Totalschaden Ideenlos? Na klar!
Pünktlich zum Ende der Sommerferien und der damit verbundenen Staus nutzen die meisten Autohersteller die freie Straße und geben richtig Gas. Es gilt ein neues Modelljahr einzuläuten - eine gute (Marketing-)Chance, um so zu tun, als werde es demnächst auch neue Autos geben.
Manchmal stimmt das ja auch, meistens aber handelt es sich bei den vermeintlich "Neuen" um Fahrzeuge, die einem Facelift vulgo einer Mängelbeseitigung unterzogen wurden. Das gibt natürlich niemand gerne zu. Ergo muss das Neue auf den ersten Blick erkennbar sein - selbst für Autofahrer, die in ihrer Blechkiste mehr Fortbewegungsmittel denn Designerstück sehen.
Doch damit nicht genug des Dilemmas: Die neuen Erkennungsmerkmale müssen - schließlich darf der Preis des guten Stücks nicht steigen - auch noch möglichst billig sein. Vom Aufwand bei der Montage ganz zu schweigen. Seit Jahren greifen die Designer daher auf ein bewährtes Arsenal hochwertigen Zierrats zurück: Chromleisten, Dekorstreifen, größere Markenembleme, Spoilerfortsätze. Zum aktuellen Modelljahrwechsel haben die Hersteller eine neue Waffe entdeckt: Klarglas.
Nicht, dass gläserne (und in der Regel klare) Front- und Heckscheiben im Automobilbau etwas Neues wären. Doch mittlerweile bekommen auch die Frontscheinwerfern Frontscheiben spendiert, damit die Lampen besonders gut zu erkennen sind.
Ob das nun gut aussieht oder nicht ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dass aber nun massenhaft zu diesem Gimmick gegriffen wird (Renault Twingo, VW Passat oder Nissan Micra), darf als Zeichen grassierender Ideenlosigkeit in den Design-Abteilungen gewertet werden. "Wir müssen was an der Frontpartie ändern." - "Klarglas!" - "Klar, Klarglas."
Bereits seit Jahren werden sich die Autos immer ähnlicher. Jetzt hat das scheinbar ansteckende Virus auch die Scheinwerfer befallen. Und es hat offensichtlich einen Namen: Sparzwang. Dem nämlich unterwerfen sich die Automobilhersteller, sobald es um Verbesserungen im Detail geht. Das aber eisern- und nicht etwa gläsern.
Sogar bei Neuwagen wie dem Opel Speedster, der Volvo S60 oder der Hyundai Trajet haben Autodesigner die gar nicht mehr neue Transparenz entdeckt. Das macht die Sache nur noch unerfreulicher.
Vielleicht bringt die Fensterscheibe vor den Lichtern ja ein paar Quäntchen mehr Helligkeit ein mehr an Ästhetik und Sportlichkeit bringt sie nicht. Und hat hier jemand etwas von Eigenständigkeit gemurmelt? Fehlanzeige, mittlerweile zumindest.
Trotz Klarglas fehlt bei manchen Design-Entscheidungen ganz offensichtlich der Durchblick - genau so, wie den modernen Scheinwerfer-Abdeckungen nach einer Fahrt mit Tempo 180 durch einen nächtlichen Mückenschwarm.