Digitale Küchenwaagen im Test: Was Modelle von WMF, Soehnle, Zwilling und anderen Marken können - DER SPIEGEL
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Digitale Küchenwaagen im Test Ausgewogen

Ohne eine gute Waage klappt in der Küche nichts so richtig. Aber wie genau messen gängige Digitalwaagen eigentlich? Wir haben fünf Geräte getestet.
Digitale Küchenwaagen: Kulinarische Katastrophen vermeiden
Digitale Küchenwaagen: Kulinarische Katastrophen vermeiden

Digitale Küchenwaagen: Kulinarische Katastrophen vermeiden

Foto: Manuel Sulzer / picture alliance / Westend61

Dieser Testbericht erschien erstmals am 5. Juli 2020. Wir haben drei neue Produkte getestet und den Artikel aktualisiert.

Wer das mag und es sich zutraut, kann sich beim Kochen und Backen natürlich auf sein Bauchgefühl verlassen. Eine Tasse hiervon, eine Handvoll davon, eine Prise von jenem, wird schon passen. Fernsehkoch Jamie Oliver macht es schließlich vor, wenn er im Fernsehen schnell mal eben ein leckeres Curry aus einem Dutzend Zutaten zusammenwirft. Aber was beim Profi perfekt funktioniert, kann für den Hobbykoch oder die Gelegenheitsköchin eine große Herausforderung sein.

Spätestens wenn man Rezepte aus Kochbüchern oder dem Internet nachkochen will, kommt es darauf an, die dort vorgegebenen Mengen möglichst genau einzuhalten. Sonst droht die eigentlich leckere Pizza zum warmen Wabbelbrot zu werden.

Digitale Küchenwaagen können helfen, solche kulinarischen Katastrophen zu verhindern, indem sie Mengen nicht abschätzen, sondern aufs Gramm genau anzeigen. Reichtümer muss man dafür nicht investieren. Das günstigste Modell im Test kostet nur knapp mehr als zehn Euro.

Fazit

Wenn es auf ein oder zwei Gramm Abweichung nicht ankommt, wiegen alle getesteten Waagen genau genug. Wer auch mal einen Handgepäckkoffer wiegen möchte oder besonders schwere Kost zubereitet, sollte sich das Soehnle-Modell anschauen, das bis zu 15 Kilogramm trägt. Immerhin zehn Kilogramm verträgt die Zwilling-Waage. Nervt es, Batterien zu wechseln? Die Waagen von Zwilling und Zassenhaus bieten alternative Stromversorgung. Wer eine relativ günstige, kleine Waage sucht, für den sind eventuell die Modelle von Adoric oder Beurer passend.

Diese digitalen Küchenwaagen haben wir getestet:

  • Adoric Digitalwaage

  • Beurer Küchenwaage KS 22

  • Soehnle Page Profi Digitalwaage

  • WMF Digitale Küchenwaage

  • Zassenhaus Digitale Küchenwaage Eco Energy

  • Zwilling Enfinigy Digitale Küchenwaage

So haben wir getestet

Messgenauigkeit: Das wichtigste Kriterium bei einer Waage ist natürlich, wie genau sie Massen misst. Wir haben das mit verschiedenen Vergleichsgewichten geprüft. In erster Linie kamen dabei Euro- und Cent-Münzen zum Einsatz, deren Gewichte klar definiert sind. Eine 1-Cent-Münze beispielsweise wiegt 2,3 Gramm, sollte also von den Waagen mit 2 Gramm angezeigt werden. Wir prüften aber auch Kleingeld-Kombinationen und ein paar Gadgets mit klar definierten Gewichtsangaben.

Maßeinheiten: Hier gilt: je mehr, desto besser. Kann eine Waage ihre Messergebnisse auch in anderen Einheiten als Kilo und Gramm darstellen, wird es leichter, ausländische Kochrezepte umzusetzen.

Fotostrecke

So haben wir die Messgenauigkeit geprüft

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Batterien: Da gilt es abzuwägen: Knopfzellen brauchen wenig Platz, sind dafür relativ teuer, AAA-Batterien sind leicht zu bekommen, dafür aber auch weit größer. Waagen mit Alternativen zur Batterie sind häufig teurer.

Verarbeitung: Eine Küche sollte immer sauber sein, doch beim Kochen und Backen spritzt und krümelt es trotzdem unweigerlich. Eine Küchenwaage sollte deshalb aus hochwertigen Materialien bestehen und sauber verarbeitet sein, damit kein Schmutz eindringen kann.

Zusatzfunktionen und Extras: Manch Hobbykoch wird sich freuen, wenn seine Waage nicht nur wiegen, sondern beispielsweise auch Nüsse zählen kann oder ihr Messergebnis auch noch anzeigt, nachdem man das Wiegegut heruntergenommen hat.


ADORIC Digitalwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Mit ihrer Wiegeplatte aus – sehr dünnem – gebürstetem Stahl macht die Adoric-Waage optisch einen guten, robusten Eindruck. Wenn beim Wiegen mal ein wenig Soße danebengeht und auf der Metallplatte landet, lässt sich das leicht wegwischen. Die aus Plastik geformte Unterseite mit dem großen Batteriefach zeigt dagegen deutlich, wie der günstige Preis zustande kommt.

Der Wiegebereich reicht von einem Gramm bis fünf Kilogramm. Bei unseren Testmessungen lieferte dieses Modell immer sehr exakte Ergebnisse. Dabei lassen sich problemlos auch kleine Mengen zu großen hinzufügen, ohne das Messwerk zu verwirren. Die beiden Tasten klackern leider sehr laut und sind – wahrscheinlich – mit einer Lasergravur beschriftet, die nur aus schrägen Blickwinkeln gut lesbar ist. Das Display hingegen ist am besten von direkt oberhalb der Waage ablesbar (siehe Vergleichsbild unten).

Das kann sie messen: Gramm, Milliliter, Unzen, Flüssigunzen

Stromversorgung: Zwei AAA-Batterien (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Keine

Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel
Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel

Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel

Fotos: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL / Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Beurer Küchenwaage KS 22

Foto: Jonas Mielke / DER SPIEGEL

Auch in der Beurer KS 22 ist Edelstahl verarbeitet, jedoch nur auf der Wiegefläche. Der größere Unterteil der Waage im »Sandwich-Design«, wie der Hersteller die Konstruktion beschreibt, besteht aus Plastik. Das Design ist der einzige Schnickschnack, den sich die Waage gönnt.

Die im Vergleich kleine und leichte Beurer wiegt im Bereich zwischen einem Gramm und drei Kilogramm zuverlässig in Gramm und Unzen. Eine Zuwiegefunktion gibt es ebenfalls. Anders als bei der Adoric-Waage ist die Beschriftung der beiden Tasten gut ablesbar. Ähnlich wie bei der Adoric lässt sich das Display aber aus schrägen Blickwinkeln eher schlecht ablesen.

Zwischenraum der Beurer-Waage

Zwischenraum der Beurer-Waage

Foto: Jonas Mielke / DER SPIEGEL

Ein Nachteil des Designs: Wo bei einem Sandwich der Belag hineinpasst, ist bei der Beurer-Waage eine halbe Fingerkuppe Platz für Soßenspritzer oder Ähnliches. Wer den Bereich zwischen Wiegefläche und Unterteil reinigen möchte, muss sich etwas einfallen lassen.

Das kann sie messen: Gramm, Unzen

Stromversorgung: Eine CR2032-Knopfzelle (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: keine


Soehnle Page Pro Digitalwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Die Soehnle ist die mit Abstand größte Waage im Test und man kann auch die schwersten Lasten bis zu 15 Kilogramm mit ihr messen. Kleine Gewichte nimmt sie aber nicht immer ganz akkurat wahr. Bei unseren Messungen mit Geldstücken wurden ab und zu die 1- und 2-Cent-Münzen mit jeweils drei Gramm statt der korrekten zwei Gramm angezeigt.

Auch beim Hinzugeben kleiner Mengen zu großen kam es gelegentlich zu leichten Abweichungen von einem Gramm. Im Alltag ist das leicht verschmerzbar. Eine Neujustage mit der Tara-Taste half stets, die Waage wieder zu korrekten Messungen zu bewegen.

Das kann sie messen: Gramm/Kilogramm, Unzen/Pfund

Stromversorgung: Zwei AAA-Batterien (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Die Soehnle hat eine Hold-Funktion, die den Messwert zehn Sekunden lang anzeigt, nachdem man das zu wiegende Gut von der Waage genommen hat. Bei großen Gegenständen, die das Display verdecken, zum Beispiel Paketen, ist das sehr praktisch.


WMF Digitale Küchenwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Die WMF-Waage wirkt mit ihrem robusten Kunststoffkorpus und der glänzenden Glas-Wiegefläche sehr edel, braucht aber auch Pflege, weil das Glas empfänglich für Fingerschmutz und Fettflecken ist. An Material und Verarbeitung gibt es hier absolut nichts auszusetzen.

Die Messfunktion arbeitet einwandfrei. Es werden sowohl kleine Mengen im Grammbereich als auch größere Mengen korrekt ausgewogen. Bei der 1-Cent-Münze zeigte die WMF-Waage allerdings manchmal nur ein, statt zwei Gramm an. Ein kurzer Druck auf die Einschalttaste reichte dann aus, um beim nächsten Mal die korrekte Angabe zu erzielen. Das Hinzufügen kleiner zu großen Gewichten klappte problemlos.

Das kann sie messen: Gramm, Unzen, Pfund, Milliliter, Flüssigunzen

Stromversorgung: Zwei CR2032-Knopfzellen (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Keine


Zassenhaus Digital-Waage Eco Energy

Foto: Jonas Mielke / DER SPIEGEL

Das Alleinstellungsmerkmal unter den Waagen in diesem Test fällt bei diesem Zassenhaus-Modell schnell auf: der Drehknopf auf der gläsernen Wiegefläche. Keine Batterien, kein USB-Anschluss, die Waage bekommt Saft, indem Bewegungen des Drehknopfs in elektrische Energie umgewandelt werden. Im Prinzip wie bei einem Dynamo.

So ähnlich klingt es auch, wenn man den Drehknopf in Bewegung setzt und die Waage damit einschaltet. Kräftig kurbeln muss man jedoch nicht, eine Umdrehung erzeugte im Test genug Energie für zwei Minuten Wiegezeit. Der Komfort, beim Kochen nicht von einer leeren Batterie überrascht zu werden, hat jedoch seinen Preis. Die Zassenhaus ist eines der teureren Modelle in unserem Test.

Unsere Messungen der Wiegegenauigkeit bringen allerdings vor allem bei geringen Gewichten nur mäßig gute Ergebnisse. Eine Centmünze erkennt die Waage nicht und zeigt stur null Gramm an. Das ändert sich erst bei einer 20-Cent-Münze, also 5,74 Gramm. Das Gewicht eines Handys misst die Waage im Test jedoch recht zuverlässig. Gelegentlich gibt es ein bis zwei Gramm Abweichung zu den anderen Modellen. Zudem braucht die Waage etwas länger als die anderen, um sich bei Gewichtsveränderungen festzulegen. Wer also aufs Gramm genau wiegen möchte, könnte unsicher werden. Dafür verkraftet die Zassenhaus Lasten von bis zu fünf Kilogramm. Das Display ist zwar relativ groß, aus manchen Winkeln aber schwer ablesbar.

Das kann sie messen: Gramm, Unzen, Pfund

Stromversorgung: Dynamo

Zusatzfunktionen und Extras: Keine


Zwilling Enfinigy Digitale Küchenwaage

Foto: Jonas Mielke / DER SPIEGEL

Optisch wirkt die Waage von Zwilling ähnlich edel und sensibel wie das WMF-Modell. Die Wiegefläche aus Glas sammelt Fingerabdrücke und sollte laut Handbuch nicht mit Mikrofasertüchern gereinigt werden. Aber auch bei dieser Waage lässt sich an der Verarbeitung nichts aussetzen. Das LCD ist besser als bei anderen Modellen gelungen, da es nahtlos in die Glasfläche integriert und aus jedem Winkel sehr gut ablesbar ist.

Im Test arbeitet die Waage von Zwilling sehr zuverlässig und schnell. Auch eine einzelne 1-Cent-Münze nimmt sie wahr. Maximal darf sie mit zehn Kilogramm beladen werden. Die Stromversorgung erfolgt über einen Akku, der per USB-C aufgeladen wird. Im Lieferumfang ist zwar ein Ladekabel enthalten, das ist jedoch relativ kurz und noch dazu mit einem alten USB-A-Stecker fürs Ladegerät versehen. Ein Ladegerät gehört nicht zum Lieferumfang.

Zwilling bietet dieses Modell auch mit einer integrierten Powerbank für induktives Laden an. So soll man sein Smartphone auf der Waage ablegen können, um es mit Strom zu versorgen. Das kostet aber ordentlich extra: Während Zwilling für das Basismodell eine unverbindliche Preisempfehlung von etwa 40 Euro angibt, werden für die Ladestation-Variante 80 Euro aufgerufen. Über das Zuwiegen hinaus bieten beide Modelle keine weiteren Zusatzfunktionen.

Das kann sie messen: Gramm, Unze, Pfund

Stromversorgung: Akku mit USB-C-Anschluss

Zusatzfunktionen und Extras: Die Waage ist auch in einer Variante mit eingebauter Powerbank erhältlich, über die man Smartphones kabellos aufladen kann. Sie kostet jedoch etwa das Doppelte.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests