Top-Manager Studie: Jeder Siebte kommt aus der Arbeiterklasse - DER SPIEGEL
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Gestatten, Vorstand: Was Top-Manager gemeinsam haben

Foto: Ingo Wagner/ picture alliance / dpa

Studie zur Wirtschaftselite Jeder siebte Vorstand kommt aus der Arbeiterklasse

Top-Manager in einem großen Unternehmen - wie muss man gestrickt sein, um es bis in den Vorstand zu schaffen? Eine neue Studie zeigt: Der Durchmarsch von unten bis nach ganz oben ist selten, aber möglich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zuerst die gute Nachricht: Die Vorstandsebenen in deutschen Unternehmen sind keine geschlossenen Clubs mehr, in die nur Einlass findet, wer aus dem Großbürgertum kommt. Eine Studie von manager magazin und der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar zeigt: Zwar kommt die Mehrheit der Vorstände tatsächlich aus dem Bürger- und Großbürgertum (35 und 22 Prozent). Doch immerhin 14 Prozent der Top-Führungskräfte stammen aus Elternhäusern der Arbeiterklasse und 29 Prozent aus den Mittelschichten.

"Das Bild der Abschottung relativiert sich", sagt WHU-Professor Utz Schäffer, der die Studie zusammen mit Marko Reimer durchführte. "Die Vorstände als Ganzes zeigen ähnliche Herkunftsmuster wie andere gesellschaftliche Eliten, etwa in Justiz und Verwaltung."

Für die Studie werteten die WHU-Forscher die öffentlichen Daten der Vorstände von Dax, M-Dax, Tec-Dax und den wichtigsten nicht börsennotierten Unternehmen aus. Insgesamt wurden 633 Lebensläufe von Top-Managern aus 138 Unternehmen analysiert. Zusätzlich wurden die Vorstände zwischen Oktober 2014 und Mai 2015 zu ihrer sozialen Herkunft, Ausbildung und ihren Aufstiegswegen befragt. 116 Manager in 70 Unternehmen füllten den Fragebogen aus. In seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht manager magazin die Ergebnisse.

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Die Studie zeigt: Der Aufstieg von unten nach ganz oben ist möglich - allerdings ist er für Führungskräfte aus mittleren und unteren Gesellschaftsschichten deutlich beschwerlicher. Waren Manager aus dem Großbürgertum zum Zeitpunkt ihrer Berufung zum Vorstand im Schnitt seit 6,3 Jahren im Unternehmen, dauerte es bei Kollegen aus der Arbeiterklasse mit 12,6 Jahren doppelt so lange.

Trotz unterschiedlicher Herkunft bilden deutsche Vorstände eine recht homogene Gruppe: 95 Prozent der Befragten sind Männer, im Schnitt sind sie 52 Jahre alt, verheiratet und haben zwei Kinder. Mehr als die Hälfte hat ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert, 39 Prozent haben promoviert. Besonders auffällig ist der frühe Drang zur Verantwortung: Gut 57 Prozent der befragten Vorstände engagierten sich als Klassen- oder Jahrgangssprecher.

Die beliebtesten Sportarten der Vorstände in der Jugend: Fußball, Tennis, Skifahren und Schwimmen. Die Erwachsenen joggen lieber als Fußball zu spielen, Schwimmen spielt keine große Rolle mehr. Sportliche Leistungen werden aber immer wichtiger. Wer zur Elite gehören will, muss nicht mehr sämtliche Wagner-Opern nachsingen können, sondern eine gute Zeit beim Marathonlauf vorweisen.


Sie wollen mehr Wirtschaft aus erster Hand? Dieser Text ist ein kurzer Auszug aus der Oktober-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier  im Vorteilsangebot bestellen. Oder stöbern Sie hier in der digitalen Ausgabe des manager magazins.

Klaus Werle (Jahrgang 1973) ist Redakteur beim manager magazin. Dort erschien dieser Artikel in einer etwas längeren Fassung zuerst.