New Yorks Bürgermeister: Saudi-Spende für Terror-Opfer unerwünscht - DER SPIEGEL
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New Yorks Bürgermeister Saudi-Spende für Terror-Opfer unerwünscht

Der saudische Prinz Walid darf nicht für Terror-Opfer in New York spenden. Bürgermeister Giuliani hat zehn Millionen Dollar abgelehnt, weil der Prinz die US-Diplomatie kritisiert hat. Trotz der Abfuhr wird der Multimilliardär wohl weiter für Hunderte Millionen an der Wall Street einkaufen.
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Riad/New York - Nach den Terror-Angriffen hatte der international bekannteste Investor Saudi-Arabiens zunächst versöhnliche Töne angeschlagen. In einer Sendung des US-Nachrichtenkanals CNBC verurteilte er die Attacken im Namen Saudi-Arabiens und sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Er sehe sich selbst als Brücke zwischen den USA und Arabien.

Am Donnerstag verschaffte sich Prinz El Walid Ibn Talal dann am "Ground Zero" einen Eindruck von der Zerstörung. Hier fielen die kritischen Bemerkungen, die den Zorn Guilianis erregten. Walid merkte an, "dass die Regierung der USA ihre Politik im Nahen Osten überdenken und im Bezug auf die palästinensische Frage einen ausgewogenen Standpunkt einnehmen sollte." In Palästina würden von Israel weiter arabische "Brüder massakriert", während die Welt nach New York blicke.

Der republikanische Bürgermeister werte dies als Versuch einer "moralischen Rechtfertigung für den Anschlag", teilte eine Sprecherin mit. Deswegen werde die Stadt die zehn Millionen Walids nicht annehmen.

Bisher freilich haben viele New Yorker ohne moralische Bedenken von den Milliarden des Prinzen profitiert. Dem Saudi, dem eine bedeutende Rolle in der Königsfamilie nachgesagt wird und der als sechstreichster Mann der Welt gilt, gehört zum Beispiel die Hälfte des Plaza-Hotels in Manhattan.

Während des Internet-Booms hat der heute 44-jährige Walid Milliarden in Unternehmen der "New Economy" gesteckt - und beim Crash an der Nasdaq hat er wiederum Milliarden verloren. Der Prinz ist außerdem unter anderem Großaktionär von AOL Time Warner, seine Firma, die Kingdom Holding, hält Anteile an Banken, Fluggesellschaften, Fernsehsendern, Immobilien- und Technologiefirmen.

Gleich nach den Terror-Anschlägen betätigte sich Walid als Schnäppchenjäger an der Wall Street. Nach Presseberichten kaufte er allein in den ersten zwei Wochen nach den Anschlägen Aktien für 400 Millionen Dollar. In Deutschland ist er maßgeblich an der Mediengruppe Leo Kirchs beteiligt. Er ist Geschäftspartner Michael Jacksons, 1994 hat er den Vergnügungspark Euro-Disney bei Paris gerettet.

Beifall aus Israel, Unverständnis in Arabien

Mit seiner Entscheidung, die Millionen aus Arabien abzulehnen, heimst Guilianis Applaus in der israelischen Hauptstadt ein: Der konservative Premier Ariel Scharon bescheinigte dem New Yorker Bürgermeister, er habe "echte Führungskraft und konsequente Unterstützung des Staates Israel" bewiesen.

Bei politischen Beobachtern in der arabischen Welt löste die Ablehnung Giulianis dagegen Befremden aus. Walid war bei weitem nicht der einzige Araber, der einen Zusammenhang zwischen dem Nahost-Konflikt und dem Entstehen arabischer Terrorgruppen hergestellt hatte. Auch viele Staatschefs der Region hatten nach dem 11. September die US-Unterstützung für Israel kritisiert - zugleich aber ihre politische Unterstützung für ihren Kampf gegen den Terrorismus zugesagt.

Auch der ägyptischen Präsident Husni Mubarak, einer der wichtigsten Alliierten der USA in der arabischen Welt, hatte sich noch am Donnerstag ähnlich geäußert wie Walid. "Die Ungerechtigkeit im Nahen Osten hat viele Menschen zum Äußersten getrieben und den Terroristen einen Vorwand für ihre Gewalttaten geliefert", sagte Mubarak. Diesen Satz sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tony Blair. Der britische Premier verzichtete darauf, sich von der Aussage zu distanzieren.

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