DaimlerChrysler Rosskur für kranke US-Tochter
Stuttgart/Auburn Hills - Die Sanierung von Chrysler hat bereits Milliarden verschlungen und Chrysler-Chef Dieter Zetsche sieht noch kein Ende der Durststrecke - da müssen die Krisenmanager schon wieder an einer weiteren Front tätig werden.
Am Freitag präsentierte DaimlerChrysler in Stuttgart einen Sanierungsplan für den Lkw-Hersteller Freightliner. 2700 weiter Jobs sollen dort wegfallen, drei Werke in verschiedenen US-Bundesstaaten machen dicht. Und das alles, nachdem Daimler auch mit der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors kein Glück hatte und dort eine kostspielige Restrukturierung einleiten musste.
Die Konzern-Spitze hofft, dass eine einmalige Millionen-Ausgabe für die Sanierung von Freightliner reicht: Im vierten Quartal sollen rund 330 Millionen Dollar investiert werden, rund 715 Millionen Mark. Eckhard Cordes, der für Nutzfahrzeuge zuständige Vorstand, schloss nicht aus, dass wegen dieser Kosten die ganze Sparte in die roten Zahlen rutscht.
Freightliner leidet seit 2000 unter dem drastischen Rückgang der Lkw-Verkäufe auf dem US-Markt. In dieser Zeit sank der Absatz um 45 Prozent. Im zweiten Quartal 2001 verkaufte DaimlerChrysler in den USA nur noch 28.500 Lastkraftwagen. Als besonders prekär gilt die Rücknahmegarantie für gebrauchte Lkw, auf die Freightliner sich vor Jahren eingelassen hat: Das Unternehmen ist nun gezwungen, Lkw zu Preisen zurückzukaufen, die weit über dem aktuellen üblichen Markpreisen liegen.
Der Sanierungsplan für die Lkw-Tochter ist weniger ambitioniert als der für Chrysler, ähnelt diesem aber in vielerlei Punkten: Personalabbau, Werkschließungen, Senkung der Kosten bei Zulieferern und in der Produktion sollen Freightliner schon Ende des kommenden Jahres wieder ein ausgeglichenes Ergebnis bringen.
Für 2003 werde dann ein erstmals wieder ein geringer operativer Gewinn erwartet, sagte Cordes. Medienberichte, wonach Freightliner in diesem Jahr rund eine Milliarde Dollar Verlust macht, wollte er nicht bestätigen.
1600 der Entlassenen bei Freightliner werden Arbeiter sein, außerdem werden 1100 Angestellte vor die Tür gesetzt. Seit 1999 hatte Freightliner bereits 9000 Jobs gestrichen. Nach der neuen Sanierungsrunde wird die Beschäftigung auf 47 Prozent ihres Höchststandes angekommen sein. Bis zum Jahr 2004 sollen so 850 Millionen Dollar Betriebskosten Dollar eingespart werden.
Danach will DaimlerChrysler mit Freightliner wieder richtig Geld verdienen. Dazu allerdings muss der Markt mitspielen. Und seine Entwicklung vorherzusagen ist DaimlerChrysler - wie die jüngsten Ereignisse zeigen - nicht immer leicht gefallen.