1. Juni: Königsmord in Nepal - DER SPIEGEL
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1. Juni Königsmord in Nepal

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Offiziellen Augenzeugen zufolge beginnt das Drama kurz vor 21 Uhr: Gerüstet mit mehreren Feuerwaffen, stürmt der nepalesische Kronprinz Dipendra in die Gemächer der Königsfamilie und tötet ­ wild um sich schießend ­ seinen Vater König Birendra, seine Mutter Aishwarya und sieben weitere Familienmitglieder. Als Palastwachen einschreiten, gibt sich der Amokläufer die Kugel und stirbt später an den Verletzungen. Über die Gründe für das Massaker wuchern Spekulationen: Der populäre, liberale König und der Thronfolger, so heißt es, hätten sich politisch völlig zerstritten.

Andere Auguren in Katmandu glauben, vor allem die Königin ­ "eine Frau mit Haaren auf den Zähnen" ­ sei nicht einverstanden gewesen mit der Brautwahl Dipendras, der ein Mädchen aus einem konkurrierenden Clan ehelichen wollte. Der Königsmord stürzt das arme Himalaja-Königreich in eine schwere Krise. Das Volk, das seinen König als Reinkarnation des Hindu-Gottes Vishnu verehrt, misstraut zunächst der offiziellen Mordversion und zieht randalierend durch die Straßen. Verschwörungstheorien gehen um. Die Polizei erhält Schießbefehl. Im unwegsamen Gebirge nutzen maoistische Terrorgruppen, rund 5000 Untergrundkämpfer, die allgemeine Konfusion für eine Offensive und töten mindestens 40 Polizisten. Zum Nachfolger des ermordeten Herrschers wird dessen Bruder Gyanendra ernannt.