Die wichtigste Rede des Jahres wird in Bayern in einem Wirtshaus gehalten: beim Paulaner auf dem Münchner Nockherberg. Es spricht zum traditionellen Starkbieranstich kein gewählter Politiker, sondern ein von der Brauerei bestellter Fastenprediger. Eine hochpolitische Personalie: Als im vergangenen Juli der langjährige Redner Maximilian Schafroth ausgetauscht wurde, war die Staatskanzlei vorab informiert. Am Mittwoch stand nun erstmals der Kabarettist Stephan Zinner in dieser Rolle auf der Bühne, um die im Saal versammelte Politprominenz des Freistaats zu verspotten – beziehungsweise zu »derblecken«, wie es auf Bairisch heißt. Die »Großkopferten« nippten dazu am Starkbier und gaben sich Mühe, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten. Sie wussten: Das bayerische Fernsehen überträgt jede Regung live. kuz
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Die Grünen wollen ihre Parteistrukturen effizienter machen und die Mitbestimmung auf Parteitagen leicht einschränken. Klingt nach einem Minus, ist aber ein Plus. Zu viel Basisdemokratie kann lähmen, zumal bei 180.000 Mitgliedern.
Schlecht: Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt, Russland könne versuchen, die diesjährigen Landtagswahlen in seinem Sinn zu beeinflussen. Bislang hatte es solche Versuche vor allem bei Bundestags- und Europawahlen gegeben. Nutznießer könnte die AfD sein.
Gegenstand der Politik
Foto:
Shahid Mehmood / Getty Images
Die Brandmauer
Als politische Metapher wird die »Brandmauer« derzeit enorm bemüht. In der Wirklichkeit unterliegt eine Brandwand strengen baurechtlichen Vorschriften. Ihr Zweck besteht darin, das Ausgreifen eines Brandes auf ein benachbartes Gebäude oder einen Gebäudeteil zu verhindern – über einen längeren Zeitraum und auch dann, wenn Teile des betroffenen Gebäudes einstürzen sollten. Die Wand muss halten. Deshalb wird sie durch alle Geschosse geführt, ruht unten auf dem Fundament und ragt oben mindestens 30 Zentimeter über das Dach hinaus. Sie muss aus nicht brennbaren Baustoffen wie Ziegelmauerwerk, Kalksandstein oder Beton errichtet und mindestens zwölf Zentimeter dick sein. Zulässig ist auch eine Konstruktion aus Dämmstoff, der von nicht brennbarem Gipskarton und Stahlblech ummantelt wird. Öffnungen in äußeren Brandwänden sind unzulässig – sind aber bei innen liegenden insofern erlaubt, wie sie für die Nutzung des Gebäudes unerlässlich sind. In diesem Fall haben die verschließenden Türen oder Fenster einem Brand mindestens 90 Minuten standzuhalten. Eine fehlende oder beschädigte Brandmauer muss zwingend nachgerüstet oder repariert werden. Andernfalls drohen ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen. Im Extremfall kann sogar ein Abriss des Gebäudes angeordnet werden. fra
Hieroglyphe unserer Zeit
Foto:
DER SPIEGEL
Kinder fragen manchmal, was denn diese kleine 9 über dem Benzinpreis an der Tankstelle heißen soll. Neun zehntel Cent – wie soll man die bezahlen? Wir haben uns längst an den psychologischen Trick gewöhnt, dass das Benzin real fast einen Cent mehr kostet als groß angeschlagen. Doch seitdem die Benzinpreise klettern, weil Iran nach den Angriffen aus Israel und den USA die Meerenge von Hormus schließt, bekümmert es auch die Erwachsenen wieder. ded
Immer mehr Ältere nutzen Social Media: Ob das gut geht?
»Wir haben alle Lesebrillen von Papa eingesackt, anders war seiner Instagram-Sucht nicht beizukommen!«
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
Landauf, landab
Traditionsbewusst Unter immateriellem Kulturerbe versteht die Deutsche Unesco-Kommission »Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten«, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sechs Bundesländer führen eigene Kulturerbe-Verzeichnisse, darunter Bayern, Sachsen und das Saarland. Alle Länder machen zudem regelmäßig Vorschläge für das deutschlandweite Verzeichnis. 168 Einträge hat es aktuell; das Handwerk des Bierbrauens steht ebenso darin wie die Genossenschaftsidee oder das Hebammenwesen. Bayern hat bislang die meisten Einträge eingebracht: 38. Viele Traditionen werden aber ohnehin in mehreren Bundesländern gelebt. cdu
Holi ist ein farbenfrohes Frühlingsfest in Indien. Es fällt auf den Vollmond des Monats Phalguna, und die Menschen bewerfen sich mit bunten Pulvern. Sie feiern so das göttliche Liebespaar Krishna und Radha, aber auch den Sieg des Guten über das Böse. Dieses Jahr machte ausnahmsweise der Mond selbst mit beim Farbspektakel: Das Holifest fiel auf die Mondfinsternis, die den Vollmond zwischenzeitlich blutrot färbte. Das leuchtende Gelb, das diese Frauen in Mumbai umgibt, wird traditionell aus getrockneten Kurkumawurzeln und Ringelblumen gewonnen. esc
Die Formel 1 ist ein Hochgeschwindigkeitsspektakel, das noch immer Zuschauermassen anzieht, zugleich wirkt es aus der Zeit gefallen. Doch mit Regeländerungen versucht der Vollgaszirkus, in der Welt des Klimawandels und der E-Mobilität anzukommen: Ab dieser Saison werden die 1000-PS-Autos mit nachhaltigem Treibstoff betrieben, und die Leistung wird zu 50 Prozent elektrisch erzeugt. Mit dem Rennauftakt in Melbourne am Wochenende wird es entscheidend auf das Energiemanagement der Boliden ankommen, das effiziente Laden und Entladen der Batterien. Künftig kommt nicht mehr zwingend als Erster durchs Ziel, wer mit durchgedrücktem Gaspedal am schnellsten in die Kurven rast, sondern wer zum richtigen Zeitpunkt auf die Bremse geht und Tempo rausnimmt. mad
Stunden arbeiteten Teilzeitbeschäftigte 2025 durchschnittlich pro Woche. Mittlerweile sind 39,9 Prozent der Erwerbstätigen in Teilzeit, ein neuer Höchststand.
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Ein letzter Blick auf den Blutmond: Die einzige totale Mondfinsternis des Jahres konnte man am vergangenen Dienstag in Ostasien, Australien, Nordamerika und Teilen Südamerikas sehen. Auch in der südchinesischen Provinz Hainan, wo das Foto entstand, ließ sich beobachten, wie der Schatten der Erde den Vollmond vollständig bedeckt. Rot erscheint der Mond, weil das wenige Licht, das seine Oberfläche erreicht, durch die Erdatmosphäre gefiltert wird. In Europa wird das Himmelsspektakel erst wieder am 31. Dezember 2028 zu betrachten sein. kk
Minuten mehr im Schnitt pro Nacht schliefen Schweizer Schüler, die für eine Studie einen flexiblen Unterrichtsstart bis 8:30 Uhr wählen durften. Die Forschenden beobachteten bei den Jugendlichen weniger Einschlafprobleme, zudem schnitten sie besser in Mathematik- und Englischtests ab.
Man kennt es vom Pausenhof: Tischtennis funktioniert auch ohne Schläger. Dann kommen eben Handfläche, Schulbuch oder Federmappe zum Einsatz. Eher selten gilt das für den Kopf. Dabei ist Kopfballtischtennis – Headis genannt – sogar ein praktizierter Sport. Headis funktioniert wie Tischtennis, nur mit Kopf statt Schläger und einem Spielgerät, das etwa die Größe eines Handballs hat. Entstanden ist Headis in Kaiserslautern und eher zufällig. Weil der Fußballplatz besetzt war, wich Erfinder René Wegner auf eine Tischtennisplatte aus. mon
»Wir haben alle Lesebrillen von Papa eingesackt, anders war seiner Instagram-Sucht nicht beizukommen!«
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
Foto: Punit Paranjpe / AFP
Foto:
Bradley Collyer / PA Wire / dpa
Foto: Cheng Xin / Getty Images
Foto:
Andreas Buck / FUNKE Foto Services / IMAGO
Mehrfachnutzung erkannt
Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt.
Sie können SPIEGEL+ auf diesem Gerät weiterlesen oder sich , um Ihr Abo auf einem anderen Gerät zu nutzen.