Triathlon-Duell Wettkampfmodus in Unterwäsche
Micha Klotzbier mit Laufbekanntschaft Bernfried beim Zieleinlauf des Unterwäschelaufes in Bremen
Foto: Jan Kailweit WendtZur Person: Kann man mit 160 Kilo Marathon laufen? Eher nicht. Deswegen hat Micha Klotzbier abgespeckt - und es geschafft. 2016 startete er beim Berlin-Marathon. Seitdem verfolgt ihn allerdings der Lauf-Blues. Wo ist die Motivation geblieben?
Ich nehme es mal vorweg. Ein guter Triathlet werde ich nicht. Zumindest nicht in diesem Sommer. Auch wenn ich die Tattoo-Wette gegen Achim Achilles gewinnen sollte und ihn im September beim 1. Erkner-Triathlon schlage, ich werde mich auf Dauer nicht ans Schwimmen gewöhnen.
Ich kann mich ganz gut über Wasser halten. Fett schwimmt halt. Aber das Tempo eines Wals erreiche ich nicht, nur die Figur. Immerhin: Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig einmal in der Woche schwimmen. Und vor kurzem habe ich direkt vor Ort in Erkner bei Berlin getestet, wie es sich im Freiwasser anfühlt . Ich glaube, das ist ein kleiner Vorteil gegenüber Achim.
Zudem beschäftigt mich die Frage, ob ich in Badeshorts oder etwas Schnittigem schwimmen soll. Ich im Neoprenanzug - das Bild will aber nicht so ganz in meinen Kopf. Und brauche ich den wirklich? Wahrscheinlich verliere ich wahnsinnig viel Zeit, um mich aus dem Ding zu pellen.
Mein Trainer Piet meint, ich soll mich wegen des Schwimmens nicht zu verrückt machen; ich soll da irgendwie durch und nicht zu geschafft ans Ufer kommen, um dann beim Radfahren und Laufen meine Stärken auszuspielen. Er hat tatsächlich "Stärken" gesagt. Keine Ahnung, ob das als Psychoattacke gegen Achim gemeint war oder mein Selbstbewusstsein fördern sollte.
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Mein Radfahren habe ich zwangsläufig optimieren müssen, weil sie mir mein Rad samt Kindersitz geklaut haben. Also war ich im Fahrradladen und habe mir mal ein paar Modell vorführen lassen. Beim E-Bike wäre ich fast schwach geworden. Das High-Tech-Wunderrad für Triathlon-Profis hat mir etwas Angst gemacht - am besten gefallen hat mir das Lasten-Fahrrad mit Ladekorb vorn dran. Am Ende war ich vernünftig und bin mir treu geblieben: Ich will Fitness in den Alltag integrieren - deshalb ist mein neues Rad vor allem alltagstauglich.
Beim Laufen fühle ich mich ganz gut in Tritt. Bin sogar im Wettkampfmodus. Mitte Juni war ich beim B2Run-Firmenlauf in Bremen am Start, zuvor beim Potsdamer Schlösserlauf in der Staffel einer Krankenkasse.
Diesmal waren meine Mitläufer Menschen, die heroisch gegen Krebs kämpfen - als Tumorpatienten, Ärzte oder auch Angehörige. Ich war einmal mehr beeindruckt, welche starke Rolle das Laufen spielen kann und auf welche unterschiedlichen Lesarten es sich in vielen Lebensgeschichten wiederfindet. Vergangenen Samstag dann bin ich beim 1. Bremer Brückenlauf an den Start gegangen - sogar als Schirmherr. Dort bin ich nicht nur beim Unterwäsche-Lauf gestartet, sondern auch über zehn Kilometer. War eine ziemlich spaßige Veranstaltung.
Ich selbst habe meine letzten zweieinhalb Jahre noch einmal bewusst Revue passieren lassen und alles was passiert ist, zu einem Programm gemacht: Big Step . Das kann man durchaus doppeldeutig verstehen: Ich bin dick eingestiegen ins Sport-Geschäft und es war in der Tat ein großer Schritt über viele kleine Etappen. Gemeinsam mit meinem Coach habe ich mal aufgeschrieben, was alles dazu gehört hat und immer noch notwendig ist, um gesünder, leichter und aktiver zu sein. Und da gibt es noch einiges zu tun.
Wirklich beweglich oder gelenkig scheine ich nicht zu sein, wenn ich mir die ständigen Ermahnungen beim Warmup vor dem Lauftraining anhören: "Micha aufrichten! Rücken gerade! Tiefer! Höher!" Auch habe ich jetzt mal beim Faszientraining mitgemacht. Mein lieber Mann - mir tat alles weh danach. Kräftigungstraining habe ich auch ein paar Mal mitgemacht. Piet sagt immer, gutes Kräftigungstraining macht dich zu einem besseren Läufer. Wenn mein Kräftigungstraining der Maßstab ist, bin ich noch nicht mal ein Läufer.
Ich bin also noch mittendrin in meinem Big Step und arbeite daran, achtsam und bewusst mit mir und meinem Körper umzugehen. Und weil ich gemerkt habe, wie hilfreich dabei Leute oder Leidensgenossen sind, die einen begleiten und herausfordern, habe ich sechs Leute gesucht, die ihren Big Step machen wollen und ihre Herausforderung mit mir teilen.
Total hilfreich finde ich dabei das Ernährungstagebuch, das mein Trainer für mich entdeckt hat und das ich seit einiger Zeit schreibe. Das Tool rechnet meine Mahlzeiten direkt in die anteiligen Fette, Kohlehydrate und Proteine um und sagt mir sofort, wie viel ich laufen, schwimmen oder radfahren müsste, um die Kalorien zu verbrennen. Das hat mir eine Woche lang täglich ein Kaloriendefizit gebracht - und wieder sind ein paar Kilos runter. Ein kleiner Schritt zum großen Ganzen. Genauso wie der Triathlon und dann - Ende September: Mein zweiter Marathon in Berlin.
Wie es mit Michael Klotzbier weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehmblog .