Altersvorsorge Versicherer klagen über Riester-Reinfall
Nürnberg - Gleich zwei Versicherungen und ein Finanzdienstleister meldeten am Donnerstag Geschäftszahlen, die von Ernüchterung in Sachen staatlich geförderte Altervorsorge zeugen. War Ende des vergangenen Jahres noch vom "Riester-Reibach" die Rede, der der Versicherungsbranche und Fonds-Verkäufern einen Boom bescheren würde, klagen diese Unternehmen nun laut über die hohen Anlaufkosten der Riester-Rente.
So berichteten die Quelle Versicherungen, die neuen privaten Altervorsorge-Modelle hätten die Erwartungen nicht erfüllt und kaum Impulse im Neugeschäft gebracht. Das Regelwerk sei zu kompliziert und verunsichere die Verbraucher, sagte Vorstand Peter Endres in Nürnberg. Zwar hätten sich im Jahr 2001 100.000 Kunden gemeldet, die Interesse an Riester-Produkten hatten. Trotzdem seien nur 7000 Verträge zu Stande gekommen, ein erstaunlich krasses Missverhältnis. Im ersten Quartal 2002 sehe es nicht viel besser aus, sagte Endres weiter. Er hofft nun auf den "Schlussverkaufseffekt" zum Jahresende hin, da viele Kunden wohl nicht auf die staatlichen Förderungszahlungen für 2002 verzichten wollten.
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Auch der Wiesbadener Versicherungskonzern DBV-Winterthur rechnet erst zum Ende des Jahres mit einer steigenden Nachfrage nach der Riester-Rente. Bislang komme das Geschäft erst langsam in Bewegung, sagte DBV-Chef Harmut Nickel-Waninger am bei der Bilanzpressekonferenz.
Der Finanzdienstleister AWD schließlich erwartet zwar einen gestiegenen Bedarf nach privater Vorsorge, da die staatlichen Sozialsysteme überlastet seien. Finanzvorstand Ralf Brammer sagte am Donnerstag, die Nachfrage der AWD-Kunden habe sich bereits 2001 vom Investment deutlich in Richtung Vorsorge und Absicherung verschoben - und zwar sowohl bei Lebens- wie auch Krankenversicherungen. Allerdings sei der Abschluss der Riester-Renten noch sehr verhalten, vor allem wegen der komplexen Strukturen der staatlich geförderten Produkte.
Eine schon am Mittwoch veröffentlichten Studie weist auf ein Paradoxon hin: Obwohl die Deutschen kaum Riester-Verträge abschließen, stehen sie der neuen Altersvorsorge-Form insgesamt aufgeschlossen gegenüber. Die Untersuchung, die das Marktforschungsinstitut TNS Emnid für die Commerzbank erstellte, stellt fest, dass mehr als die Hälfte der 14- bis 49-Jährigen in der staatlich geförderten Altersvorsorge eine attraktive Anlageform sieht. 41 Prozent hingegen meinen, Riester-Produkte kämen für sie nicht in Frage. Gut ein Drittel von ihnen fürchten vor allem, dass das eigene Einkommen zu niedrig ist, um sich zusätzliche Ausgaben leisten zu können.
Erst neun Prozent der Befragten haben bereits privat oder über ihr Unternehmen in ein Riester-Produkt investiert. Für weitere acht Prozent steht den Angaben zufolge fest, dass sie sich auf jeden Fall bei der staatlich geförderten Altersvorsorge engagieren wollen. 35 Prozent der Befragten wollen "eventuell" eine Riester-Rente abschließen.