Explosionsserie in Nigeria Bis zu 2000 Tote?
Nairobi/Lagos - Mindestens 600 Menschen sind auf der Flucht vor der Explosionsserie in einem Munitionsdepot in Lagos ums Leben gekommen. Das haben Regierungssprecher inzwischen bestätigt. Inoffizielle Schätzungen gehen sogar von rund tausend Toten in der nigerianischen Millionenstadt aus, berichtete der Tageszeitung "This Day", das Blatt "Vanguard" schreibt sogar von 2000 Toten. "Was in Lagos geschehen ist, war eine monumentale Tragödie und eine nationale Katastrophe", sagte Nigerias Präsident OlusegunObasanjo in einer Rundfunkansprache.
Nach Angaben des Gouverneur von Lagos, Bola Tinubu, handelt es sich bei den meisten Todesopfern um Kinder und Babys. Er macht die nigerianische Armee für das Inferno verantwortlich und kritisierte, dass es kein Frühwarnsystem gegeben habe. Das Munitionsdepot müsse aus der Stadt entfernt werden, forderte der Gouverneur am Dienstag in dem gleichen Blatt. "Es ist traurig, mit dieser Opferzahl konfrontiert zu werden," sagte der Politiker.
In den Krankenhäusern der Stadt kamen die Leichenhallen an die Grenzen ihres Fassungsvermögens. Der Direktor eines Krankenhauses sagte, seine Leichenhalle sei voll von toten Kindern zwischen 5 und 13 Jahren. In den Ambulanzen werden noch immer zahlreiche Verletzte mit ihre Brand- und Schnittwunden behandelt. Viele von ihnen standen noch immer unter Schock.
Bei dem Unglück war durch die Serie von Explosionen stundenlang Gewehr- und Panzermunition auf weite Teile der Stadt niedergehagelt. Nach Medienberichten glaubten die meisten Menschen zunächst an einen Staatsstreich gegen die Zivilregierung von Obasanjo, die seit drei Jahre im Amt ist. Viele hätten geglaubt, die Armee bombardiere die Stadt.
Bei der Katastrophe soll es sich nach Angaben der nigerianischen Behörden um einen Unfall handeln. Dies sagte ein Sprecher des Verteidigungsausschusses des Senats, Mohamed Ibrahim, am Dienstag im staatlichen Rundfunk. Ein Feuer auf einem Markt war auf ein Waffenlager der Armee übergesprungen und hatte die Detonationen ausgelöst.
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Die Opfer seien auf der Flucht vor den Geschossen von den flüchtenden Menschenmassen in die Kanäle der Lagunenstadt gedrängt worden. Diese Kanäle sind nach Berichten von Anwohnern mit hochgiftigen Industrieabwässern verseucht.
Helfer sollen sich nun um Hunderte von Kindern kümmern, die während des Infernos ihre Eltern verloren. Ein Komitee soll die Zusammenführung von Familien betreiben, die während des Unglücks getrennt wurden.