MobilCom: Kleinaktionäre befürchten Totalverlust - DER SPIEGEL
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MobilCom Kleinaktionäre befürchten Totalverlust

Während Zocker am Neuen Markt mit dem MobilCom-Papier spielen, hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) den Verkauf der Aktie empfohlen. Großaktionär France Télécom hatte zuvor die Zusammenarbeit einseitig aufgekündigt.
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Paris - Da das Unternehmen alleine nicht überleben könne, sei ein Totalverlust für die Aktionäre nicht mehr auszuschließen, sagte SdK-Sprecher Markus Straub am Mittwoch. Ein anderer Partner, der anstelle der France Télécom einsteige, sei nicht in Sicht. Straub macht MobilCom-Gründer für den Vertrauensverlust verantwortlich. Diesem gehe es nur noch um Privatinteressen, nicht mehr um das Unternehmen.

France Télécom hatte den Vertrag mit MobilCom am Dienstag einseitig aufgekündigt. Angesichts der häufigen Vertragsverletzungen der letzten Monate sei der Rahmenvertrag aus dem Jahr 2000 null und nichtig, sagte der Finanzchef des französischen Großaktionärs, Jean-Louis Vinciguerra, am Dienstag in Paris. France Télécom (FT) ist nach Angaben Vinciguerras bereit, mit "begrenzten Mitteln" eine Insolvenz des Büdelsdorfer Unternehmens zu vermeiden.

In einer Adhoc-Meldung erklärte MobilCom, die einseitige Vertragsauflösung durch die FT habe "keine Basis". Unter anderem seien in dem Partnerschaftsvertrag verschiedene "Eskalationsstufen" festgeschrieben, die vor einer kompletten Auflösung des Verhältnisses zwingend genutzt werden müssten. Dies sei nicht geschehen, außerdem sei seitens MobilCom keine Vertragsverletzung erfolgt. Man werde die Kündigung deshalb "juristisch prüfen" lassen.

Ein Sprecher von MobilCom erklärte am Abend, der Aufsichtsrat werde "in Kürze" zusammentreffen. Dabei sollen auch die rechtlichen Aspekte der Vertragskündigung zur Sprache kommen.

Die MobilCom-Aktie   fiel nach Bekanntwerden der Nachricht auf eine neues Allzeittief: Der Titel halbierte sich fast und lag mit 46,6 Prozent bei 7,29 Euro im Minus. Der Handel mit den Aktien wurde am Mittwoch mit Handelsstart wieder aufgenommen, die Aktie fiel zu Beginn nochmals um 4,39 Prozent auf 6,97 Euro, schoss dann um mehr als zehn Prozent in die Höhe und notierte gegen 10 Uhr um 5,90 Prozent im Plus bei 7,72 Euro.

Großinvestor steigt aus

Am Nachmittag hatte der Aktienverkauf eines institutionellen Investors den Kurs des hoch verschuldeten UMTS-Lizenzinhabers bereits auf 8,60 Euro gedrückt. "Plötzlich wollte eine Adresse ohne Rücksicht auf Verluste MobilCom-Aktien auf den Markt werfen", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt.

MobilCom-Chef Gerhard Schmid und der Aufsichtsrat des im Nemax 50 notierten Mobilfunkers hätten wiederholt gegen die zwischen den beiden Unternehmen bestehende Kooperationsvereinbarung verstoßen, begründete der französische Konzern seinen Entschluss. Das ehemalige Staatsunternehmen hält 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Unternehmen. So habe Schmid durch ein eigenmächtiges Aktiengeschäft mit der durch seine Ehefrau kontrollierten Millennium GmbH deutsche Gesetze gebrochen. Auch habe Schmid das umstrittene Geschäft nicht rückgängig gemacht, obwohl er dies dem Aufsichtsrat zugesichert habe.

Schmid haut auf die Pauke

Zuvor hatte Schmid kräftig gegen seinen französischen Partner gestänkert. in einem Interview mit dem "Stern" sagte Schmid, das Verhalten von France Télécom, sei "eines großen Staatskonzerns nicht würdig". Das Unternehmen spiele mit den Ängsten der Mitarbeiter. Die Drohung, MobilCom in die Insolvenz zu treiben, sehe er "als Reaktion auf den gescheiterten Versuch der vergangenen Woche, mich aus dem Unternehmen zu drängen".

Am Freitag hatte der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung darüber abgestimmt, ob Schmid entlassen werden sollte. Nach Medienberichten fehlte seinen Gegnern nur eine Stimme. Offenbar war es Schmid fast in letzter Minute gelungen, die Arbeitnehmervertreter auf seine Seite zu ziehen.

France Télécom wirft Schmid vor, den Aufsichtsrat und Vorstand nicht über ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm informiert zu haben, in das die Millennium GmbH einbezogen war, die von Schmids Frau geführt wird. Schmid und France Télécom streiten seit Monaten über die Finanzierung eines Netzes für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. "Verträge sollen verwässert, uminterpretiert und nicht erfüllt werden. Es geht zu wie früher bei 'Dallas'", sagte Schmid dem Hamburger Magazin.

Finanzspritze und Kündigung am gleichen Tag?

Zugleich geht es um die Frage, ob France Télécom den Aktienanteil von Schmid, der zusammen mit seiner Frau fast die Mehrheit am Unternehmen hält, übernimmt - und zu welchem Preis. Schmid hatte 22 Euro pro Stück für seine Aktien gefordert. France Télécom wird unterstellt, den Preis drücken zu wollen.

Am Dienstagmorgen hatte es noch so ausgesehen, als wolle France Télécom den Deutschen entgegenkommen. Wie die Agentur vwd am Montag unter Berufung auf dem Unternehmen nahe stehende Kreise berichtete, hätten die Franzosen einen "zweistelligen Millionenbetrag" in Euro überwiesen. Ein Sprecher des Unternehmens machte hierzu auf Nachfrage keine Angaben.