Ehec-Seuche Bauern wettern gegen Gemüse-Boykott
Gemüsesortiment: "Die Auswirkungen sind katastrophal"
Foto: Julian Stratenschulte/ dpaBerlin - Hände weg von rohem Gemüse aus Norddeutschland - mit dieser Warnung bringt das Robert-Koch-Institut (RKI) die deutschen Gemüsehändler in Rage. Sie befürchten massive Einnahmeausfälle als Folge des RKI-Hinweises, der besonders vom Verzehr roher Tomaten, Salatgurken und Blattsalate abriet.
"Die Auswirkungen sind katastrophal", sagte Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes. Bereits jetzt würden Lebensmittelketten und Kantinen pauschal Ware zurückweisen. "Das ist für unsere Unternehmen ein Totalausfall."
Auch Michael Marker, Inhaber eines Hamburger Gemüsegroßhandels, beklagt umfangreiche Stornierungen. Je größer ein Betrieb ist, "desto rigoroser bestellt er Rohkost ab", sagte Marker dem "Handelsblatt". Auch Kindergärten würden Rohkost vom Speiseplan streichen, weil die Leiterinnen Diskussionen mit den Eltern aus dem Weg gehen wollten. Die Stornierungen machten etwa fünf Prozent des gesamten Bestellvolumens aus.
"Kein vernünftiger Bauer gießt Gülle auf sein Gemüse"
Auch die Gemüse- und Obstexporte leiden unter der Ausbreitung des Ehec-Erregers. So wird etwa in der Kantine des Universitätskrankenhauses Basel derzeit kein Gemüse aus Deutschland verarbeitet.
Und auch die Landwirte sind durch die RKI-Warnung alarmiert. Nach Ansicht des Deutschen Bauernverbands (DBV) liegt die Quelle des Ehec-Darmkeims vermutlich im Ausland. Es sei logisch nicht zu erklären, wie ein solcher Erreger auf Gemüse aus Norddeutschland gelangen sollte, sagte DBV-Sprecher Michael Lohse. "Generell wird kein vernünftiger Bauer Gülle auf sein Gemüse gießen. Damit schadet er sich nur selbst, denn Geschmack und Qualität leiden." Zudem seien Tomaten, Salat oder Gurken im Freiland in Norddeutschland noch gar nicht reif, sondern stammten aus dem Gewächshaus. Dort sei das Düngen mit Gülle ohnehin nicht möglich.
Das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein schloss sich dieser Ansicht an. Im Norden sei heimisches Freilandgemüse noch gar nicht auf dem Markt, sagte ein Ministeriumssprecher. Die RKI-Warnung bezöge sich vielmehr auf in Norddeutschland gehandeltes Importgemüse aus dem Ausland.