WorldCom Salomon gerät ins Visier der Anwälte
New York - Salomon Smith Barney, eine Tochter der Citigroup, war gewissermaßen WorldComs Hausbank. Salomon spielte beim Aufstieg des Unternehmens zum zweitgrößten Telekommunikationskonzern der USA eine wichtige Rolle.
Die Investmentbank führte die Anleiheemissionen von WorldCom durch und beriet das Unternehmen bei Akquisitionen und Fusionen in Milliardenhöhe. Jack Grubman, Chef-Telekommunikationsanalyst von Salomon und einer der größten WorldCom-Fans der Wall Street, stufte die Aktie erst in dieser Woche auf "Underperform" zurück.
Auf wen hetzen wir unsere Anwälte?
-
1 Min
-
3 Min
-
6 Min
-
2 Min
-
1 Min
Nach dem WorldCom-Debakel sind Investoren auf der Suche nach Schuldigen. Die Aktie ist seit ihrem Allzeithoch bei über 60 Euro auf mickrige 70 Cents gefallen. Das Unternehmen oder seine Banken dafür im juristischen Sinne verantwortlich zu machen, dürfte allerdings schwierig sein.
Größere Chancen auf eine erfolgreiche Schadenersatzklage verspricht WorldComs letzte Anleiheemission: Im Mai 2001 hatte das Unternehmen einen Bond mit einem Volumen von 11,9 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt platziert. Konsortialführer war Salomon Smith Barney, auch JP Morgan Chase gehörte zum Konsortium.
Laut dem amerikanischen Securities Act von 1933 haften Konsortialbanken für fehlerhafte Informationen im bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereichten Emissionsprospekt. Auch für Vorstände von Unternehmen oder Wirtschaftsprüfer kann die Haftung gelten - wenn ihre Unterschrift unter dem Prospekt steht.
Mitunterzeichnet, mitgefangen
Sollten die von WorldCom im Emissionsprospekt für die Anleihe angegebenen Zahlen fehlerhaft sein, könnten Investoren die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem derzeitigen Wert ihrer Bond-Anteile zurückfordern. Die Anleihe notiert derzeit bei etwa 15 Prozent ihres Nominalwerts. Ein Salomon-Sprecher sagte dem "Wall Street Journal": "Die Jahresabschlüsse im Prospekt waren die des Jahres 2000." Nach dem bisherigen Kenntnisstand sind lediglich die WorldCom-Zahlen der Jahre 2000 und 2001 fehlerhaft.
Ein weiterer Anlaufpunkt dürfte Analyst Grubman sein. Gegen den von der "Business Week" wegen seiner optimistischen Aktienempfehlungen als "schlechtester Analyst aller Zeiten" bezeichneten Investmentbanker läuft bereits eine Untersuchung. Der New Yorker Generalanwalt Eliot Spitzer untersucht, ob Grubman und andere Analysten bei ihren Empfehlung andere Interessen als die ihrer Kunden im Auge hatten. Spitzer will nach eigenen Angaben nun auch Grubmans Rolle bei WorldCom unter die Lupe nehmen.