Achilles' Ferse Sechs Lauf-Apps im Test
Früher führte der ambitionierte Läufer sein Trainingstagebuch mit Papier und Bleistift. Heute gibt es Handy-Apps. In der Darstellung auf dem Smartphone unterscheiden sich die Laufportale nicht stark voneinander. Wochen-, Monats- und Jahreskilometer sowie Durchschnittstempo und Kalorienverbrauch sind Standard bei allen Portalen.
Einen Mehrwert liefern die bunten Lauftagebücher nur, wenn sie den Läufer unterstützen, sein Training richtig auszurichten und zu korrigieren. Prognosen über Wettkampfzeiten, Streckenplanung oder Vergleiche mit anderen Läufern sind allerdings noch Ausnahmen.
Die folgende Übersicht zeigt, welches Portal wie viel kann:
Runtastic
Was kann das Portal? Runtastic gehört zu den bekanntesten Lauf-Apps. Highlight ist der mehrfach anwendbare Streckenfilter. Damit lassen sich Suchkriterien kombinieren, um Läufe nach bestimmten Bedingungen zu filtern - etwa nach Ort, Zeitpunkt oder Dauer des Laufes.
Was fehlt? Die Statistiken bleiben auf dem Niveau einfacher Verlaufsgrafiken über Dauer, Tempo und Kalorienverbrauch. Streckenverläufe lassen sich nachträglich nicht bearbeiten. Der Datenimport ist ungenau, die Schätzung der Strecken unzureichend und die Statistiken sind wenig aussagekräftig für eine Trainingsvertiefung. Es fehlen zudem Leistungsprognosen und eine Routenplanung.
Wer braucht's? Runtastic ist das Einsteigerportal. Man findet sich schnell und unkompliziert zurecht. Wer auf dem Portal einen befreundeten Läufer sieht, kann diesen per Mausklick anfeuern - ein netter Gag.
Was kostet es? Um das Portal umfassend zu nutzen, ist eine Gold-Mitgliedschaft nötig. Diese kostet bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten regulär 6,63 Euro im Monat. Die Trainingspläne können separat erworben werden, ein einfacher Sechs-Wochen-Plan kostet beispielsweise 17,99 Euro.
Endomondo
Was kann das Portal? Endomondo bietet einen Vergleich mit anderen Läufern. Das Portal zeigt an, wie viel Prozent andere Läufer schneller sind als man selbst. Die Anzeige kann nach Alter oder Geschlecht gefiltert werden. Damit kann der Anwender seine Leistung besser einordnen. Für zahlende Mitglieder bietet Endomondo zudem Trainingspläne an.
Was fehlt? Bei der Wahl des Kartenmaterials und der angezeigten Statistiken ist Endomondo sparsam. Hier gibt es wenig Besonderes. Das Hochladen der Daten ist ähnlich umständlich wie das Exportieren von Strecken.
Wer braucht's? Wer Trainingspläne sucht, ist hier richtig. Auch Nutzer mit mehreren Sportarten werden unterstützt. Ansonsten hebt sich das Portal wenig von den Mitbewerbern ab.
Was kostet es? Endomondo bietet eine Premium Mitgliedschaft für 5,99 US-Dollar im Monat an - bei einer Mindestlaufzeit von einem Monat. Die Trainingspläne sind inklusive.
Runkeeper
Was kann das Portal? Runkeeper stellt das Soziale in den Vordergrund. Der Anwender bekommt in der Übersicht die Läufe seiner Freunde zu sehen. Echtes Alleinstellungsmerkmal ist aber die Möglichkeit, Strecken zu bearbeiten. Damit lassen sich Ungenauigkeiten im GPS manuell ausbessern. Das bietet kein anderes Laufportal. Auch erwähnenswert: Alle in Runkeeper vorhandenen Strecken können mit einem Klick komplett heruntergeladen werden.
Was fehlt? Auf der Karte fehlt ein Overlay, mit dem beispielsweise das Lauftempo farblich auf der Strecke dargestellt wird.
Wer braucht's? Runkeeper macht Spaß, wenn man das Portal mit anderen nutzt. Möchte man eine Strecke nachträglich manuell bearbeiten, ist die App die richtige Wahl. Der Fokus des Portals liegt allerdings sehr auf dem US-Markt. Dies macht sich vor allem in der fehlenden deutschen Übersetzung bemerkbar.
Was kostet es? Runkeeper bietet eine Elite Mitgliedschaft an. Diese kostet 9,99 US-Dollar im Monat und ist monatlich kündbar. Trainingspläne bietet Runkeeper allen, die ein Abo buchen.
Runalyze
Was kann das Portal? Das einzige bekanntere Open-Source-Laufportal kommt aus Deutschland. IT-affine Läufer können das Portal lokal auf dem eigenen Rechner installieren und sich so selber um geeigneten Datenschutz bemühen. Die auf Runalyze angebotenen Statistiken gehen weit über die vergleichbarer Portale hinaus. Das Entwicklerteam hat einige bekannte Konzepte aus der Läuferwelt in übersichtliche Grafiken eingearbeitet. So werden nicht nur Prognosen zu Wettkampfzeiten, sondern auch Kennzahlen zur Stressbelastung und Monotonie ausgewiesen.
Was fehlt? Runalyze hat keine eigene App. Strecken aus anderen Geräten können aber einfach eingelesen und bearbeitet werden. Ein Overlay über die dargestellte Strecke fehlt. Social-Media-Verbindungen sind zwar mit etwas Suchen zu finden, stehen aber nicht im Fokus der App.
Wer braucht's? Runalyze ist die beste Wahl für zahlenverliebte Läufer, für die das Design zweitrangig ist. Wer häufig und ambitioniert trainiert, wird Runalyze lieben.
Was kostet es? Die Nutzung der Runalyze Online Version ist kostenlos.
Smashrun
Was kann das Portal? Erfreulich an Smashrun ist vor allem der sorgsame Umgang mit der Datengenauigkeit. Auf Fehler in der GPS-Erfassung und auf Schätzungen wird genau hingewiesen. Kleines Schmankerl: Das Portal belohnt die eigenen Leistungen mit netten Abzeichen. Smashrun bietet sehr detaillierte Analysen aller Läufe sowie des Trainingsfortschritts. Dazu steht sogar ein eigener Performance Index zur Verfügung. Der Großteil dieser ausführlichen Analysen steht allerdings nur den zahlenden Nutzern zur Verfügung.
Was fehlt dem Portal? Smashrun betreibt keine eigene App, bietet aber Schnittstellen zu einigen Apps wie iSmooth und Run.GPS. Die eingelesenen Läufe lassen sich nicht exportieren.
Wer braucht's? Smashrun ist die richtige Oberfläche für Läufer, die Wert auf gutes Design legen. Auch wer etwas tiefer in technische Details der Laufaufzeichnung einsteigt, kommt um Smashrun nicht herum.
Was kostet es? Smashrun pro kostet 6,25 Euro pro Monat - mit einer Mindestlaufzeit von vier Monaten.
Strava
Was kann das Portal? Auf Strava können Laufklubs gegründet werden - zum gemeinsamen (virtuellen) Laufen mit Freunden. Strava zeichnet sich zudem durch Besonderheiten im Datenschutz aus, so können Start und Ziel einer Strecke versteckt werden. Tolles Feature: Nicht nur Garmin, sondern auch Suunto, TomTom und andere Geräte lassen sich mit dem Portal synchronisieren.
Was fehlt? Leider ist die Datenverarbeitung zum Teil ungenau. Auch bei den Datenauswertungen ist Strava durchschnittlich aufgestellt. Zwar gibt es ein Lauftagebuch; vertiefte Statistiken, Kennzahlen oder gar Prognosen sind auf dem Portal aber nicht zu finden.
Wer braucht's? Strava ist eine gute Alternative zu Runtastic. Da das Portal inzwischen gut angenommen wird, findet man dort viele Läufer. Wer allerdings vertiefte Auswertungen erwartet, wird enttäuscht werden.
Was kostet es? Die Premium Mitgliedschaft kostet bei Strava 5,49 Euro im Monat - für mindestens einen Monat.