen Frizzante aufgeladen. Statt aus asiatischen Teesorten holt sich Kloss die wichtigen Tannine für herbe Weinalternativen aus regional wachsenden Blättern von Brombeersträuchern und Brennnesseln. Deshalb sind hier auch weder Schwarztee-Aromen noch anregendes Koffein zu finden.

Rosé Sparkling Tea

Der Rosé von Christian Kloss basiert neben den erwähnten Zutaten auf Birnensaft (Fruchtgehalt: 25 Prozent) und Aufgüssen von Ringelblumen, Lavendelblüten und Minze. Hagebutten- und Hibiskusblütentee sorgen für die Färbung und weitere diffizile Aromen. Mild-herbe Säurenoten kommen von einem mit Kräutertees angesetzten Kombucha. Wie die weiße Sorte ist auch der Rosé eher eine gesprudelte Fruchtschorle mit spannenden Pflanzenauszügen und 0,0 Volumenprozent Alkohol.

Zutaten: Birnensaft, Pflanzenblätter, Glykolipide, Vitamin C

Nährwert/100 g in kcal: 18

Zucker in g/100 g: 4

Preis in Euro: 10,95

Serviertemperatur: 4–8 °C

Verkostungsnotiz: In der Nase Hibiskus, Hagebutten, Kräutertee, wenig Frucht; wenig Kohlensäure; naturtrübes, leicht bräunliches Granatrot. Am Gaumen anfangs süße Birne dominant, dann dunkle Beeren, Minze, Säure und kräuterige Aromen, komplexer und leicht bitterer Abgang.

Passt zu: gegrilltem Fisch, Brathähnchen, Brotzeit mit kräftiger Wurst, Blauschimmelkäse, Hummerravioli, Lachs im Blätterteig, Rote Bete, Gemüsefrikadellen, schwarzem Tintenfisch-Risotto, Lauch-Quiche mit Speck, dunklen Schokoladendesserts.

Unser Fazit: Anfangs etwas süßer als sein weißer Bruder, dann aber komplexer und fordernder am Gaumen. Perfekt als Begleitung zu gezielten Gängen oder einer ausgedehnten Brotzeit, für ein komplettes Fine-Dining-Menü etwas zu bitter im Nachhall.


Von Wiesen, Bensheim

Das junge Unternehmen aus Bensheim an der südhessischen Bergstraße hat sich nach der Quelle seiner Hauptprodukte benannt: von Wiesen stammt das Streuobst, aus dem hochwertige Obstschaumweine – teilweise sogar mit der Champagner-Methode – gekeltert werden. Es lag also nahe, dass das Team aus Betriebsleiter Niko Brandner, der Kellermeisterin, der Kräuterspezialistin Amrei Pelzer und der Kellermeisterin der Partnerfirma Griesel, Rachele Crosara, auch gekräuterte Schaumtees auf Obstbasis entwickelt.

Von Wiesen Eisenkraut & Quitte

Bei ihren ersten beiden Sorten Eisenkraut & Quitte und Brombeerblatt & Apfel gehen sie nicht über den Umweg einer alkoholischen Gärung, um den Alkohol später mühsam entziehen zu müssen. Sie arbeiten mit Streuobst-Direktsäften (Fruchtgehalt: 30 Prozent) und mit Auszügen und Extrakten von Kräutern sowie Gemüse wie Knollensellerie. Aber auch mit biertypischen Zutaten wie Hopfen und Karamellmalz.

Zutaten: Eisenkrauttee, Quittendirektsaft, Knollenselleriesaft, Zitronensaft, Hopfen, Salz, Ascorbinsäure

Nährwert/100 g in kcal: 13

Zucker in g/100 ml: 2,4

Preis in Euro: 14,90

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas klar, hellgelb, mit dezenter Perlage. In der Nase florale Verbene (Eisenkraut), Quitte, Waldhonig, leicht kräuterig. Am Gaumen angenehm erfrischend und sehr trocken, feine Frucht, kaum Süße. Ausgesprochen komplexer Geschmack, hälftig Quitte und floral-herbe Verbene. Angenehme, leicht zitrige gute Säure. Im Abgang sorgen der milchsauer vergorene Sellerie und Hopfenextrakte für subtile Würze und Umami-Noten.

Passt zu: Saibling-Ceviche, Artischocken mit Vinaigrette, Wildschweinterrine, Herings-Rillettes, Galette mit Schinken und Ei, gegrillte Salatherzen, Kohlrabi-Carpaccio mit Walnüssen, Caesar-Salat, Pfifferlingrahmsuppe, Frittata mit grünem Spargel, Sellerie im Salzteig, Miso-Blumenkohl, geschmelzte Maultaschen, Forelle Müllerin, Hühnerfrikassee, Steckrübeneintopf, Kohlrouladen, Königsberger Klopse, Zürcher Geschnetzeltes, Arme Ritter, Kaiserschmarrn, gedeckter Apfelkuchen, Marillenknödel.

Unser Fazit: Der Von-Wiesen-Prickler zeigt, wie viel Potenzial in diesem Thema steckt. Durch den Verzicht auf Schwarz- oder Grüntee wird ein völlig neuartiges Geschmackserlebnis geschaffen, hochkomplex, würzig und ohne die in diesem Genre häufigen lang anhaltenden Bitternoten am Gaumen.

Von Wiesen Brombeerblatt & Apfel

Basis für diesen Prickler ist ein Kräuteraufguss aus heimischen Brombeerblättern und Streuwiesen-Apfelsaft. Dazu kommt das aus der Bierbrauerei bekannte Karamellmalz aus Gerste und ein Sud von Zitronen, die wochenlang in einem Rauchsalzsud mariniert wurden.

Zutaten: Apfeldirektsaft, Zitronensaft, Ingwersaft, Karamellmalz, Rauchsalzzitrone, Brombeerblätter

Nährwert/100 g in kcal: 13

Zucker in g/100 ml: 2,5

Preis in Euro: 14,90

Serviertemperatur: 6–10 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas klar, zartes Gelbgrün mit elegantem Mousseux. In der Nase duftet er nach gelbem Apfel, getrockneten Wiesenblüten und Zitronenschale. Am Gaumen frisch, feinperlig und angenehm trocken. Saftiger Apfel mit subtiler Fruchtsüße und komplexe Kräuternoten, dennoch ganz anders als trockener Cidre. Die mazerierten Brombeerblätter sorgen für Adstringenz und eine leichte, an die Tannine von Wein erinnernde Bitterkeit. Die Rauchsalzzitrone schimmert im langen, tiefgründigen Abgang mit.

Passt zu: leichter Fusion-Küche, Garnelen-Gyozas, Tempeh-Reis-Bowl, Rosenkohlsalat mit Granatapfel, Pulpo-Carpaccio, Blumenkohl-Couscous, Topinambur-Cremesuppe, Mac & Cheese, Miso-Spaghetti, Pappardelle mit Rinderfiletspitzen, Roastbeef mit Remoulade, Falscher Hase, Ente à l’orange, Putencurry, Schinken im Brotteig, Pfälzer Saumagen, Ratsherrenpfanne, Coq au Vin, Thunfisch-Tataki, Lachsforelle im Salzteig, Miesmuscheln im Apfelsud, Fish & Chips, Apfel-Crumble, Pancakes, Crème Caramel.

Unser Fazit: Noch nie machte Apfel im Glas so viel Spaß. Durch die flüssige, nicht allzu stoffliche Trinkbarkeit und die eher zurückhaltende Karbonisierung eignet sich dieser Sparkler auch gut, um zu mehreren Gängen getrunken zu werden.


Beverage Brothers, Südsteiermark

Für Österreichs Antwort auf den Kopenhagener Sparkling Tea schlossen sich Anfang 2024 in der Südsteiermark die Winzer Johannes Firmenich und die Brüder Bernhard und Stefan Schauer von den gleichnamigen Weingütern zusammen und entwickelten die Schaumgetränkreihe Tea Royal. Edel verpackt in einer schlanken Flasche mit einem Etikett, das wahrscheinlich nicht zufällig an das Design des Champagner-Klassikers Perrier-Jouët erinnert, sind die beiden Sorten No.7 Blooming Rosé und No.9 Blanc Herbal Garden die Leichtfüße unter den Prickeltees im Testfeld.

Auf den Flaschenrückseiten sind zwar die Nährwerte abgedruckt, nicht aber der wahre Alkoholgehalt. Zu den tatsächlichen Inhaltsstoffen und Zutaten muss man den Marketing-Sprech der Website entschlüsseln, weswegen wir in der Zutatenrubrik »keine Angaben« schreiben.

Tea Royal No.9 Blanc Herbal Garden

Immerhin ist zu erfahren, dass in der Nummer 9 »Grüner Tee« und »Griechischer Bergtee«, in der Nummer 7 ein nicht näher spezifizierter »Ceylon-Tee« sowie Hibiskusblüten die Basis bilden. Bei beiden Sorten sorgen Traubenkerne und -schalen für Tannine und Bitterstoffe, Lavendel und Lindenblüten für zusätzliche Facetten. Ob weitere Zutaten wie Traubensaft, Zitronensaft oder Konservierungsstoffe hinzukommen, erfährt der Kunde leider nicht.

Zutaten: keine Angaben

Nährwert/100 g in kcal: 13

Zucker in g/100 ml: 3,2

Preis in Euro: ab 17,90

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas goldgelb mit lebhafter Perlage. In der Nase zitrig mit starken grasigen Aromen von Tee und Heublumen, am Gaumen nur leicht adstringierend, zurückhaltender Teegeschmack, vermischt mit Noten vom grünen Apfel, Kräutern und einem Hauch von Zimt und Gewürznelken. Kaum Nachhall, kurzer Abgang.

Passt zu: einfachen Vorspeisen, Party-Fingerfood, Käsebrot, Frühlingsrollen, Tortilla, Toast Hawaii, Fritattensuppe, Tiroler Gröstl, Kaspressknödel, Backhendl, Wiener Schnitzel, Kaninchenkeulen, Putengeschnetzeltem, Rippchen mit Sauerkraut, Schollenröllchen, Fischfrikadellen, Apfelstrudel, Sachertorte, Vanillekipferl.

Unser Fazit: Der Leichtmatrose unter den getesteten Sparkling Teas mundet als gut gekühltes Partygetränk, das die Aufmerksamkeit nicht allzu sehr von den Gesprächen ablenkt. Es begleitet eine Vielzahl von einfachen Gerichten, ohne anzuecken, und kann wegen der eher sanften Perlage den ganzen Abend über getrunken werden.

Tea Royal No.7 Blooming Rosé

Der Rosé von Tea Royal kommt mit etwas mehr Raffinesse für Nase und Gaumen ins Sektglas. Wie sein herbaler Bruder ist auch er angenehm trocken, verzichtet auf jegliche aufgesetzte Süße und moussiert zumindest direkt nach dem Einschenken mit munteren Bläschen.

Zutaten: keine Angaben

Nährwert/100 g in kcal: 13

Zucker in g/100 ml: 3,2

Preis in Euro: ab 17,90

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas lachsrosa mit feiner, aber nicht nachhaltiger Perlage. In der Nase dominiert der Schwarztee, gepaart mit Noten von roten Beeren, Honig und Lindenblüten. Am Gaumen ist der Blooming unaufdringlich, mit vorherrschendem Geschmack von Cold-Brew-Lindenblütentee, einem Hauch Honig, nur ganz wenig Frucht und leichten Noten vom schwarzen Holunder

Passt zu: Partyhäppchen, Salzgebäck, Lachsröllchen, Waldorfsalat, Hühnerleberpastete, Garnelenspießchen, Forellenfilet, Fischterrine, Caesar-Salat mit Putenbrust, Königsberger Klopsen, Cordon bleu, Tafelspitzsülze, leichten Wok-Gerichten, Glasnudelsalat, Kalbsrouladen, Ziegenkäse im Speckmantel, Käsefondue, Esterházytorte, Mohnnudeln, Salzburger Nockerl, Palatschinken.

Unser Fazit: Auch der royale Rosé ist ein eher unauffälliges, aber angenehmes Erfrischungsgetränk mit wenig Kanten, Tanninen und Tiefgang. Damit ist er eine gute Option, wenn auf Empfängen, Partys oder Kellerbarfeten eine Alternative zum Prosecco gesucht wird.


Manuka Jun, Hamburg

Jun ist ein vorwiegend im arabischen Raum sehr beliebtes Erfrischungsgetränk aus fermentiertem Tee: milder als Kombucha und mit Grüntee und Honig statt Schwarztee und Rohrzucker hergestellt. So sind auch die beiden ersten Getränkekreationen des Gründerduos – die Hamburger Fermentationsexpertin Jennifer Färber und der Manuka-Honig-Imker Matthew Pettersson – in den Emiraten blitzschnell durchgestartet und stehen auf den Getränkekarten vieler Edelrestaurants. Manuka Jun wurde mit Unterstützung von Mikrobiologen, Landwirten, Universitäten und Innovationsexperten weiterentwickelt und gilt nun nicht nur unter Sommeliers als spannende Schaumweinalternative für die Topgastronomie.

Beide Sorten haben 0,0 Volumenprozent Alkohol, basieren auf mit Champagnerhefen langzeitfermentierten Teeaufgüssen, sind mit teurem Manuka-Honig der Güteklasse MGO 400+ aus Neuseeland veredelt und mit weißem Traubenmost abgerundet. Offenbar gärt das Gebräu auch noch unter dem Kronkorken nach. Die Flaschen sollen nicht nur gekühlt, sondern auch stehend gelagert werden. Beide Sorten werden auf der Website des Herstellers  verkauft.

Manuka Jun Blanc

Für die Blanc-Sorte kommen Cold-Brew-Auszüge von grünen und schwarzen Tees zum Einsatz.

Zutaten: Tee (Mix aus grünem und schwarzem Tee), Manuka-Honig MGO 400+, Hefe- und Bakterienkultur, weißer Traubenmost

Nährwert/100 g in kcal: 22

Zucker in g/100 ml: 5,5

Preis in Euro: 19,99

Serviertemperatur: 4–8 °C

Verkostungsnotiz: goldgelbe Farbe, zarte Perlage, ähnlich einem Frizzante. In der Nase dominiert stark der Edelhonig, dazu ein wenig Traube, kaum Teearomen. Am Gaumen zunächst erstaunlich wenig süß, von der Stilistik aber eher halbtrocken denn extra dry. Schöne, runde Honigaromen mit leichten Traubennoten, auch hier nur zarte Teearomen wie bei vielen typischen Jun-Getränken. Durch die deutlich schmeckbare, frische Säure ist der Manuka Jun Blanc auch als Begleiter für fette Speisen geeignet.

Passt zu: fetten, salzigen und würzigen Speisen aus der Levante, der Türkei und dem Nahen Osten, wie etwa typische Ottolenghi-Rezepte. Aber auch ein wackerer Begleiter von pikanten bis sehr scharfen asiatischen Gerichten.

Unser Fazit: Eine edel schmeckende, nicht zu süße Schaumweinalternative, die zwar nur kurz am Gaumen nachhallt, sich aber geschmeidig allerlei beherzt gewürzten oder scharfen Gerichten anpasst.

Manuka Jun Rosé

Farblich und aromatisch von Hibiskus- und Rosenblüten geprägt, ist dieser Jun eine leichtfüßige Alternative zu Rosé-Schaumweinen. Zunächst etwas süßer als der Blanc, dann aber doch ein wenig komplexer.

Zutaten: Tee (Mix aus Hibiskus- und Rosenblüten), Manuka-Honig MGO 400+, Hefe- und Bakterienkultur, weißer Traubenmost

Nährwert/100 g in kcal: 22

Zucker in g/100 ml: 5,5

Preis in Euro: 19,99

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas heller Cranberry-Farbton mit feiner Perlage. In der Nase dominiert der Honig, dazu Blütennoten von Rose und Hibiskus. Am Gaumen klar und nicht stoffig. Angenehmer, aber insgesamt etwas facettenarmer Gesamteindruck. Der Honig schmeckt nicht vor und wird mit Traubensaft, Granatapfelaromen und einem Hauch Weinessig und Rosenwasser abgerundet. Angenehme Balance aus Süße und straffer Säure im kurzen Abgang.

Passt zu: leichtem, sommerlichem Fingerfood am Pool, rohem oder Graved Lachs, Sommersalaten, hellem Meeresfisch, Vorspeisen mit Basilikum oder Koriander, Glasnudelsalat, Caprese mit Bufala, Bete-Carpaccio, Puntarella, Rotkohlsalat mit Cranberries, Puntarelle, Wildspargel, aber auch zu fetten Speisen wie Foie gras, geflämmter Makrele, Entenconfit und Guacamole.

Unser Fazit: Der Rosé hat das Zeug zu einem echten Lifestyle-Liebling: spritzig, aber nicht zu blubberig, leichter, edler Geschmack, dank 0,0 Volumenprozent Alkohol ohne Nachhall oder Reue.


Sparkling Essence, Cascais (Portugal): Kombu Viva

Dieser Sparkler aus Portugal läuft in unserem Test ein wenig außer Konkurrenz: Basis sind zwar auch hier grüner Tee und Kohlensäure, es handelt sich aber eher um einen Sparkling Kombucha, weil der Tee zunächst mit einem Scoby-Pilz fermentiert wird. Dabei laufen alkoholische Gärung, Milchsäuregärung und eine Essigsäuregärung parallel. Es entsteht aber neben der Gärungskohlensäure auch ein wenig Alkohol. Trotz der 0,5 Volumenprozent Alkohol darf das Getränk als alkoholfrei vermarktet werden.

Kombu Viva entstand 2021 aus einer Zusammenarbeit der Niepoort-Weinpäpste mit der Kombucha-Brauerei Homelab und Cha Camelia, dem ersten Lemongras-Züchter Portugals. Basis der Fermentierung sind edler japanischer Sencha-Grüntee und in Portugal angebautes erva-príncipe (Zitronengras).

Zutaten: Rohrzucker, japanischer grüner Tee, portugiesisches Zitronengras (alles bio), lebende Kombucha-Kulturen

Nährwert/100 g in kcal: 7,4

Zucker in g/100 ml: 1,1

Preis in Euro: 19,50

Serviertemperatur: 8–12 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas klar, farblos, mittlere Perlage. Schock beim Riechen: Ist das Urinsteinentferner? Nein, konzentriertes Zitronengras wie eine frische Meeresbrise. Viel Druck auf dem Gaumen, salzig, sehr trocken, keinerlei Süße. Etwas grüner Tee, Zitronengras, Pampelmuse, leicht bitter im noch immer stark ätherischen, nachhaltenden Säureschwänzchen.

Passt zu: Austern, Chili con oder sin carne, Burritos, Fischeintopf, Couscous, Lamm mit Minzsoße, Thai-Curry, Tandoori Chicken, Döner und Kebap, Falafel, BBQ-Gemüse, Hummus, Chana Dal, Desserts mit heller Schokolade.

Unser Fazit: Wer das strenge Aroma von Kombucha liebt, hat mit dem Kombu Viva seinen perfekten alkoholarmen Schaumweinersatz gefunden. Alle anderen sollten sich auf der Suche nach dem echten Extra-Dry-Genuss nur langsam an diesen extremen Prickler herantasten.


Pfefferlechner, Südtirol: Freedl

Maria Laimer aus dem Südtiroler Ort Lana gehört in Europa zu den Pionieren alkoholfreier Getränke. Zusammen mit der Technischen Universität Berlin entwickelte sie ein Brauverfahren, bei dem von Anfang an kein Alkohol gebildet wird, den man später wieder entziehen müsste. Ihre Freedl-Biersorten sind weit über die Grenzen Tirols bekannt.

Mit dem Freedl Sparkling Tea, in Italien als Infuso di Tè frizzante verkauft, mischt das Unternehmen Pfefferlechner nun auch in diesem Segment mit und vermarktet das Getränk zunächst über den Onlinehandel. Die genaue Rezeptur ist geheim, aber die markante Rauchnote lässt auf die Verwendung von Lapsang-Souchong-Tee schließen, der in Ceylon über Zimtholz mild geräuchert wird. Laimers Motto passt jedenfalls hervorragend in die Zeit: »Trinken, als gäbe es ein Morgen.« Der Sparkling Tea wird auf der Website des Herstellers  verkauft.

Zutaten: Zitronenverbene-Tee, schwarzer Ceylon-Tee, Quittensaft, Apfelsaft

Nährwert/100 g in kcal: 7

Zucker in g/100ml: 1,75

Preis in Euro: 15,70

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: In der Nase fruchtig-süßlich, mit dominanter Quitte, Honig und zitriger Verbene. Verhaltene Schwarzteenoten, leicht rauchig. Am Gaumen frisch und adstringierend, zunächst mit straffer Säure, gefolgt von Fruchtnoten mit mehr Quitte als Apfel. Langer Nachhall mit starken Schwarzteearomen und bitteren Rauchnoten. Nicht zu lange im Glas stehen lassen, dann schmeckt er eher wie leicht gesüßter Eistee.

Passt zu: Aperitif zu Nüssen und salzigen Knabbereien, Pancakes und herzhaften Eierspeisen, BBQ mit süß-scharfen Soßen, Räucheraal, Fleisch und Bratwurst mit starkem Röstaroma, geschmorter Spitzkohl, vegane Burger, Rhabarberkuchen, Zitroneneis, Milchreis.

Unser Fazit: Der Sparkling Tea aus Südtirol will kein Mainstream-Getränk sein und emanzipiert sich mit deutlich rauchigen Noten von seinen Mitbewerbern. Dadurch aber nur als Begleitung für gezielt ausgesuchte Gerichte geeignet, nicht für ganze Menüs.


Far & Son, Odense (Dänemark): Gentle Thai

Nahezu zeitgleich mit den Kollegen in Kopenhagen entwickelten dänische Bierbrauer im Jahr 2018 in Odense eine Schaumweinalternative. Allerdings nicht auf der Basis von grünem oder schwarzem Tee. Stattdessen fermentierten sie Bio-Thaibasilikum so lange, bis es zusammen mit Ingwer-Direktsaft als herbe, komplexe Grundlage für ein neuartiges Erfrischungsgetränk mit 0,5 Volumenprozent Alkohol dienen konnte. Abgerundet wird der Sparkler mit Traubensaft und Rohrzucker, daher kommt der vergleichsweise hohe Energiewert. Alle Zutaten sind biozertifiziert.

Zutaten: Zucker (Bio), Traubensaft (Bio), Thaibasilikum (Bio), Ingwersaft (Bio), Zitronensäure (E330)

Nährwert/100 g in kcal: 30

Zucker in g/100 ml: 6,2

Preis in Euro: 15

Serviertemperatur: 10–14 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas leicht trübe und grünlich, nur verhalten moussierend. In der Nase massiv frischer, ätherischer Ingwer, Zitronenschale und zarte Basilikumnoten. Am Gaumen erst eher süß, dann sehr frisch mit neckischer Ingwerschärfe, leichte Anisnoten vom Thaibasilikum, fruchtige Säure und langer Nachhall mit Birnen- und Grapefruit-Bitteraromen.

Passt zu: pikantem Papaya-Salat, Jakobsmuscheln, Sushi, gebratenem hellen Fleisch, frittierten asiatischen Vorspeisen, Tomatensoßen, Tom Kha Gai, scharfem Thai-Curry, Blattsalaten mit Trockentomaten, Sommerrollen, Reisnudeln mit Erdnusssoße.

Unser Fazit: Ein völlig anderer Proxy-Ansatz für alle, die Ingwer lieber mögen als kalten Tee und einen spritzigen Begleiter zu pikantem Asia-Food suchen.


Obstkelterei van Nahmen, Hamminkeln

Peter van Nahmen übernahm 2005 die seit mehr als 100 Jahren von seiner Familie geführte Obstkelterei am Niederrhein und machte die Marke zu einem der bundesweit angesehensten Produzenten für hochpreisige Obstsäfte, die auch in vielen Fine-Dining-Restaurants und bei Staatsempfängen ausgeschenkt werden. Die meisten seiner Produkte sind biozertifiziert, viele stammen von seltenen und teilweise fast schon ausgestorbenen Obstsorten.

Kein Wunder also, dass die sprudelnden Bio-Proxies, bei van Nahmen Sparkling Juicy Teas genannt, von Sommeliers ernst genommene Schaumweinalternativen sind. Zumal die drei aktuell angebotenen Sorten mit einem Verkaufspreis von unter neun Euro die günstigsten Vertreter dieses Genres bilden. Vegan und mit 0,0 Volumenprozent Alkohol.

Verbene – Jasmin – Riesling

Der grüne Bio-Jasmintee wird im Cold-Brew-Verfahren schonend und aromabewahrend mazeriert und liefert das Tannin-Grundgerüst für die Komposition mit Direktsaft aus Rieslingtrauben und Aufgüssen von heimischer Pfefferminze und Verbene (Eisenkraut).

Zutaten: Grüner Jasmintee (Bio), Riesling-Traubensaft, Verbene-Tee (bio), Pfefferminztee (bio)

Nährwert/100 g in kcal: 29

Zucker in g/100 ml: 7

Preis in Euro: 8,95

Serviertemperatur: 6–8 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas feinschäumend und goldglänzend. In der Nase herbstliche Aromen von reifem Obst wie Boskop und Weinbergpfirsich, dazu Blüten, Verbene, Honig und ein Hauch von Fenchel. Am Gaumen erfrischende Perlage und seidige Textur, ein echter Schmeichler mit wenig Säure, aber auch nicht zu süß. Saftig und süffig – ein Maul voll Genuss, mit kurzem, leicht mineralischem Abgang.

Passt zu: Snacks und Appetizern, Ente und Gans, Huhn und Pute, Kalb, Süßwasserfisch, leichten vegetarischen Gerichten, Bowls mit Lachs und Avocado, Wok-Gerichten, hellen Currys, Dürüm-Döner, Baba Ganoush, Tajines mit Zimt, Nelken und Bockshornklee-Samen.

Unser Fazit: Der zugänglichste und unaufdringlichste unter den drei Van-Nahmen-Sparklern. Ein perfekter Einstieg in das Proxy-Thema.

Weißer Tee – Tahiti Vanille – Quitte

Grundlage ist hier der geschmacklich an vollreife Aprikosen erinnernde chinesische weiße Tee Pai Mu Tan, der hier als Cold Brew angesetzt wird. Dazu passen der herbsüße Quittensaft und die für überraschende Aromentupfer sorgende Tahiti-Vanille hervorragend.

Zutaten: Weißer Tee (bio), Quittensaft (bio), Tahiti-Vanille (bio)

Nährwert/100 g in kcal: 20

Zucker in g/100ml: 4

Preis in Euro: 8,95

Serviertemperatur: 8–10 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas goldgelb mit feiner Perlage. In der Nase komplex und würzig, mit dominierender Quitte, Apfel und hellen Teenoten, ergänzt von deutlichen Vanillearomen. Am Gaumen frisch, spritzig und mineralisch, durch Tee und Quitte leicht adstringierend, dazu zarte Vanille- und Bitternoten. Kurzer Nachhall.

Passt zu: Meerwasserfisch wie Wolfsbarsch im Salzmantel oder Dorade vom Grill, Huhn und Pute, französischer und mediterraner Küche, Appetizer, kräftigem Käse, Kalbskoteletts mit Kräuterkruste, Hähnchen Provencale, Rehrücken, Pilzrisotto.

Unser Fazit: Fruchtig, harmonisch, herb und spritzig: Wer sich an den deutlichen Vanillenoten nicht stört, findet hier die perfekte Schaumweinalternative für vergleichsweise kleines Geld.

Rosé – Darjeeling – Rhabarber

Die Farbe und den komplexen, herb-süßen Geschmack erhält dieser Proxy hauptsächlich von den säurebetonten Direktsäften der rotstieligen Rhabarbersorten The Sutton und Frambozen aus heimischem Anbau sowie ein paar Tropfen Rosenwasser. Die benutzte Darjeeling-Teemischung, ebenfalls Cold Brew, steuert Tiefe und Adstringenz bei.

Zutaten: Darjeeling-Mischung (Bio), Rhabarbersaft, Agavendicksaft (Bio), Rosenwasser

Nährwert/100 g in kcal: 24

Zucker in g/100 ml: 6

Preis in Euro: 8,95

Serviertemperatur: 8–10 °C

Verkostungsnotiz: Im Glas leuchtendes Lachsrot mit frischer Perlage. In der Nase zunächst etwas herb, dann floral und fruchtig mit Noten von Wildblumen, Rosen, Rhabarber und Schwarztee. Am Gaumen erfrischend, angenehm trocken, dabei fruchtig und leicht adstringierend. Längerer Nachhall als die anderen Van-Nahmen-Sorten, mit zartbitterem Biss am Ende.

Passt zu: Appetizern und Fingerfood, französischer und mediterraner Küche, Krabbencocktail, Oktopus-Carpaccio, weniger kräftigen Fisch- und Geflügelgerichten, Krustentieren und Meeresfrüchten, Meerwasserfisch, Süßwasserfisch.

Unser Fazit: Der Rosé ist charakterstark, feinsäuerlich, trocken und so markant, dass er eher gezielt zu einzelnen Speisen oder Gängen gereicht werden sollte. Er eignet sich aber auch hervorragend als kontaktfreudiger Begrüßungsdrink im Sektglas oder zum Weitertrinken nach dem Essen.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

Mehr lesen über

Verwandte Artikel