Rentner im Bundesfreiwilligendienst: Jeder 5. Bufdi ist über 50 - DER SPIEGEL
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Rentner im Freiwilligendienst: Alte sind die neuen Zivis

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Rentner als "Bufdis" Alt hilft Älter

Eigentlich sollte der Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst ersetzen. Doch mehr als jeder fünfte "Bufdi" ist über 50. Unter ihnen sind einstige Ingenieure und Techniker, die heute in Pflegeheimen und Kliniken arbeiten - für ein Taschengeld.
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Dass er einmal "Bufdi" werden würde, konnte Hans-Jürgen Enders zu Beginn seiner Karriere nicht ahnen. Als er sich zum Flugingenieur ausbilden ließ, existierte das Wort noch nicht einmal. Nach rund 20 Jahren im Job sattelte er um und machte eine Ausbildung zur Betreuungskraft im Pflegeheim. Jetzt, mit 56 Jahren, arbeitet er als Bufdi.

Der Begriff steht für Bundesfreiwilligendienst, den Nachfolger des 2011 abgeschafften Zivildienstes. Im Gegensatz zum Zivildienst hat der Bundesfreiwilligendienst jedoch keine Altersbegrenzung. Mehr als 40 Prozent aller Bufdis sind älter als 27 Jahre, fast jeder zwölfte ist sogar älter als 61 Jahre.

Bufdis arbeiten sechs bis 24 Monate lang in Krankenhäusern oder Behindertenheimen, in Sportschulen, Jugendherbergen oder Therapiezentren. Dafür bekommen sie ein Taschengeld von maximal 357 Euro monatlich.

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Besonders im Osten melden sich Ältere zum Freiwilligendienst: Unter den deutschlandweit rund 44.000 Bufdis, die im Mai registriert wurden, kamen rund 7700 der über 50-Jährigen aus den neuen Bundesländern. Dagegen waren es im Westen in derselben Altersgruppe nur circa 2000. Die Linke kritisierte deshalb schon vor dem Start, dass sich der Freiwilligendienst zu einem neuen Niedriglohnsektor entwickeln werde.

Ex-Ingenieur Enders arbeitet 39 Stunden die Woche in einem Frankfurter Pflegeheim und betreut dort alte Menschen. In seinem früheren Job habe er viel von der Welt gesehen, sagt er. Als es gesundheitlich nicht mehr ging, musste er sich etwas Neues suchen. Er entschied sich für eine Ausbildung im Pflegeheim. "Ich hatte schon immer eine soziale Ader."

"Das Geld ist für mich nicht ausschlaggebend"

Mit den Heimbewohnern spielt er Karten und liest ihnen regelmäßig vor. Auch Smalltalk gehöre zu seinem Job, "ein bisschen wie der gute Nachbar". Neuerdings schreibt der Hobbyschriftsteller zusammen mit drei älteren Frauen sogar einen Roman. "Er spielt in einem Pflegeheim."

Auch Peter Gmell, 66, freut sich über das Gefühl, gebraucht zu werden. Der Rentner arbeitet als Bufdi in einer Tagesklinik für psychisch kranke Menschen in Frankfurt. "Ich wollte nicht so abrupt aufhören und mal was ganz anderes machen", sagt der gelernte Fernsehtechniker.

Für Gisela Hefft, die Leiterin der Tagesklinik, kam Gmell wie gerufen. Gerade hatte ein junger Mitarbeiter gekündigt, der in der Klinik ein Freiwilliges Soziales Jahr machte. Gmell machte auf Anhieb einen so guten Eindruck, dass das Sozialwerk Main Taunus ihm seinen Job als Bufdi gleich auf die maximale Zeit von 18 Monaten zusagte. Gmells ruhige, entspannte Art schätzten die Menschen in der Tagesklinik sehr, sagt seine Chefin.

Gmell kommt 25 Stunden pro Woche in die Tagesklinik. Er bereitet das Frühstück für täglich rund 25 Menschen vor, räumt mit ihnen anschließend gemeinsam ab und holt das Mittagessen aus einer Großküche ab. Gegen 13 Uhr ist Schluss.

Gmell mag seinen Job. "Das Geld ist für mich nicht ausschlaggebend", sagt er. Er freue sich über seine neue Aufgabe, zumal seine Lebensgefährtin noch voll arbeitet. "Man kommt sich nicht so verloren vor."

Enders sieht das ähnlich. "Das ist keine Sache des Geldes. Es macht mir so viel Spaß, und ich kriege von den Bewohnern so viel zurück", sagt er. "Bufdi ist eine tolle Sache. Ich kann das auch jungen Leuten nur ans Herz legen, gerade wenn sie noch nicht so genau wissen, was sie machen wollen."

Ira Schaible/dpa/ant