Dampfgarer im Test Mehr heiße Luft wagen
Dampfgarer: Etwas langsamer als andere Methoden, aber aromaschonend
Foto: jsteck / E+ / Getty ImagesDieser Testbericht erschien erstmals am 20. Februar 2022. Wir haben ein neues Produkt getestet und den Artikel aktualisiert.
In Zeiten, in denen selbst Männerrunden häufiger über die Vorzüge eines starken Immunsystems diskutieren als über die Frage, wer bei Bayern München die Tore schießt, rücken die ernährungsphysiologischen Vorteile des Dampfgarens wieder in den Mittelpunkt der Küche. Die wiederum ist bei vielen Hobbykochenden sehr klein, manchmal vielleicht nicht einmal vorhanden. Höchste Zeit also, unsere Tipps für Dampfgeräte mit Modellen für kleine Haushalte zu ergänzen. Denn auch im Büro, dem Wohnmobil oder der Studentenbude will man ab und zu Dampf ablassen.
Die hier empfohlenen Produkte wurden subjektiv, aber redaktionell unabhängig ausgewählt. Über die sogenannten Affiliate-Links im Text erhält der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler.
Ninja SFP700EU Combi 12-in-1 Multikocher
Der amerikanische Küchengerätehersteller Ninja ist für seine hochwertigen Airfryer bekannt, hat aber auch viele andere Geräte im Programm. Bei dem kompakten SPF700-Multikocher (40 × 38 × 31 Zentimeter, 10,5 Kilogramm) ist das Dampfgaren zwar nur eine von einem Dutzend Garmethoden. Er ermöglicht aber, schnell, übersichtlich und vor allem ohne Fummelei mit Festwasseranschluss oder Wassertank empfindliche Speisen nährstofferhaltend zu steamen.
Das Gerät funktioniert in diesem Modus wie ein Wasserkochtopf mit eingelegtem Siebeinsatz, die rudimentärste Technologie beim Dampfgaren. Das Wasser wird in die rechteckige Ofenform unter ein herausnehmbares Lochblech gefüllt, im Gerät rasch von unten erhitzt und so zum Verdampfen gebracht. Der kompakte Garraum füllt sich binnen zwei bis drei Minuten mit dichtem, gleichmäßig verwirbeltem Wasserdampf und gart die Lebensmittel durch den auch beim Airfryen zum Einsatz kommenden starken internen Lüfter von allen Seiten.
Das Gerät erhitzt sich dabei an der Oberfläche kaum. Da so gut wie keine Heizenergie nach außen verloren geht, sind die Speisen auch viel schneller dampfgegart als beim Sieb-Topf-Aufbau oder bei Stapelsystemen anderer Dampfgarer. Wir haben die Steam-Funktion des Ninja mit Blumenkohl, Hühnerschenkeln, Butternutkürbis, Lachsfilets und Kartoffeln getestet. In allen Disziplinen zeigte sich ein perfektes Garergebnis.
So richtig spannend wird das Arbeiten mit dem Ninja dadurch, dass man das Dämpfen mit heißeren und trockeneren Garmethoden wie Airfryen oder Grillen verbinden kann. Die Kombiprogramme erlauben zum Beispiel, Kartoffeln oder Kürbis in der Hasselback-Variante, mit vielen blättrigen Einschnitten, gleichzeitig zu steamen und zu gratinieren. Eine Verbindung, die etwa auch für hervorragendes selbstgebackenes Brot sorgt: innen luftig und saftig, außen mit einer perfekt krossen Kruste. Sogar für die verschiedenen Geh-Phasen eines Hefe- oder Sauerteigs gibt es ein eigenes Programm mit Temperaturen zwischen 20 und 35 Grad Celsius, einstellbar in Fünf-Grad-Schritten. Nebenbei macht das den Ninja auch zu einem kompakten Geschirrvorwärmer.
Privat
Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Foodjournalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt. Er veröffentlicht Ernährungssachbücher, Kochbücher und Genuss-Reiseführer. Aktuell hat er sein 2008 gestartetes Männer-Kochmagazin »Kochmonster « relauncht.
Systembedingt heizt sich so ein kleines Öfchen in Windeseile auf. Das spart bei häufiger Nutzung Strom. So haben wir zum Beispiel in weniger als 30 Minuten Hühnerkeulen, Pommes und Käse-Nuggets für ein typisches Kinder-Fast-Food-Essen perfekt nebeneinander auf dem Airfryer-Lochblech gegart.
Für solche Zwecke gibt es spezielle sogenannte Combi-Meals-Programme. Es geht aber auch manuell: Hierfür einfach mit dem Fleisch beginnen, nach etwa 15 Minuten die TK-Pommes zugeben und für die letzten sieben bis acht Minuten die Nuggets. Beim Nachlegen lassen sich die bereits vorgegarten Komponenten bequem drehen und bewegen. Der Garfortschritt lässt sich durch das Frontfenster gut einschätzen, weil das Glas nicht gefärbt ist. Natürlich sind auch beim Ninja die Heißluft-Pommes einen Tick weniger perfekt als aus der Ölfritteuse. Aber sowohl TK-Ware als auch selbst geschnitzte Sticks gelingen wesentlich besser als auf dem Blech eines herkömmlichen Küchenbackofens.
Pommes, Hühnerkeulen und Käse-Nuggets: Der Ninja kann auch Fast-Food
Foto: Peter Wagner / DER SPIEGELBei der Zubereitung von Geflügel kann ebenfalls eine zweistufige Strategie von Vorteil sein. Wir haben mit dem sogenannten Combi-Crisp-Programm die Hühnerkeulen in einer Mischung aus Dampf und Heißluft gesteamt, bis sie mit knapp 80 Grad Celsius Kerntemperatur vollsaftig und nahezu durchgegart waren. Anschließend wurden sie nur noch kurz mit der Grillfunktion aufgekrosst. Auf dem Teller hatten sie eine knusprige Haut sowie extrem saftiges Fleisch. Ebenfalls perfekt aus dem Öfchen kam der Hasselback-Kürbis und vor allem der im Ganzen zubereitete Blumenkohl, dessen Miso-Harrissa-Mandelcreme-Glasur herzhafte Röstnoten entwickelte.
Für nach Anleitung Kochende sind die knapp gehaltene Bedienungsanleitung und das beigelegte Rezeptheftchen nur bedingt hilfreich. Zum Glück findet man aufgrund der weltweiten Verbreitung dieses Multicookers für jede der zwölf Beheizungsarten viele Kochrezepte im Netz. Doch jeder, der einigermaßen frei nach Schnauze und meist nicht mehr als zwei bis vier Portionen kocht, findet mit dem Ninja einen richtig brauchbaren und unkomplizierten Dampfgarer, der als eierlegendes Wollmilchferkel auch in ambitionierten Hobbyküchen einen perfekten Zweitofen abgibt. Dank Steam-Cleaning reinigt sich das Gerät sogar fast von selbst.
Was ist das? Ein kompakter, hocheffizienter, relativ preiswerter und unkompliziert zu bedienender Multifunktionskocher mit Steam- und Airfryer-Option.
Wer braucht das? Alle, die häufig kleinere Portionen dampfgaren möchten, ohne sich zum Airfryen, Gratinieren, Reis kochen, Brot backen, Grillen oder Niedriggaren weitere Geräte anschaffen zu wollen.
Was kostet das? UVP 279,99; Straßenpreis ca. 200 Euro
Miji Cookingbox One
Dämpfen ist eine Methode, um Gemüse wie Romanesco, Blumenkohl, Pak Choi, Brokkoli, aber auch Spargel, Paprikaschoten und Artischocke aromaschonend zuzubereiten. Kartoffeln behalten im Dampf ihre Stärke – perfekt für Püree. Empfindliche Fische (Forelle, Saibling, Lachs) werden im Dampf saftig, und – man kennt das von Tankstellen-Imbissen – Wiener Würstchen platzen beim Warmhalten nicht auf. Diese Vorzüge des Dampfgarens kombinieren diverse Hersteller seit einiger Zeit mit der Idee der Bento-Box für das aushäusige Mittagessen: sie bauen in die Brotzeitschachteln ein Heizelement ein.
Solche elektrischen Lunch-Boxen taugen allerdings eher zum Aufwärmen des daheim vorgekochten Mittagessens als zum Dampfgaren von Lebensmitteln und werfen in den niedrigen Preisklassen häufig mehr Probleme auf, als sie lösen. So sind die Dichtungen oft fehlerhaft und die Mittagssuppe läuft schon in der U-Bahn aus. Oder man wartet statt der in den Betriebsanleitungen versprochenen 30 Minuten bis zu eineinhalb Stunden auf wirklich durcherhitztes Essen. Das Versprechen, rohe Zutaten wie Kartoffeln oder Möhren im Dampf zu garen, wird fast nie eingehalten.
Ausnahme: die schick designte und technisch fehlerfrei arbeitende Miji Cookingbox One. Das »One« ist ernst zu nehmen, denn dieser Mini-Dampfer macht tatsächlich höchstens eine Person satt. Wie etwa meinen Freund Thorsten, der der Pandemie in seinem Wohnmobil mit 220-Volt-Generator davonfahren will. Bislang mit Erfolg, was vielleicht auch an dem gesunden Essen liegen mag, das er sich fast täglich mit der von mir ausgeliehenen Miji gekocht hat.
Für andere Am-Lenkrad-Esser wie LKW-Fahrerinnen und -Fahrer oder Handlungsreisende ohne 220-V-System in der Karre taugt die Miji nichts, denn sie hat keinen Anschluss für den Zigarettenanzünder. Dafür aber die Power, in 15 bis 20 Minuten wirklich heißen Dampf zu machen, ohne dabei nach Billigplastik zu riechen wie so manch andere Elektrobox. Die Suppe läuft nicht aus, und das Mittagessen bleibt im Gegensatz zur Mikrowelle schön saftig. Zudem ist die Box klein genug für Kleinst-Küchen wie im Camper, Büro, Internat, auf der Baustelle oder im Studentenwohnheim.
Und wer Frühschicht schieben muss, kann damit sogar seine Frühstückseier kochen.
Was ist das? Eine kleine, sehr effiziente Box zum Aufwärmen und Dampfgaren kleiner Speisemengen.
Wer braucht das? Jeder, der sich mal eben was warm machen oder Dampfgaren will und keine Lust auf Mikrowelle hat.
Was kostet das? Ab ca. 40 Euro, die Miji liegt bei etwa 70 Euro.
WMF KitchenMinis Dampfgarer
Lange Zeit galt Dampf bei Wissenschaftlern und Köchen als eine der schnellsten Wärmeübertragungsmedien. In Wahrheit ist Dämpfen dennoch langsamer als das Kochen in Wasser. Das liegt zum einen an dem Phänomen der Verdunstungskälte: Das Verdunsten von Wassertropfen auf der Oberfläche der Speisen lässt diese leicht abkühlen. Zweitens ziehen sich die Tropfen zu einem Kondensatfilm zusammen, unter dem sich eine dünne Luftschicht bildet, die die Kochtemperatur effizienter abschirmt als Isolierschaum. Sogar bei großen Dampfbacköfen und Profi-Konvektomaten bemerkt man den dadurch entstehenden Zeitunterschied beim Kochen.
Richtig schmerzhaft kann das erst recht bei kompakten, mehrlagigen Dampfsystemen für die Single- und Pärchenküche werden. Mal eben ein Pfund Karotten dampfgaren – das erfordert beim Einsatz der beliebten Dreier-Stapel-Geräte Geduld und eine angepasste Zeitplanung in der Küche.
Der nur auf zwei Ebenen, aber immerhin mit jeweils 2,5 Litern Fassungsvermögen kochende Edelstahl-Dampfgarer aus der »KitchenMinis«-Serie von WMF gart immerhin fast so schnell wie so manches Einbaugerät. Allerdings kamen mir die im beigelegten Rezeptbüchlein angegebenen Zeiten gleich recht sportlich vor – das ist mit der im Vergleich zu vielen Plastik-Staplern hübsch anzusehenden Mattstahl-Kiste nicht zu schaffen. Zehn Minuten mehr als angegeben sollte man immer einberechnen. Wenn Gemüse oder Kartoffeln weich werden sollen, sogar 15. Wie bei allen Dampfgar-Methoden ist es wichtig, das Gargut in etwa gleiche große Stücke zu zerteilen, also zum Beispiel bei Kartoffeln die großen Exemplare zu halbieren.
Ansonsten angenehm bei diesem Küchenzwerg: Das Wasser für die Dampferzeugung lässt sich bei längeren Kochprojekten bequem von der Seite nachfüllen, ohne die Garschalen abheben zu müssen. Diese sind aus Metall, was die Lebensdauer deutlich erhöht, wenn man sie regelmäßig im Geschirrspüler reinigt. Außerdem lassen sich die Garzeiten beider Schalen (etwa unten Fisch, oben Gemüse) getrennt einstellen – den Zutaten, die schneller fertig sind, wird entsprechend später Dampf gemacht. Zusätzlich gibt es eine spezielle Innenschale zum Einhängen für Suppen, Reis oder Nudeln.
Und sogar – um hier auch mal eine echte Minderheit anzusprechen – meine Hefeklöße wurden fluffig wie nie.
Was ist das? Ein schicker und vergleichsweise solider Dampfer für die Pärchenküche.
Wer braucht das? Jeder, der auf mindestens zwei Ebenen dämpfen will, aber keine Lust hat, sich ein hässliches Plastikteil in die Küche zu stellen.
Was kostet das? 110 Euro.
Tefal VS4003 Dampfgarer VitaCuisine Compact
Schön, dass man mit ein bisschen gutem Willen auch der Einäugige im Reich der blinden Dampfgarer werden kann. Das ist kein an den Haaren herbeigezogenes Späßchen, sondern trister Dämpf-Alltag fast aller Stapelsysteme, bei denen die Garschalen aus (anfangs) durchsichtigem Plastikmaterial gefertigt sind. Vor der Material-Erblindung ist langfristig auch der Tefal VitaCuisine nicht gefeit, wie ich bei Freunden sehen konnte, die das Gerät seit etwa zwei Jahren mehrmals die Woche einsetzen. Deren Trick: wenn die Garbehälter nicht wirklich schmutzig sind, einfach mit etwas Spülmittel per Hand abwaschen. Bei dem No-Name-Hochstapler, den ich vor langer Zeit mal geschenkt bekam, war das Plexi jedenfalls schon nach gerade mal zehn Maschinenspülgängen milchig, kurz darauf bröckelte es sogar. Soviel zum Thema »spülmaschinentauglich«.
Praktisch beim Tefal sind die mitgelieferten geschlossenen Garschalen für alles, was mit und in Sauce gart. Die legt man unten in den Behälter und zieht sie ohne Brandblasen an den Fingern an einem Griff wieder heraus. Allerdings passt nur ein knapper Liter an Zutaten hinein. Ohne Schalen fassen die drei Behälter 10,6 Liter. Das ist natürlich ein theoretischer Wert, denn wie bei all diesen Geräten ist das Stapeln schon mit halber Beladung ein Balanceakt. Das kann der Tefal nur bedingt besser, und auch bei ihm sammelt sich unten im Behälter systembedingt Kondenswasser, das man nicht selten mitsamt den Speisen auf die Teller schüttet. Nett vom VitaCuisine: der Einsatz mit vier Glasbehältern für Desserts wie Crème brûlée oder ein Ei im Glas zum Frühstück. Außerdem lässt sich der Kochturm zum Verstauen auf recht handliche 26 Zentimeter zusammenstecken.
Da wird er fast schon zum Tiefstapler.
Was ist das? Ein typischer, leicht hakeliger Dampfturm für die ganze (Klein-)Familie.
Wer braucht das? Jeder, der häufig für zwei bis vier Esser Dampfgaren will, aber kein Großgerät in die Küchenzeile einbauen will (oder darf).
Was kostet das? Dreistöckige Hochstapler gibt es ab 35 Euro, der VitaCuisine liegt bei ca. 100 Euro.