März Wut im Wendland
Die Polizei hatte 120 "Konfliktmanager", psychologisch geschulte Beamte, mobilisiert und auf friedliche Zeiten gehofft, doch die Wut im Wendland ist ungebrochen: Als der erste Castor-Transport in der rot-grünen Ära nach Gorleben rollt, versammeln sich 10 000 unerschrockene Demonstranten, die mit Trillerpfeifen, Sitz- und Treckerblockaden den Zug aufhalten wollen. Einige Protestler springen tollkühn auf einen fahrenden Atomwaggon, eine Gruppe kettet sich im Namen der Umweltorganisation "Robin Wood" auf den Gleisen fest. Rund 60 Experten müssen die Rebellen in einer mehrstündigen Befreiungsaktion aus dem Gleisbett schneiden. Der Störfall bringt Robin Wood weithin in die Kritik, weil die Organisation die Teilnahme der 16-jährigen Marie an der lebensgefährlichen Mission billigt.
Aggressionsobjekt der Demonstranten sind vor allem die Grünen, die "Verräter". Parteichefin Claudia Roth und die Fraktionsvorsitzende Kerstin Müller werden als "mediengeile Tussis" verflucht: "Verpisst euch!" Die niedersächsische Landesregierung klagt über Kosten von 20 Millionen Mark, Ministerpräsident Gabriel betont, weitere Transporte "gefährden den Landfrieden", und fürchtet, "ein Atomstaat" könnte "die Demokratie zerstören". Im November jedoch rollt erneut ein Castor-Treck von La Hague nach Gorleben, diesmal weitgehend störungsfrei. 15 000 Polizisten sind im Einsatz, aber nur halb so viele Demonstranten wie im März erscheinen. Der nächste Castor geht frühestens Mitte 2002 auf den Weg.
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