Karriereplanung: Dieses Jahr werde ich Chef - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Karriereplanung Und jetzt werde ich Chef

Im Job soll es endlich aufwärts gehen. Schöner Vorsatz, aber wie fängt man's an? Birgit Bergmann ist Führungskräfte-Coach. Sie erklärt, wie man sich in der Firma für Höheres empfiehlt - und warum auch eine Abfuhr ein Fortschritt ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KarriereSPIEGEL: Frau Bergmann, im neuen Jahr wird alles anders, und ich will endlich Chef werden. Wer so denkt, dem kann geholfen werden, oder?

Bergmann: Dem sollte geholfen werden, denn wenn Sie frisch aus den Weihnachtsferien kommen, als erstes zu ihrem Vorgesetzten gehen und einfach sagen: Ich will mehr - dann wird das mit ziemlicher Sicherheit nichts.

KarriereSPIEGEL: Aber heißt es nicht immer, man soll seine Karriereziele klar kommunizieren und nicht nur verdruckst seinen Dienst machen?

Bergmann: Absolut. Um jedoch mit Ihrer Forderung erfolgreich zu sein, müssen Sie vor allem auf eines achten: Was sagen sie, wann sagen Sie es und wem.

Zur Person
Foto: privat

Birgit Bergmann arbeitet als Management-Coach in München. Sie blickt auf eine langjährige Industrie- und Führungserfahrung zurück und ist Expertin für die Positionierung von Führungskräften.

KarriereSPIEGEL: Beginnen wir mit dem Was.

Bergmann: Sie müssen sich empfehlen für eine Sache: Was Sie antreibt, was Sie gern umsetzen möchten. Zum Beispiel, dass Sie eine Projektidee haben - die stellen Sie vor. Dann erwähnen Sie noch, dass Sie das auch gern leiten würden. Aber der Ansatz muss vom Inhalt her kommen...

KarriereSPIEGEL: ...und nicht von einem Wunsch nach mehr Hierarchie auf der Visitenkarte. Jetzt das Wann, bitte.

Bergmann: Der Jahresanfang muss nicht unbedingt die beste Zeit sein. Wann haben Sie Ihr nächstes Jahresgespräch, im März vielleicht? Dann lohnt es sich meist, zu warten. Oder gibt es strategische Entscheidungen in der nächsten Zeit, auf die Sie Rücksicht nehmen sollten? Wird ein Bereich umstrukturiert? Geht vielleicht ein Vorgesetzter demnächst in Elternzeit, den Sie vertreten könnten? Kurzum: Betten Sie das Timing ein in das Umfeld Ihrer Firma.

KarriereSPIEGEL: Bestimmt geht es doch auch um Gelegenheiten, also nicht nur das große Wann, sondern auch welche Anlässe geeignet sind?

Bergmann: Es gibt viele Momente, die Sie entspannt nutzen können - am Rande von Besprechungen, beim Kaffeetrinken. Hier können Sie kleine Botschaften senden: Wer Sie sind, was Sie gerade machen, auch mal testen, wie das Gegenüber auf Ihre Ideen so reagiert.

Fotostrecke

Typologie der Bosse: Ich Chef, du nix

Foto: Dirk Schmidt

KarriereSPIEGEL: Und wenn er oder sie dann so was sagt wie: Schnauze, Labersack?

Bergmann: Dann sind Sie ruhig und nutzen eine bessere Gelegenheit. Oder einen anderen Gesprächspartner.

KarriereSPIEGEL: Womit wir beim Wem wären - also: Mit wem rede ich?

Bergmann: Schaffen Sie Beziehungen quer durch Unternehmen und Branche. Nur mit Ihrem direkten Vorgesetzten zu kommunizieren, ist zu wenig. Reden Sie mit den Kollegen ihres Chefs, mit seinen Vorgesetzten, mit Multiplikatoren in der Firma - die alle haben Ideen, entwickeln Dinge, von denen Sie bisher keine Ahnung hatten. Und kommen so vielleicht mal auf Sie zu, weil Sie im Hinterkopf haben: Der hatte doch gute Ideen in diesem Bereich.

KarriereSPIEGEL: Klingt vor allem nach geschickter Verkaufe.

Bergmann: Sie machen sich zur Marke.

KarriereSPIEGEL: Und wie werde ich am geschicktesten zur Marketingchefin in eigener Sache?

Bergmann: Das ist nicht einfach. Sie sollten damit frühzeitig beginnen. Machen Sie sich Gedanken, wer Sie sind und wohin Sie wollen, was Sie auszeichnet. Das klingt vielleicht trivial, ist es aber nicht. Und holen Sie Feedback ein. Wenn Ihr Chef dann sagt: So sehe ich Sie nun wirklich nicht - dann haben Sie auch etwas erfahren.

KarriereSPIEGEL: Also sollte mein Vorsatz nicht sein: 2014 werde ich Chef. Sondern: 2014 bringe ich mich ins Gespräch?

Bergmann: Wenn Sie das ernsthaft betreiben, werden Sie nicht mehr aufhören. Sie werden Befürworter finden, die sich für Sie einsetzen. Und mit nach oben ziehen.