Pestizidrückstände auf Erdbeeren Gespritzt sind sie alle
Frisch gepflückte Erdbeeren: Schmecken deutsche besser als italienische?
Foto: Heribert Proepper/ APBei meinem Obst- und Gemüsehändler gibt es endlich wieder Erdbeeren, mein Lieblingsobst. Gleichzeitig sind sie total gesund, weil sie Vitamin C, Folsäure, Eisen und Polyphenole enthalten. Die ersten Erdbeeren waren hellrot, kamen aus Spanien und schmeckten nicht besonders gut. Dann gab es dunkelrote aus Italien, manche waren so groß wie Hühnereier und hatten seltsame Beulen. Wahrscheinlich krasse Mutanten - aber sie schmeckten gut.
Seit dieser Woche stehen neben den italienischen, seltsam blasse in blauen Plastikschalen. Sie sehen nicht lecker aus, aber sie kosten exakt das Doppelte. Darüber hängt ein Pappschild mit der Aufschrift "Deutsche Erdbeeren". "Schmecken die besser als die italienischen?", frage ich. "Nein", sagt der Gemüsehändler. "Sind aber deutsche."
Ich bin ja durchaus bereit, etwas mehr für eine super Qualität zu bezahlen. Und ich habe in Erinnerung, dass es mal Schlagzeilen um Pestizid-verseuchte Erdbeeren gab. "Aber die deutschen sind bestimmt weniger stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet?" , frage ich. Der Händler schaut mich verständnislos an: "Nein, die sind genauso gespritzt, mir schmecken sogar die italienischen besser. Für die italienischen mache ich dir einen Nachbarschafts-Sonderpreis: Zwei Schalen drei Euro."
Kauft man Erdbeeren, die schlechter aussehen, nur, weil sie deutsch sind?
So preist er mir sonst nur verfaulte Ware an, skeptisch berühre ich die italienischen Erdbeeren, aber sie fühlen sich fest an. "Warum sollte jemand die deutschen Erdbeeren kaufen?", frage ich ihn. Er zuckt mit den Schultern. Kauft man Erdbeeren, die schlechter aussehen, einfach nur, weil sie deutsch sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen das alles wegen deren besserer Klimabilanz machen. Ich erinnere mich, wie ich als Schüler mal für eine Antinazi-Demo ein Transparent gemalt habe: "Deutsche kauft deutsche Bananen."
Ziemlich stolz auf meine Weltoffenheit bezahle ich und gehe mit den italienischen Erdbeeren nach Hause. Als ich die Erdbeeren abends essen will, haben einige matschige Stellen. Die restlichen sind zwar fest, aber in der Mitte hohl und schmecken trotzdem irgendwie faul. Eine Kreuzung aus Müll und Frucht, danke Italien für diese Kreation!
Ich gehe noch mal zum Obststand. Kurz vor Feierabend: Es gibt noch ein Körbchen deutsche Erdbeeren. Jetzt will ich es aber doch wissen. Ich hole das letzte Körbchen und bezahle die Dreineunundneunzig. Der Gemüsehändler sagt: "Schade, die wollte ich später mit nach Hause nehmen." Obwohl sie blass sind, schmeckten sie tatsächlich besser, vielleicht weil sie erst kurz vor dem Verkauf geerntet wurden - und wahrscheinlich haben sie deshalb auch noch mehr von den wertvollen Inhaltsstoffen. Ich stehe jetzt auch auf deutsche Erdbeeren.
Sind Erdbeeren oft mit Pestiziden belastet?Sind deutsche Erdbeeren aus Deutschland sicherer?Wie schützt man sich vor Pestizidrückständen?