US-Aktionen in Somalia Der Countdown läuft
Brüssel/Berlin/Nairobi/Mogadischu - Die Frage sei nicht mehr, ob dort eingegriffen werde, sondern nur noch wann und mit welchen Mitteln, verlautete am späten Dienstagabend aus sicherer Quelle in Brüssel nach einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister. Es sei ein Irrtum zu glauben, die Bekämpfung des Terrorismus sei auf den Einsatz in Afghanistan beschränkt, hieß es weiter.
Nach den Worten des US-Generalstabschef Richard Myers könnte das afrikanische Land ein Ziel im Kampf gegen den Terrorismus sein, aber nicht notwendigerweise ein militärisches Ziel. Somalia sei eines von mehreren Ländern, wo dem Recht Geltung verschafft werden müsse, auf politische Weise oder möglicherweise auch mit militärischen Mitteln, sagte Myers am Mittwoch im Nato-Hauptquartier in Brüssel.
Nach dem Einsatz der USA in Afghanistan war immer wieder spekuliert worden, ob die Regierung in Washington auch gegen andere Staaten vorgehen wird, die im Verdacht stehen, den Terrorismus zu unterstützen.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Dienstag in diesem Zusammenhang Jemen und Sudan genannt. Auch Irak gilt als Land, in dem sich Kader der Organisation al-Qaida des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden aufhalten sollen.
Berlin weiß von nichts
Das Auswärtige Amt in Berlin hat nach eigenen Angaben keinerlei Hinweise auf eine solche Ausweitung. "Das sind die absonderlichsten Meldungen, die einen da erreichen", sagte Sprecher Andreas Michaelis am Mittwoch in Berlin. Die USA hätten mehrfach mitgeteilt, dass sie sich bei ihrem Kampf gegen den Terror auf Afghanistan konzentrieren wollten. Andererseits gebe es auch die Ankündigung, den Terrorismus weltweit zu bekämpfen. Die Bundesregierung wisse jedoch nichts über konkrete Aktionen der Vereinigten Staaten gegen Somalia.
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Augenzeugen berichten allerdings bereits seit Wochen über amerikanische Kriegsschiffe vor der somalischen Küste und Aufklärungsflüge der US-Luftwaffe. Eine US-Militärdelegation hatte sich in der vergangenen Woche in der somalischen Stadt Baidoa in Gesprächen mit militanten oppositionellen Clanchefs über mögliche terroristische Lager informiert.
Deutschland will im Rahmen der Kooperation mit den USA Schiffe in das Seegebiet vor Somalia entsenden. In Kreisen der deutschen Delegation beim Nato-Ministertreffen wurde darauf hingewiesen, dass es nicht nur deren Aufgabe sei, die Sicherheit der Schifffahrt vor dm ostafrikanischen Land zu garantieren. Vielmehr gebe es auch Erkenntnisse darüber, dass Angehörige terroristischer Gruppen auf dem Seeweg nach Somalia kämen, um sich dort zu verstecken. Somalia selbst habe Unterstützung erbeten, um dieses Einsickern zu verhindern.
US-Vertreter vor Ort
Ein US-Regierungsvertreter hielt sich am Mittwoch nach lokalen Rundfunkberichten zu Verhandlungen mit dem somalischen Übergangspräsidenten Abdikasim Salat Hassan in der Hauptstadt Mogadischu auf. Thema sollte ein Einsatz im internationalen Kampf gegen den Terrorismus in dem Land am Horn von Afrika sein, hieß es.
Mehrere afrikanische Staaten forderten die USA unterdessen am Mittwoch auf, von einer Militäraktion in Somalia abzusehen und stattdessen mit der dortigen Übergangsregierung zusammenzuarbeiten. Diese hatte sich bereit erklärt, Terroristen-Camps aufzulösen, sofern sich diese tatsächlich in Somalia befinden. Die Erklärung wurde von der sudanesischen Botschaft in Kairo veröffentlicht.
Kritische Stimmen gibt es auch innerhalb der Anti-Terror-Allianz. Ein Angriff auf Somalia, so die Warnungen, könnte das Bündnis gegen den Terror zum Einsturz bringen.